© Jeff Mangione

Kolumnen
11/14/2021

Paaradox: Bettgeschichten

Der Mann nebenan auf der Suche nach einer passenden Schlafstatt – und eine Frau an seiner Seite, die sich dabei erstmals nicht einmischt. Das Ergebnis? Naja.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Sie:

Ein Bett wäre wohl nett, meinte der Mann nebenan, als er sein neues Nest plante. Was für eine kluge These, wiewohl ich die Vorstellung, dass ich in Hinkunft ohne das sanfte Schnarchsäuseln an meiner Seite schlummern muss, naturgemäß nicht so fein fand. Aber gut, so haben wir es gemeinsam entschieden, und so ging es jetzt darum, eine neue Schlafstatt für ihn zu finden. Ich tat diesmal etwas, das ich sonst nie getan habe: Ich ließ los. Und klickte mich offiziell nicht durch das Reich von Federkernmatratzen, Futons und Boxspring-Betten in der Preislage eines Neuwagens. Ich riet auch nicht zur Anschaffung einer Nackenrolle und unterließ Vorträge über die wohltuende Wirkung eines Zirbenkissens auf seinen Schlaf.

Lebensprojekt

Obwohl, unter uns: Heimlich tat ich all das schon und ebenso heimlich hatte ich für ihn selbstverständlich das perfekte Vollholzbett auserkoren, samt passendem Bettzeug, das ihm vermutlich zu blumig sein würde. Trotzdem sagte ich nix und ließ den Dingen stattdessen ihren Lauf. Ein paar Wochen später fragte ich ihn dann beiläufig, wie es denn um sein Lebensprojekt „Herr Hufnagl kauft ein Bett“ aktuell steht, worauf er stolz verkündete, dass es anderntags endlich so weit sein würde. Da werde, Schlag sieben Uhr morgens, seine neue Schlafstatt – „Modell rustikal-viril-stämmig“ – geliefert. So war es dann auch, was mich wiederum leise fragen ließ, wann er denn gedenke, darin erstmals probezuliegen. In diesem Moment senkte er den Blick, wie einer, der sein „Nicht genügend“ auf die (leichte) Deutschschularbeit gestehen muss. Dann sprach er: „Hm, blöd. Geht leider noch nicht. Hab vergessen, einen Lattenrost zu bestellen und, tja, auch eine Matratze.“ Dann machte er sich auf, um mit scharfem Schlafzimmerblick die fehlenden Accessoires zu erwerben. Oh ja, der Weg zum einsamen Cowboy ist alles, nur nicht federleicht. Bonasera.

Nächster Auftritt: 20. 11., Klosterneuburg, Göppingerstüberl

Er:

Wenn ich einkaufen gehe, fehlt mir jede Muße. Völlig einerlei, was ich zu erstehen gedenke. Daher ist es meistens auch so, dass ich an der Seite meiner Frau in Kaufhäusern schon auf der Rolltreppe zappelig werde (was auch daran liegen mag, dass es in solchen Konsumtempeln offenbar eine gesetzlich vorgeschriebene Raumtemperatur von mindestens 40 Grad gibt). Ich will jedenfalls die Zeitspanne zwischen Betreten und Verlassen in sportlichem Ehrgeiz so gering wie möglich halten. Während sie gerne gemächlich den Blick schweifen lässt und mich mit Vorliebe an einer grenzwertigen Leidenschaft teilhaben lassen will: dem Beratungsgespräch. Ich weiß nicht, wie oft ich in solchen Augenblicken den Satz gesagt habe: „Mir ist alles recht, ich geh’ jetzt kurz auf eine Käsekrainer.“

Ehrfürchtiges Nicken

Aber weil man sich am Ende über alles, was ein Eigenheim gemütlich macht, freut, war ich stets sehr dankbar, wenn meine Jägerin und Sammlerin stilsicher Stehlampen, Bettwäsche oder Polster erobert hatte. Mittlerweile bewundere ich so eine Fähigkeit sogar mehr als jeden Gipfelsieg eines Freeclimbers. Weil ich aktuell nämlich niemanden habe, der in den vielen Vorhöfen zur Hölle meine Hand nimmt und zu mir sagt: Mach’ nicht so ein Gesicht und vertrau’ mir, alles wird gut. Und so stand ich vor einiger Zeit in einem Raum, in dem sich geschätzt 79 verschiedene Betten befanden. Es dauerte allerdings nicht lange, bis ich hörte, was ich in solchen Situationen nie hören wollte: „Darf ich Ihnen helfen?“ Mein reflexartiges „Gaby?!?!“ sorgte für kurzes Staunen, erst dann nickte ich ehrfürchtig. Sehr viel Freude dürfte der Verkäufer allerdings nicht mit mir gehabt haben, weil ich bereits bei Modell Nr. 2 sagte: „Danke, nehm’ ich!“ Hätte ich geahnt, dass man den Lattenrost extra aussuchen muss (wofür es natürlich einen extra Vortrag braucht), wäre ich noch früher geflüchtet. Das wissende Lächeln von gnä Kuhn habe ich danach als das genommen, was es ist: Mitgefühl mit einem Abenteurer.

 

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