Kiku
03.09.2018

Teamwork gelernt – obendrein mit sehr viel Spaß

Kinder-KURIER begleitete jugendliche START-Stipendiat_innen beim Klettern im Waldseilpark Kahlenberg (Wien). 200 Fotos, einige Videos.

Hellblau behelmt und mit Klettergurten behängt, klettern, hängen, schweben, kraxeln Jugendliche auf Leitern, Lochwände, Seilgitter. Von Plattformen in luftiger Höhe, manchmal fast schon weit oben bei ausgewachsenen Bäumen schwingen sie sich auf wackelige Bretter – stets gesichert an den in etwa in Schulterhöhe parallel zu den Hindernissen verlaufenden Drahtseilen. Sie balancieren auf wackeligen Hängebrücken oder hängen sich mit den Karabinern ihrer die Klettergurte ergänzenden „smarten“ Teile in Seile und schweben oder „rasen“ diese entlang bis zur nächsten Plattform. Der Kinder-KURIER durfte die nicht ganz zwei Dutzend Jugendlichen des Projekts START bei ihrer Exkursion in den Waldseilpark Kahlenberg ( Wien) begleiten. Es war das Kennenlerntreffen der „alten“ mit den neuen Stipendiat_innen. Start begleitet unterstützend Jugendliche mit Migrationsgeschichte auf ihrem Weg zum jeweiligen Bildungsabschluss – ob Matura oder Lehrabschluss.

Himanshi Khetarpal ist eine der Neuen, Kinder-KURIER-Leser_innen aber nicht ganz unbekannt. In mehreren Berichten über den mehrsprachigen Redebewerb „SAG’S MULTI!“ ist sie schon vorgekommen. Im vergangenen Schuljahr reihte sie sich sogar in Ehrenliste der Sieger_innen ein. Auf Hindi – und natürlich Deutsch – hielt sie ein kämpferisches Plädoyer gegen Ungerechtigkeiten, insbesondere gegenüber Frauen.

Über den Kletter-Halbtag meinte sie danach zum KiKu: „Es war so cool, Neues auszuprobieren, es hat viel Spaß gemacht“ – was auch als Beobachter im Wald nicht zu übersehen und überhören war – so viel Lachen bei doch körperlicher Anstrengung ist sonst selten zu vernehmen. Dazu noch lautstark lachend ironische fast Stoßgebete über das Ende des Lebens, wenn’s irgendwo recht steil runter oder rauf geht.

„Das Tolle war aber auch, dass wir uns gegenseitig geholfen haben. Und immer hat wer auf die anderen gewartet und niemanden allein gelassen. Das war echtes Teamwork und wir sind jetzt alle schnell Freundinnen und Freunde geworden.“

Fotos vom Klettern...

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Elektronik-Lehre

Von „der Baustelle“ komme er, meinte Hossein Ehsani (24), der erst sehr spät im Wald auftaucht. Der Elektronik-Lehrling bei der ÖBB kam Freitag am frühen Nachmittag direkt von seiner Arbeitsstelle. Er ist im dritten Lehrjahr. „Start hat mir auch geholfen, die Lehrstelle zu finden, nachdem ich den Hauptschulabschluss gemacht habe. Vor sechs Jahren bin ich aus Afghanistan gekommen“, erzählt er dem Reporter. Das Stipendienprogramm, das den Jugendlichen Bildungsgeld aber vor allem auch verschiedene Soft-Skills-Workshops zukommen lässt, „hat mir aber auch geholfen, Leute kennen zu lernen, mit den vielen jungen Leuten hab ich nicht nur viel gelernt, sondern auch viel Spaß gehabt“, freut er sich, der in einem halben Jahr die Lehrabschlussprüfung machen wird und derzeit „vor allem Zugzielanzeigen und kaputte Displays reparieren muss“. Das gelernte Wissen um Programmieren „setzen wir derzeit meistens beim Reparieren von Hardware ein“.

Sprachen nutzen - Tourismus

Mariam Ibrahim Miko ist seit vier Jahren bei Start. Sie wechselt nun von der AHS Haizingergasse (Wien-Währing) in einen Hauptschulabschlusskurs „und dann will ich eine Lehre machen, irgendwas im Tourismus, wo ich meine Sprachen einsetzen kann – Französisch, Arabisch und Englisch“. Außerdem spricht die 18-Jährige noch Haussa, eine in mehreren Ländern Westafrikas verbreitete große Sprache. „Und Serma, das sprech ich aber nur mit meinen Cousinen.“ Bis zu ihrem 12. Lebensjahr wuchs sie in Niamey (Niger) auf.

