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Kolumnen
12/12/2021

Paaradox: Magie der Zahlen

Von Zufällen, Ziffern und zarten Annäherungen: Wie der Rechenkönig die Mathe-Niete eroberte und sich selbst zu ihrer Nummer eins machte.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Sie

Zahlenverliebte hätten eine Freude mit dem Mann gegenüber und meiner Wenigkeit. Und, ja, auch ich drifte gerne ins Reich der Numerologie ab, speziell zu dieser Jahreszeit. Aus sentimentalen Gründen – erstens haben wir uns im Dezember kennengelernt, zweitens haben wir beide in diesem Monat Geburtstag. Wenn ich mich dann an den Augenblick der ersten Annäherung erinnere, bleibt mir ein Dialog unvergesslich, der sich im Rahmen seines hemmungslosen Anbratens bei der Weihnachtsfeier entwickelt hat.

Schicksal oder Zufall?

Er (mit Schimmerblick): „Weißt du was, Gabriele?“ Ich: „Nein, Michael?!“ Er (mit heftigerem Schimmerblick): „Wir haben fast idente Telefonklappen. Du hast 2872, ich habe 2871.“ Ich: „Aha. Und?“ Er: „Naja ..., das muss Schicksal sein.“ Ich: „Oder Zufall.“ An dieser Stelle kämpfte der junge Mann sichtlich um Contenance, weil er nicht mit so viel geballter Nüchternheit gerechnet hatte. Offenbar war er überzeugt gewesen, mit dem Nummernschmäh bei mir – wo auch immer – landen zu können. Doch dafür hatte ich noch zu wenig Glühwein intus. Also intensivierte er seine Bemühungen: „Außerdem sind unsere Geburtsdaten von nahezu magischer Konstellation!“ Es glitzerte erneut in seinen Augen. Ich: „Die da wäre?“ Er, triumphierend: „Ha, jetzt wirst schön schauen! Du bist am 16. 12. 1960 geboren, ich am 15. 12. 1970. Das ist doch irre, das muss was zu bedeuten haben!“ An dieser Stelle hatte er mich, nur gab ich es nicht zu. Deshalb werde ich mich ewig an das Mail erinnern, das er mir Tage später schrieb. Darin stand: „Die Quersumme deiner Geburtsdaten ist übrigens 8. Die steht für Charisma, Ausstrahlung und Faszination.“ In diesem Moment war mir alles wurscht, ich fand den Schmäh zwar sehr deppert, aber auch sehr bezaubernd. Der Rest ist jetzt bald 24-jährige Geschichte – und die Magie der Zahlen lebt. Immer noch. Der Hufnagl wohnt nun in unserer Gasse auf Nummer 11. Und ich auf Nummer 12.

gabriele.kuhn / facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Leider gab es im Jahr 1997 noch nicht die Gelegenheit, Inspirationen wie „Die besten Sprüche zum Aufreißen“ via Suchmaschine im Internet zu finden. Sonst hätte ich Kollegin Kuhn auf der Weihnachtsfeier mit einem Feuerwerk der Originalität begegnen können. Ich bin sicher, sie hätte augenblicklich das große Kribbeln bekommen, wäre ich lässig zwinkernd mit den Worten vorstellig geworden: „Ich muss dich leider anzeigen wegen Diebstahls. Du hast mir nämlich mein Herz gestohlen.“ Oder: „Tun dir eigentlich die Füße weh? Du gehst mir ständig durch den Kopf!“ Möglicherweise hätte sie mich aber auch nur entgeistert angesehen und geantwortet: Bist du im Adventrausch irgendwo ang’rennt? Ich werde es nie erfahren, weil der Web-Wahnsinn erst später zur vollen Entfaltung geriet.

Das Rezept

Also musste ich mir selbst etwas ausdenken, um am Ende den Sternzeichen-Trumpf (sticht immer) ziehen zu können. Mit der Prophezeiung, dass Schützin und Schütze im Sinne doppelten Feuers viel Spaß miteinander haben könnten. Und weil ich seit jeher ein Faible für Zahlen habe, dachte ich mir, sie könnten eine würzige Zutat für das Rezept des Anbratens sein. Mein erster Plan war, mit einem Verblüffungseffekt zu landen: „Wähle eine Zahl zwischen 1 und 9. Multipliziere diese Zahl mit 2. Addiere 5. Multipliziere das Ergebnis mit 50. Addiere 1771. Ziehe dein Geburtsjahr vom Ergebnis ab. Nun hast du eine dreistellige Zahl. Die erste Ziffer ist die Zahl, die du dir am Anfang ausgesucht hast. Und die anderen beiden sind dein Alter!“ Aber mein Instinkt hatte mir verraten, was gnä Kuhn mir im folgenden Leben allzu oft versicherte: Jössas, ich will alles, aber bitte nur nix rechnen! Daher gestaltete ich meine Botschaft simpler. Mit Erfolg. Demnächst feiern wir zum 24. Mal gemeinsam Geburtstag. Und vielleicht schreibe ich auf die Glückwunschkarte: „Du wirst von Tag zu Tag schöner und siehst heute schon aus wie nächste Woche.“ Für Schwachsinn ist man ja nie zu alt.

 
michael.hufnagl / facebook.com/michael.hufnagl9 

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