Umschneidern statt wegwerfen oder Billigkauf

Balqiz und Israa ziegen dem Reporter verschiedene selbstgenähte Kleidungsstücke
Textil-Upcycling war das diesjährige Kunstprojekt der Wiener START-Stipendiat_innen. Mehr als 100 Fotos.

Balqiz Azamai zieht sich eine gestickte Tischdecke über den Kopf und schlüpft in einen hellblauen Rock, den sie über ihre Hose anzieht. Israa Amin hilft ihr, die Überkleidung zurecht zu ziehen und bindet ihr einen Gürtel um. Dass das Oberteil aus einer alten Tischdecke umgeschneidert ist, liegt auf der Hand. Aber, so erzählt die Trägerin dieser Klamotten: „Der Rock war ein T-Shirt“, fährt mit den Händen in die Taschen links und rechts: „Das waren die kurzen Ärmel“, die sie natürlich am Ende zugenäht hat.

Ihre genannte Kollegin zeigt stolz ein T-Shirt, das am unteren Ende viele Stoff-Zöpfe zieren. „Ich hab einfach von unten viele schmale Streifen reingeschnitten und die dann geflochten. Aber ich hab auch aus anderen Stoffen zum Beispiel Buchstaben ausgeschnitten und drauf genäht. So steht auf einer Seite nun „Running wild“ und das aus einem raubtier-gemusterten Stoff. Dieses T-Shirt wird später bei der Modeschau von Himanshi Khetarpal freudestrahlend über den kurzen Laufsteg getragen.

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Re- und Upcycling

Wir befinden uns im Recycling-Kosmos in der Ottakringer Kirchstetterngasse 60, Ecke Friedmanngasse. Hier haben die diesjährigen START-Stipendiat_innen (Förderung Jugendlicher mit Migrationsgeschichte bis zum Abschluss ihrer Schullaufbahn oder Ausbildung) zwei Wochenenden lang ihr Kunstprojekt durchgeführt. Jedes Jahr steht für die Jugendlichen dieses Förderprogramms ein anderes Kunstprojekt auf dem Programm. Diesmal war es Upcycling. Aus alten Stoffen und Materialien nähten sie neue Kleidungsstücke bis hin zu einem sehr festlichen bodenlangen Rock (Mariama Ibrahim Miko) oder Taschen und Rucksäcke.

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Der Recycling Kosmos samt einem Teil der Material-Koje...

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...Befüllen der Kleiderständer für den späteren Gewandtasuch

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Upgecyclte Lampen...

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Die informativen, inhaltlichen ...

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... Plakate über Transportwege, Arbeitsbedingungen ...

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... und Alternativen

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Krawatten als Rucksack-Träger

Sabiha Muradi zeigt dem Kinder-KURIER eine selbst genähte Tasche. Später bei der gemeinsamen Modeschau, bei der mehr als die Hälfte der rund eineinhalb Dutzend „Stipis“ einige ihrer hergestellten Werke vorführten, wird sie auch einen Rock präsentieren, der oben aus einer umgeschneiderten Jeans und darunter einem bunten anderen Stoff besteht.

Edison Baardies hat sich aus rotem Stoff einen Rucksack genäht - mit einigen Innentaschen. Stolz ist er auf die „Konstruktion“ seiner Träger, „die hab ich aus zwei blauen Krawatten genäht. Als ich die gesehen habe, war mir klar, das sind meine Rucksackträger. Und ich mag die Farbkombination rot-blau.“

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Mehr als Werken

Die Jugendlichen sind hier in diesen „Kosmos“ von Esther Weinberger und Gudrun Büsel eingetaucht. Die haben nicht nur diesen Workshop durchgeführt, sondern sorgen auch sonst dafür, dass Menschen altes Gewand abgeben können, um diesem ein weiteres (Kleidertausch) oder neues Leben zu ermöglichen.

Eintauchen in den Bereich Re- und Upcycling hieß aber viel mehr, als nur handwerkliche Fähigkeiten neu zu erlernen oder aufzufrischen. Das hieß auch, sich mit Arbeitsbedingungen von Menschen in der Textilindustrie, vor allem in Fernost, zu beschäftigen, mit Müllvermeidung, bewusstem Konsumieren usw. Samstagabend stellten die Jugendlichen ihre Erkenntnisse sowohl in Plakaten an den Wänden als auch in verschiedenen Präsentationen vor.

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Mehrere Arbeitsgruppen ...

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... stellten ihre Erkenntnisse ...

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... zu Tehmen wie ...

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... ökologische Belastung der Bekleidungsindustrie, ...

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... Soziale Aspekte in der Produktionskette ...

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... oder alternative Möglichkeiten vor...

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...die sie recherchiert hatten ...

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Talk-Show

So luden die schon genannte Sabiha Muradi und Atila Bamyani als Moderationsteam zu einer Art TV-Talk-Show, in der vier andere Stipendiat_innen in die Rollen von Textilarbeiter_innen von Bangladesch bis China schlüpften bzw. einer einen österreichischen Jugendlichen gab. Der wurde durch die realistischen Schilderungen der Arbeitsbedingungen zum kritischen Nachdenken vor dem Einkaufen angeregt. Das hoffen die Jugendlichen mit diesem Projekt auch zu erreichen. Für sich selber gab es diese Anstöße.

Anstöße, die sich nicht auf Kleidung beschränkten. Auch beim Buffet, das Atila Bamyani, als HAK-Schüler bereits Inhaber eines nigelnagelneuen Lokals, Peace Kitchen“ - der (Kinder-)KURIER berichtete (siehe weiter unten) - anliefert, auch auf Müllvermeidung bzw. Recycling (kompostierbare Trinkbecher) geachtet und Fleisch vermieden.

https://www.recyclingkosmos.at/

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Über START-Stipendien

Das START-Stipendienprogramm fördert engagierte Schüler_innen mit Migrationsgeschichte auf ihrem Weg zur Matura. Unterstützt werden die Jugendlichen sowohl finanziell als auch durch individuelle Beratung und Begleitung, zahlreiche Bildungsseminare und Workshops, gemeinsamen Exkursionen oder bei der Studien- und Berufswahl.

2006 in Wien von der Crespo Foundation initiiert, gibt es das Stipendienprogramm mittlerweile auch in Ober- und Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg.

https://www.start-stipendium.at/

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