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Kolumnen
01/17/2021

Paaradox: Schnipp? Schnapp!

Kreative Lockdown-Ideen braucht das Paar. Daher müssen diverse Spiele auf den Tisch. Aber was, wenn sich die beiden Spieler-Naturen drastisch voneinander unterscheiden?

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Sie

Neueste Beschlussfassung  zur aktuellen Situation: Wir müssen  mehr spielen! Aber was? Der Mann nebenan neigt zum Strategiespiel, da kann er maximal protzen und glänzen. Er liebt es, mit lächerlich kleinen Spielsteinen die große, weite Welt zu erobern und sich dabei wie ein listig-lustiger Taktik-Doppeldoktor zu fühlen. Eher nix für mich, weil ich den Reiz darin nicht erkennen kann, ob mir die Provinz Kastilien oder die Parkstraße gehört. Und ich verstehe auch nicht, warum manche Menschen in Ekstase geraten, wenn ihnen eine „Handelsstraße“ bei den Siedlern von Catan gelingt. Mir ist das wirklich wurscht. Er hingegen lässt keine, noch so peinlich-infantile, Methode aus, um sich den Sieg zu erschleichen – dabei geriert er sich als Großmeister des Tarnens, Täuschens, Jammerns. Wie oft es ihm schon gelungen ist,  mithilfe des Ichbinjasoarm!-Konstrukts zu gewinnen – frage  nicht!  Abgesehen davon, dass er mit seinem Pseudo-Sieg tagelang angibt.

Schnapsen oder reden?

Nach längerem Hin und Her entschieden wir uns  für Kartenspiele, allerdings ohne welche zu besitzen. Also schnupperten wir im Onlinehandel, wobei ihm vor allem schlichte Klassiker wie „Maumau“, „Canasta“ und „Schnapsen“ ins Auge stachen. Um abzurunden, was ich davon halte, fragte ich ihn, ob wir uns nicht besser für das  Pferdequartett (ab 4) entscheiden sollten. Jetzt lag Spannung in der Luft: „Du willst wohl lieber so ein tiefgründiges Paar-Frage-Spiel,  bei dem ich über geheime Wünsche reden muss, die du dann schluchzend mit einem Wieso erfahre ich das jetzt alles  erst?“ kommentierst. Da streiten wir doch nur!“ Stimmt, so eine Art intime Talkshow hatte ich tatsächlich schon im Auge, sie aber instinktiv wieder verworfen – vielleicht doch lieber „Schnippschnapp“. Am Ende entschlossen wir uns dann beide spontan für „Zwei Doofe, ein Gedanke“ und „Stadt. Land. Vollpfosten“. Wir wissen zwar noch nicht, worum es dabei geht, aber es klingt so, als würden sie perfekt zu uns passen.

gabriele.kuhn@kurier.at / facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

So ein Lockdown  sorgt für sonderbare Pirouetten, aber damit hätte ich niemals gerechnet. Meine Frau hatte im Laufe vieler Ehejahre schon allerlei bemerkenswerte Ideen, ich erinnere mich z. B. noch an ihr spontanes Lass’ uns doch einmal ins ,Museum für Sinn- und Existenzfragen‘ gehen (ja, das gibt’s wirklich). Aber dass sie sich wie aus heiterem Himmel vor mir aufpflanzen würde, um – ohne zu lachen – die Vision eines Spieleabends zu formulieren, verschlug mir die Sprache. Und das heißt etwas. Ausgerechnet sie! Die bereits auf Seite 2 einer zehnseitigen Spielanleitung das Lesen einstellt und sagt: Wurscht, fangen wir einfach an. Die mir später dann vorwurfsvoll entgegenschleudert: Du immer mit deinen Regeln – als hätte ich, und nicht der Produzent, sie erfunden. Und die sich am Ende zornig wundert, dass ihr Zugang (intuitives Agieren statt strategischem Denken) eher selten mit Gewinnen belohnt wird und verlässlich zur Conclusio kommt: Ich hasse Spielen.

Hauch von Resignation

Aber die Ausgangsbeschränkungen zeigen Wirkung. Also schlug ich ihr zuliebe Mikado vor, weil ihr mein zittriges Wesen reelle Siegchancen eingeräumt hätte. Aber das war ihr zu öd. Schach? Zu kompliziert. Scrabble? Zu anstrengend. Als ich ihr mit einem Hauch von Resignation „Fang den Hut“, „Halma“ oder „Lotti Karotti“ vorschlug, nahm sie das persönlich. Weil gnä Kuhn nämlich eine Frau ist, die geistig gefordert werden will, allerdings bitte ohne Nachdenken. Leider harrt das Spiel, das diesem speziellen Anspruch gerecht wird, noch seiner Erfindung. So landeten wir tatsächlich beim Zweierschnapsen. Und was soll ich sagen? Sie wollte zwar erst einen schriftlichen Beweis dafür, dass der Zehner den König sticht, hatte aber dann bereits in den ersten beiden Partien zwei Vierz’ger in der Hand … und gewann. Gell, da schaust, G’scheitel, sprach sie triumphierend. Ich zitierte gönnerhaft und gelassen Demokrit: „Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.“ Und mischte die Karten neu. 

michael.hufnagl@kurier.at / facebook.com/michael.hufnagl9

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