Gabriele Kuhn und Michael Hufnagl

© Jeff Mangione

Kolumnen
10/24/2021

Paaradox: Frage-Zeichen

In einer langjährigen Beziehung stellen sich viele Fragen. Sollte man sie einander tatsächlich auch stellen?

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

SIE

Unsere jüngste Podcast-Folge dreht sich um das Thema Fragen. Wie wichtig sie sind, um einander nah zu sein. Heikles Terrain. Deshalb haben wir nach der Aufnahme weiterdiskutiert. Weil’s aus der Sicht des Mannes nebenan Fragen gibt, die komplett überflüssig sind. Dazu gehört etwa meine Frage Welcher Torwart hielt die meisten Elfmeter? während eines Champion League-Finales. Wie fatal! Wie fragwürdig! Wie wurscht jetzt! Und scheinheilig! Warum? Weil er genau wisse, dass ich diese Frage nur stelle, um Interesse zu heucheln, damit er meine Füße massiert. Wo ich doch sonst teilnahmslos gähnend vor dem TV herumkugle und zu laut mit dem Chipssackerl raschle, während er adrenalisiert das Spiel verfolgt.

Ui, ertappt!

Was er ebenfalls nicht goutiert: Die Was denkst du gerade?-Frage. Die macht ihn nervös, erzeugt ein nagendes Ui, ertappt!-Gefühl. „Ich denk gar nix“, antwortet er da gerne, worauf ich ihn aufmerksam mache, dass es keinen einzigen Menschen mit totaler Funkstille im Hirn gibt. Außer vielleicht tibetische Mönche im Meditationsrausch. „Du muss was denken, du bist kein Mönch, also sag’s!“, sage ich. Da fragt er zurück, warum in meiner Fragerei immer so ein investigatives Timbre mitschwinge. Er fühle sich überwacht. Ich kann dann nicht anders, als die Augen zu verdrehen und nachzuhaken, wie er es – im Sinne einer künftigen Message-Control – gerne hätte. Soll ich gar nimmer fragen? Soll ich nur nach vorher erfolgter schriftlicher Anfrage fragen? Oder soll ich mich gleich dematerialisieren? Da windet er sich elegant heraus, schaut mich mit Teddybärenblick an und fragt: Hast mich eh noch lieb? Und wir einigen uns auf einen gemeinsamen Nenner: „Alles Wissen, die Gesamtheit aller Fragen und Antworten sind im Hund enthalten.“ Nun frage ich ein allerletztes Mal: „Gassigehen – eh du, gell?“

Unser Podcast „Schatzi, geht’s noch?“ auf kurier.at und allen Podcast-Apps; Auftritte: 1. 11., Rabenhof ; 20. 11., Klosterneuburg

E-mail: gabriele.kuhn@kurier.at Facebook: GabrieleKuhn60

ER

Apropos Fragen, apropos Fußball: Es gibt ein grandioses Video von Günther Neukirchner, einst Verteidiger bei Sturm Graz. Der stand nach einer 0:4-Niederlage ang’fressen vor dem TV-Reporter und antwortete auf die Frage, wie froh er gewesen wäre, als dieses Match abgepfiffen wurde: „Für was ist die Frage jetzt, erklären’s mir das?“ Also formulierte es der Interviewer anders, in der Hoffnung auf eine profunde Analyse. Und er bekam augenblicklich zu hören: „Das ist die nächste depperte Frage! Fällt Ihnen nix G’scheiteres ein?“ Daran denke ich, wenn meine Frau  wissen will, warum der FC Barcelona in der Champions League spielt, obwohl er doch aktuell gar kein Champion ist. Warum ich den Honig in den Eiskasten geräumt habe. Oder warum ich mir nicht Gedanken über männliche Schweigsamkeit mache.

Wissensdurst

Dabei gäbe es so in einem Eheleben viele Fragen, die es wert wären, gestellt zu werden. Wie etwa: Soll ich für dich die Steuererklärung machen? Möchtest du lieber Schnitzel oder Schweinsbraten?  Würde es dich stören, wenn ich dich in Ruhe das Golf-Magazin lesen lasse? Aber es ist tatsächlich, wie wir es auch in unserem aktuellen Podcast besprechen: Gnä Kuhn scheint von Wissensdurst getrieben zu sein, mit unstillbarem Hunger nach Antworten  – vergleichbar mit meiner Hingabe zu Rotwein und Steak. Dabei tänzelt sie als Investigadiva am Grat zwischen Automatismus und Neugier. Während ich stets den Versuch unternehme, nur jene Fragen zu stellen, die ich mir nach reiflicher Reflexion nicht selbst beantworten kann: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Und wo ist die Butter? Trotzdem einigen wir uns immer wieder auf die Conclusio: Wenn wir eines Tages nix mehr übereinander erfahren wollen, bleibt am Ende womöglich nur die Sinnfrage. Da bevorzuge ich dann doch das Vertraute: Sag’, hörst du mir überhaupt zu?   

Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“: 30. 10. Bad Fischau, letzter Auftritt 21. 11. Wien CasaNova (Matinee)

E-mail: michael.hufnagl@kurier.at Facebook: michael.hufnagl.9

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