© Kurier/Jeff Mangione

Kolumnen
12/18/2021

Paaradox: Kerzen, Herzen, Zauber

Weihnachten naht: Was sein wird, weil es immer so war – und warum wir auch dieses Jahr sehr glücklich und sehr lustig sein werden.

Sie

Der wesentliche Unterschied zu den vergangenen Jahren: Ich werde ihn am Heiligen Abend morgens nicht wachgeküsst haben, um ihm ins Ohr zu hauchen: "Hopp. Aufstehen, aufräumen, aufputzen." Das wird er goutieren, weil er nun seinen individuellen Festauftakt leben kann: Aufwachen, nix tun und das Christkind arbeiten lassen. Doch sonst wird alles wie früher sein. Irgendwann wird er einen Baum aufstellen und sich mit großer Wahrscheinlichkeit dabei in die Finger stechen.

Dann wird er mich bitten, ihn zu bedauern und ein Pflaster zu holen für den "Krater" in seiner Hand. Sodann wird er jene Frage stellen, die er immer schon gestellt hat: Hast du eh Christbaumhaken gekauft? Und ich, Weltmeisterin im Antizipieren, werde die bereits vorhandenen 5.342 Stück um weitere 100 ergänzt haben (Kann sein, dass wir eines Tages aus den Dingern eine Installation formen, mit dem Titel "Falsch abgebogen").

Oje!

Wenig später wird es klirren und es wird ihm eine meiner Lieblingskugeln aus der Hand gerutscht sein. Er wird Oje! rufen und ich werde den Raum verlassen, um erst ein bissi zu weinen und dann zu atmen. Schließlich werde ich zurückkehren und sagen: Wurscht. Und ihm ein Glas Champagner anbieten. Er wird es zügig leeren und rufen: Bitte gleich noch eins. Nun wird er mir zuprosten und mich bitten, das "Weihnachtsmusikgedudel" ein bisserl leiser zu stellen.

Ich werde das folgsam tun, doch bei "Last Christmas" justament auf volle Lautstärke drehen und mithüpfen. Und trotzdem wird es auch heuer wieder ein wunderhübscher Abend werden. Der Baum wird genauso glänzen wie unsere Augen, die Kerzen werden genauso hell leuchten wie unsere Herzen. Ja, es wird erneut ein Fest der Liebe sein. Anders, aber mit viel Liebe. Irgendwann wird er all das philosophisch so zusammenfassen: Weihnachten ist, wenn die besten Geschenke am Tisch sitzen und nicht unterm Baum liegen. In diesem Sinne, von Herzen: Frohes Fest!

gabriele.kuhn / facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Einer der bedeutendsten Bausteine einer ehelichen DNA ist das Kdb-Nukleotid. Ohne KdB geht gar nix, am 24. Dezember macht es sich allerdings bemerkbar wie sonst nie. Kdb steht für Kannst du bitte und ist eine in weihnachtliche Höflichkeit verpackte Formulierung, die das Erledigungswesen definiert und mich immer an eine Textzeile aus "Stille Nacht" erinnert: "Lieb' aus deinem göttlichen Mund, da uns schlägt die rettende Stund’."

Kdb erklingt vor allem deshalb in so vertrauter Verlässlichkeit, weil gnä Kuhn eine Mission hat: das Festmahl für die Familie. Das alle Jahre wieder als besonderer Zaubertrick auf die Gäste wirken soll. Heißt: Das Kaninchen, das am Abend aus dem Zylinder kommt, darf auf keinen Fall Ähnlichkeit mit den Kaninchen der Vergangenheit haben. Immer wieder etwas Neues zu kochen, ist ihre Leidenschaft, die ein Höchstmaß an Aufwand und Zuwendung erfordert. Das ist für einen Mann, der Geschmackserlebnisse als schönstes Geschenk betrachtet, eine feine Sache. Hat allerdings den Haken, dass er dem Kdb-Furor im eigenen Interesse nichts entgegensetzen kann.

Tradition

Und so wirbelt die Liebste fröhlich durch die Küche, nippt am heiligen Sprudel und findet kindliche Freude daran, die zweite Stimme zu Mariah Careys "All I want for Christmas" zu geben. Für alles andere bleibt keine Zeit. Außer für Kdb-Zurufe: Kannst du bitte noch schnell einen Rahm kaufen? (Dass immer irgendein Zaubersalz für den Trick fehlt, ist auch Tradition).

Natürlich kann ich. Ich kann auch Lichterketten, Tannenzweige und Geschirr holen. Staubsaugen, Klumpert wegräumen und mit dem Hund gehen. Letzte Packerln anfertigen, das Kerzensortiment aufstocken und Servietten suchen. Bis endlich – von grandiosem Duft begleitet – der Satz fällt: Kannst du bitte deine Frau umarmen, ich bin fertig. In diesem Augenblick ist alles gut. Und ich weiß: Der Heilige Abend wird wunderbar. Mit ein wenig Rahm und viel Liebe.

michael.hufnagl / facebook.com/michael.hufnagl9 

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