Gabriele Kuhn und Michael Hufnagl

© Jeff Mangione

Kolumnen
07/12/2020

Paaradox: Überraschung!

22 gemeinsame Jahre ergeben zwangsläufig auch eine gewisse Routine. Daher ist es mitunter wichtig, ungewöhnliche Akzente zu setzen ... oder?

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

SIE

Das Schöne an einer Ehe ist, dass alles vertraut wird – als Konstante, als Hafen, als Rückzugsort. Dermaßen, dass man  irgendwann sagen kann: So weich, mein Faserschmeichler … dass ich ihn blind erkenn’! Zahlreiche, fast lästige, Antworten und Fragen stellen sich nun nicht mehr, wie etwa: Zu mir oder zu dir?  Er ist immer da. Immer. Wie gut.

Träume, Schäume, Samstage

Doch manchmal träume ich. Davon, dass ein Freitag anders verläuft als die 124 Freitage zuvor. Sich daraufhin ein Samstag als Überraschungstüte entpuppt, die er für mich gefüllt hat – mit  Ideen für einen zauberhaften Nachmittag im Souterrain des siebten Himmels. Hauptsache anders – weitab vom „immer“.  Was passiert? Der Mann nebenan kippt,  von der Alltagslast erschöpft, waagrecht auf das Sofa, um mir von dort aus zu verraten, was er am Samstag vorhat: Langatmige Outdooraktivitäten mit Schläger und Ball, weil es für ihn nur so möglich wäre, richtig abzuschalten. Eh okay für dich? Klar, wie die vergangenen 134 Male auch. Sicherheitshalber fügt er ein Aber einkaufen gehen kann ich schon! hinzu.

Ich weine fast vor Rührung. Hin und wieder erzähle ich ihm von meiner Sehnsucht nach  Irritation und Abwechslung – nach Tataaaa, Überraschung!. Das arbeitet in ihm. Meist fragt der Meister des Delegierens eine Woche später, was wir die Woche darauf, Tolles und Anderes machen könnten: Du hast sicher eine Idee. Also sag! Ich sage allerdings: Nein, sag du!. Das geht meist so lange hin und her, bis wir sehr müde sind und gar nichts mehr zu sagen haben. Dann spazieren wir mit dem Hund durch einen anderen Wald und danach zu einem anderen Heurigen. Und wenn er dort keinen Schweinsbraten isst, sondern ein Liptauerbrot, bin ich endlich überrascht.

NEUE TERMINE:  8.  10. Stadtgalerie Mödling; 16. 10. Stalltheater Königstetten; 24. 10. Rabenhof; 6.11. Hagenbrunn; 14.11. St. Pölten;  19. 11. Langenlois

gabriele.kuhn@kurier.at / facebook.com/GabrieleKuhn60

ER

Ja, es gibt diese  besonderen Sätze in einer langjährigen Ehe, die ich mehr fürchte als eine schlechte Schnitzel-panier oder eine Verletzungspause von Lionel Messi. Wie etwa die Bitte, die einem Blitzschlag gleich mein entspanntes Dasein elektrifiziert: „Überrasch’ mich!“ Da steht meine Frau dann plötzlich vor mir, verweigert trotzig die Einladung, sich doch mit mir gemütlich das   Londoner Derby Tottenham – Arsenal  anzusehen und fasst ihren Traum vom Routine-Bruch in blumige Worte. Leider meint sie mit der spontanen Sehnsucht  nach dem Ungewöhnlichen nicht meine Bereitschaft, nach einer wochenlangen Planungsphase ohne sechste Aufforderung die neue Schlafzimmerlampe zu montieren. Nein, gnä Kuhn denkt in solchen  Fällen größer und will sich von mir inspiriert mit Laserschwertern geheimnisvolle Wege durch den Alltagsdschungel  freischlagen.

Wink des Schicksals

Als hätte es sich bei der Weihnachtsfeier 1997 nicht um eine Überraschung gehandelt, die für ein Leben reichen müsste. Damals setzte ich mich als dreister Unbekannter neben sie (dass ich ihr erschienen wäre, behalte ich als Wahrnehmung lieber für mich) und erzählte von unseren Telefonklappen 2871 und 2872, die nicht näher zusammenliegen könnten, was wohl als Wink des Schicksals zu deuten sei. Nur ein Jahr später schrieb ich ein Buch mit dem Titel Gabriele und formulierte eine hundertseitige Liebeserklärung. Eine Überraschung, die meiner Meinung nach so viel wert ist wie hundert (nicht arrangierte) Wochenendausflüge.

Aber nix da ... bereits 22 Jahre später will die Liebste schon wieder ein Zeichen meiner kreativen Aufmerksamkeit. Also schlug ich ihr ein Sektfrühstück in einem Boot auf der Alten Donau vor (um zum Derby rechtzeitig wieder zurück zu sein). Und was sagte sie: „Es soll aber regnen.“ Hm, schade. Ich verspreche jedoch: Für die nächste Überraschung im Jahr  2042 werde ich nichts dem Zufall überlassen. 

michael.hufnagl@kurier.at / facebook.com/michael.hufnagl9

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