„Start hat mir alles gegeben, was ich gebraucht habe, Wissen – weil ich am Anfang nicht so gut Deutsch konnte und es hat mich umgeben mit Menschen, die mich und die ich leiden kann. Von den Workshops hat mich am meisten der Dialog im Dunkeln fasziniert, weil man da erleben konnte, wie blinde Menschen durchs Leben gehen und man sich in ihre Lage versetzen konnte bis hin zum Kuchen essen und trinken, was für uns sehende nicht so einfach war.“

Viel weitere Fotos zwischen Baumwipfeln

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„Riasi madara ulum ast“

Sabiha Muradi, 17, startet dieses Schuljahr mit der zweiten Klasse HTL in der Wiener Donaustadt im Zweig Informatik und Software Engineering. Programmieren gehört zu ihren Lieblingsfächern, ebenso Mathe. Auf Dari (eine der großen Sprachen in Afghanistan von wo aus ihre Familie flüchten musste und neben Urdu/Pakistan ihre Erstsprache) nennt sie dem Kinder-KURIER ein gebräuchliches Sprichwort „Riasi madara ulum ast“ (Mathematik ist die Mutter aller Wissenschaften).

Dass naturwissenschaftliche und technische Fächer – wie so manche allenorts meinen – nichts für Mädchen wären, straft die vielsprachige (neben Dari und Urdu, perfektes Deutsch, Englisch und Arabisch – „das kann ich aber nur verstehen“) Klassenbeste Lügen. „Spanisch wollte ich auch lernen, aber in der Schule haben sich zu wenige Jugendliche angemeldet und so kam das Freifach nicht zustande.“

Erst vor knapp mehr als zwei Jahren kam sie mit ihrer Familie aus Pakistan in Oberösterreich an. Während ihre Schwester Bahara, die im vorigen Schuljahr mit ihrer sehr berührenden Rede eine der Sieger_innen im mehrsprachigen Redebewerb „SAG’S MULTI!“ geworden war, weiterhin dort zur Schule (BHAK Eferding) geht, zog Sabiha mit ihrer Mutter zum Vater nach Wien.

Im pakistanischen Quetta hatte sie „so etwas wie eine AHS besucht“, im März 2016 begann sie in Eferding mit der 4. Klasse in der Neuen Mittelschule Nord. „Die Klasse hab ich dann wiederholt, weil ich damals noch nicht  so gut Deutsch konnte. Im vorigen Schuljahr hab ich mich dann schon in Wien für die HTL beworben. Ich wollte jedenfalls etwas lernen, was in der heutigen technischen Welt überall gebraucht wird. Und das ist Informatik und Software-Engineering. Als ich noch in Quetta ins Gymnasium gegangen bin, hab ich keine Ahnung gehabt, was das ist.“

Und was ist das? Wie würdest du es beispielsweise deinem jüngeren Bruder erklären?
Da würde ich sagen, du spielst gerne Playstation. Da ist überall Software drinnen. Und genau so etwas lerne ich.

In Oberösterreich hat sie dann im Frühjahr „mit meiner Schwester im Internet recherchiert, und geforscht, welche Schule da in Frage käme.“ Auch auf das Projekt Start-Stipendien ist sie durch und mit ihrer Schwester gestoßen.

„Den Halbtag auf den Seilen, Leitern, Wackeligen Brettern zwischen den Bäumen „fand ich sehr gut, es hat total viel Spaß gemacht, und ich bin schon auf andere Aktivitäten von Start gespannt, ich bin immer bereit für Neues.“

http://www.start-stipendium.at/

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Links zu KiKu-Artikel, in denen genannte SAG'S-MULTI!"_Siegerinnen vorkommen

https://kurier.at/leben/kiku/mitreissende-reden-die-noch-dazu-mut-machen/312.786.352

https://kurier.at/kiku/fert-isch-wie-nacht/400049090

https://kurier.at/leben/kiku/in-unseren-adern-fliesst-das-gleiche-blut/313.655.517

Viele weitere Fotos - vom Anlegen der Sicherheitsgurte bis zum Schweben durch den Wald

Fotos von den Vorbereitungen

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Gemeinsam schlüpfen alle ...

... im Kreis ...

... in den speziell angepassten ...

.... Klettergurt ...

... und legen auch ...

... jene schlauen Teile (Smart) an, mit denen sie sich dann ...

... in den jeweiligen Kletter- oder Rutsch-Teilen einhängen und ...

... damit sichern können

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Dann geht's ...

... daran, ...

... die Handhabung ...

... der Sicherheitsausrüstung ...

...... auf kleinen, kurzen ..

... Teststrecken ...

... auszuprobieren , ...

... damit auch ja ...

... alles ...

.... klar ist und ...

... klaglos ...

... funktioniert, ...

... bevor es ...

... sozusagen in die ...

... freie Wildbahn ...

... der übers Gelände...

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Plan des Geländes mit den verschieden schwierigen Klettersteigen

Ein Kinderspielplatz, auch für ältere ohne Ausrüstung...

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Fotos vom Schweben zwischen den Bäumen

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Und nun noch einige (Amateur-)Videos