Caro (12), DIE Checkerin beim Hausbau

© Heinz Wagner

Kiku
08/22/2019

Wo Kinder mit echtem Werkzeug bauen dürfen

Kinder-KURIER und schauTV-Besuch in der „Bau-Werk-Stadt“ in einem Wiener Park.

von Heinz Wagner

Kinder messen aus, berechnen, tragen Bretter zum Material- und Werkzeugzelt, wo das Holz von Betreuer_innen mit einer Stichsäge auf die gewünschte Länge gebracht wird. Alles andere aber wie bohren, schrauben, nageln, tackern, leimen oder was sonst noch an Arbeiten anfällt, dürfen die 8- bis 14-Jährigen selber machen.

Arina werkt an dem Boden für ihr "Häuschen" ...

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Mariam  bringt ein Brett ...

... zum Schnittplatz ...

... an diesem Häuschen ...

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... schraubt sie das zurecht gesägte Brett an ...

Weitere Schnappschüsse von der Baustelle ...

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... Arbeit an einem Tischtennistisch ...

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... ein Kasten, dessen Tischler nicht gezeigt werden darf ...

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... Teile, die ein Zieh-Auto werden sollen

Vogelhaus

Sie machen ihre eigenen Dinger auf dieser Baustelle – bis Ende August – in einem abgetrennten Teil des Ballspielkäfigs im Alois-Drasche-Park in Wien-Wieden (4. Bezirk). Jeden Nachmittag (außer Sonntag) hat die „Bau-Werk-Stadt“ geöffnet. Nahla und Blanka bauen ein Vogelhaus, „weil wir im Winter gesehen haben, dass nicht so viele Vogelhäuser hängen. Die meisten Vögel müssen sich dann irgendwo in den Bäumen Plätze suchen. Das ist für die auch schwer und Futter finden die dann nicht so gut.“ (Mehr dazu in den eigenen Interview-Abschnitten weiter unten.)

So wie die beiden, haben alle vor allem daran Spaß mit echtem Werkzeug, Holz, Schrauben, Nägel und so weiter zu werken, wonach ihnen der Sinn steht. Die beiden verraten im Interview mit Kinder-KURIER und schauTV auch besonders „lustig, dass immer etwas schiefgehen kann. Alles sieht am Anfang verrückt aus und dann sieht es gut aus.“

(Schaukel-)Stuhl

„Eigentlich wollten wir eine Schaukel bauen, aber es gab keine Seile“, schildern Ellen, Elias, Emi und Getoar. Dadurch ließ sich das Quartett nicht entmutigen, sondern zimmerte einfach rund um das Brett, das schon für die Schaukel zurechtgeschnitten war, weiter. Unten dran schraubten sie vier gleichlange viereckige Holzleisten. Dann ließen sie ein eher dünnes großes Brett zurechtschneiden, das sie unten an zwei Sesselbeinen montierten und oben weit über das dicke Brett, das nun die Sitzfläche ist, stehen lassen. So bekommt die Sitzgelegenheit, zu der sich das Schaukelbrett ausgewachsen hatte, nun eine Lehne. Nachdem das Wackeln eines Sesselbeines durch Anziehen der Schraube behoben war, hält der Stuhl auch mehreren Be-Sitz-Tests stand. Die vier Kinder bauen arbeitsteilig gleichzeitig noch an einem weiteren Sessel. Ellen, die das Wiedner Gymnasium besucht, berichtet, dass sie „in meiner Schule schon den Bohrführerschein gemacht“ hat womit der Reporter erfährt, dass es so etwas überhaupt gibt.

Diese zwei Sessel, deren Teile sie schon während des Baus zwischendurch bunt bemalen, werden die vier „Tischler_innen“ auch mitnehmen, „in unseren Hof. Wir sind Nachbarn und haben im Hof (in einem Haus in der Nähe dieses Parks) eine Ecke, wo wir chillen können, aber Stühle fehlen dort noch.“ Demnächst eben nicht mehr ;)

Teile eines ...

... der Sessel ...

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....werden zusammengebaut ...

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Be-Sitz-Test ... nur einer des Quartetts ...

... darf gefilmt werden und ist somit auch von vorne zu sehen ...

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Kasten, Regal, Häuschen

Arina und Emanuel bauen mit sehr massiven Brettern. Arina hämmert bei einem der Bretter erst noch auf zwei alte Nägel, die aus dem Holz stehen so lange bis sie diese mit der Zange von der anderen Seite rausziehen kann. Ein zweites, auf gleich lang geschnittenes, ebenso massives Brett – und „wir bauen ein Regal für Bücher, Stifte und alles Mögliche“. Später beginnt Arina eine graue große Holzplatte auf eine Palette zu schrauben und erklärt dem neugierigen Journalisten: „Das wird der Boden für ein Häuschen. Das wird ungefähr zwei Meter groß, so dass man reingehen kann.“ Kissen und Decken werde sie wahrscheinlich reingeben, fällt ihr auf Nachfragen ein. Scheint gemütlich zu werden.

