Kolumnen
25.03.2018

Paaradox: Und Action!

Wie im Film. Im Wohnzimmer knallt’s, sie ist fassungslos, er sammelt neue Kräfte.

SIE

Pfabumm. Krcks. Bumm. Peng. Schreie, Ächzen. Und Stöhnen. Jäh wird die Stille dieses grauen Tages durchschnitten. Ich sitze beim Computer, doch verdammt, wo ist der Mann nebenan? Ein weiteres Zadong und Bumm, ein bedrohliches Rumpeln im Westflügel der Wohnung. Die Herzfrequenz steigt. Sind Einbrecher in da house? Wähnt die Cobra subversive Kräfte in meiner Küche?

Kuscheldecke und Skisocken

Den Atem anhaltend wuzle ich mich an die Wand gedrückt, Richtung Wohnzimmer – so, dass mich durch die Milchglastür zum Vorzimmer keiner sehen kann. Es lebe der Überraschungsmoment.  Beherzt und mit  Knirps-Schirm bewaffnet (mehr war  nicht zu finden) stürze ich in den Raum, auf alles gefasst. Nichts. Keine Cobra, keine böse Bande, sondern einfach nur der Mann nebenan. Aufs  Sofa gebettet, bis zur Nasenspitze in meine Kuschel-Felldecke gehüllt, deren Anschaffung er einst mit folgenden  Worten kommentiert hatte:  Wozu brauchma die, wir san ja net in Novosibirsk. Am Ende der Kuscheldecke: Herrenfüße in  Skisocken, beide mit dem Buchstaben L. Immer noch grippig, der Bub, zwei Linke an, da bleibt offenbar  nur mehr Actionfilm-Binge-Watching als Wadenwickel für die lädierte Männerseele. Das Entree macht  „Redemption. Stunde der Vergeltung“ mit Jason Statham. Dazu er, mit glasigem Blick: Irre berührend, so viel Tiefgang, Schatz. Ich reiche extraweiche Nasentücher. Danach geplant: sämtliche Teile von „Stirb langsam“. Dazu er, mit zittriger Stimme: Ein bissi tu ich schon ausschauen wie der Bruce Willis, gell? Aber  sicher, Hasi – und viel Spaß. Es geht nämlich nichts  über so energiespendende und heilende Worte wie „Yippie-ya-yay, Schweinebacke!“

Paaradox-Termine: 13. 4. Oberwaltersdorf, 8. 5. Perchtoldsdorf

ER

Und so sprach die gute Frau eines Tages, während ich mich Kaffee trinkend in der wohligen Leere des Morgens verlor: „Duuhuu, Schatzi“ ... lange Kunstpause ... „so kann das echt nicht weitergehen.“ Eine Formulierung, die mich hochschrecken ließ. Denn  ich habe gelernt: Was auch immer folgen mag, es wird fordernd sein,  etwas fundamentales im Stil von „Wir werden beide nicht jünger, und ich glaube, wir brauchen einen Laubsauger.“

Sooooo romantisch

Mein Gefühl täuschte mich nicht. Gnä Kuhn hat  sehr schlecht geschlafen, als Hohepriesterin der Selbstheilung aber natürlich sofort die Ursache dafür entdeckt. „Wir dürfen am Abend keine aufwühlenden Filme mehr anschauen, weil ich nehme diese Emotionen alle mit ins Bett.“ Klarerweise verfestigte sie ihre Erkenntnis augenblicklich mit einem Link, der sie wissenschaftlich bestätigte. Heißt: keine Actionfilme mehr, keine Thriller, keine Dramen. Statt dessen: Liebesfilme und Komödien. Die verlässlich damit enden, dass ein Mann zu irgendeiner 90 Minuten lang verschütteten Einsicht gelangt und dann durch Menschenmassen rennt,  zum Flughafen rast oder auf Kräne klettert, um im letzten Augenblick doch noch seine Liebe zu gestehen. Aber was meine Frau „sooooo romantisch“ nennt, nenne ich meine Hölle. Auch, weil ich mir meine Dosis „Ein Mann räumt gnadenlos im Namen der Gerechtigkeit auf (und erobert das Frauenherz ruckzuck zwischen zwei Schießereien)“ nur mehr in Ausnahmesituationen holen kann. Krank (und alleine) muss ich also sein, um Willis & Statham quasi zur Seite liegen zu dürfen. Um am Ende – genesen und gestärkt – für die Liebste endlich das Laub saugen zu können.  Mit neuer Superheldenkraft.

Nächstes Solo „Abend mit einem Mannsbild“: 9. 5. Langenlois