Arina und Emanuel schleppen das lange Brett heran...

... die beiden auch mit der Skizze ihres künftigen Regals ...

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Arina befreit eines der Bretter von alten Nägeln ...

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Arbeiten mit echten Maschinen ...

Eines der Regalbretter ist beim Sägen zerbrochen, Arina leimt die ...

... Teile zusammen ...

Die letzten Schrauben ...

... werden mti dem akku-Schrauber ...

... reingedreht

Ein großes Haus

An dem größten Teil hier in dieser Bau-Werk-Stadt (betreut von der Parkbetreuung, die in diesem Fall der Wiener Familienbund stellt) arbeiten – vorläufig – Sarah, Caro und Abdel. Partieführerin mit Überblick, extrem ausgeprägter praktischer Intelligenz und ständig am Ruck-zuck- Werken ist die 12-jährige Caro(line). Ihr „Gerüst“, also die Eckpfeiler und Träger des rund 2 Meter mal 2 Meter mal 2 Meter-Hauses steht schon. „Wir wollten“, so das Trio, „ein Haus bauen, in das wir selber reingehen können“. Darum hat sich Abdel, der Größte des Trios hingestellt, „wir haben abgemessen und es natürlich ein bisschen höher gemacht, damit er sich auch nicht den Kopf anhaut“.

Bevor das Trio eine Matte zurechtschneidet, die das Dach werden soll, checkt Caro, dass es vielleicht noch eine Verstärkung am oberen Rahmen braucht, kaum hat sie die Entfernung gemessen, die Latte zurechtschneiden lassen, klettert sie auch schon auf die hölzerne Bande, die den Ballspielkäfig im unteren Bereich begrenzt, hantelt sich über das Gitter drüber weiter zur Mitte des Hauses, hält sich mit einer Hand am Gitter fest und schraubt mit dem Akkuschrauber die Latte hier fest. Als sie in der Mitte der Holzleiste beim Anschrauben merkt, dass eine Schraube zu lang ist, sägt sie einfach ein kleines Stück Holz zurecht und schraubt’s von unten dran, damit ja nichts raussteht und sich wer wehtun könnte.

Nicht nach Plan, aber ergibt sich von selbst..."

Die drei kennen einander, wie Caro im Interview (siehe weiter unten) sagt schon länger aus einem anderen Park. In diesen sind sie extra wegen der Bau-Werk-Stadt gekommen. Caro kennt sie schon aus einem früheren Jahr. „Da hab ich Größeren gebaut. Die haben mich nicht so viel machen lassen. Jetzt kann ich machen und wie ich‘s will und wenn was schiefgeht, finden wir schon eine Lösung.“

Die Checkerin des Hausbau-Trios deutet auf schräg abgeschnittene leisten, die an den Ecken montiert sind und erzählt: „Diese Leisten waren nicht auf dem Plan, aber das ergibt sich von selber, dass man da irgendwas stützen muss.“

Die Frage, ob sie vielleicht einmal Baumeisterin werden möchte, verneint sie hingegen: „Eher nicht, ich würde gern Ärztin werden“, meint aber, dass es da sicher auch wichtig sein wird, praktisch mitzudenken.

Am Eingang zur Bau-Werk-Stadt ...

.... Kübel mit Werkzeug und ...

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... Material ...

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Trommeln zur Jausen-Pause ...

... mit gesunder, schmackhafter ...

... Stärkung ...

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Zuguter letzt ...

Tischtennis-Tisch, Blumentopf-Regal und ein Auto…

Während des Lokalaugenscheins von Kinder-KURIER und schauTV (Ausstrahlung ist noch nicht fix) bauten unter anderem Emre an einem Mini-Tischtennistisch, Ramzan ein Blumentopfregal, Mariam an einem Häuschen, „das ein anderer begonnen hat, der aber jetzt auf Urlaub ist“, André an einem Kasten und Davin gemeinsam mit Buğra und einem der Parkbetreuer an einer Art „Auto“. Metallgestelle von zerlegten Stühlen werden zu Auto-Sitzen. „Wir hängen vorne eine Schnur dran und dann kann das Auto an ein Fahrrad angehängt und gezogen werden“, so die Fahrzeugbauer.

Follow@kikuheinz

Hier unten geht’s – in eigenen Abschnitten - zu den Interviews mit den jungen Baumeister_innen bzw. Tischler_innen.

Hier der Beitrag von schauTV

gedreht von Wolfgang Semlitsch

Kinder zwischen 8 und 14 Jahren, mit dem Einverständnis ihrer Eltern, dürfen daran teilnehmen.
Bis 24. sowie von 26. bis 30. August 2019
immer zwischen 15 und 19 Uhr

Alois-Draschepark, 1040 Wien, beim Eingang Seisgasse.

Am 30. August sind Eltern und Interessierten eingeladen, die Bauwerke und Arbeiten der Kinder zu betrachten.

https://www.wiener-familienbund.at/index.php?id=4