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© Mark Mosman

Kiku
09/20/2020

Kindergeburstags-Kuchen: Zwei Drittel für einen, Krümel für viele

„Kind.Erbe.Reich“ im Wiener Kosmos Theater – ein Stück übers (super-)reich sein und Vermögensverteilung.

von Heinz Wagner

Ein Geviert aus unzähligen goldenen von der Decke hängenden Bändern bildet den Vorhang für die spätere Spielfläche. Gleichzeit tönen aus den Lautsprechern mantra-artig Sätze wie „das Geld ist mein Freund“, „Geld fließt unaufhörlich zu mir“. Fast wie eine Gehirnwäsche.

Oder wie es andere vielleicht sehen würden: Autosuggestiv, womit Sie „täglich Ihre verborgenen Kräfte mobilisieren und zu Ihrer körperlichen und seelischen Gesundung einsetzen“ können - wie Werbesprüche für Tonträger auf die derartige Sätze gespeichert sind, angepriesen werden. Wobei die Bank wird’s wenig beeindrucken, wenn sie damit antanzen ;)

Geld – gut Tausend Scheine gedruckten Spielgeldes regnen vom Bühnendach oder werden vom  Schauspieltrio nur so ins Spiel geworfen. Maria Fliri, Marion Freundorfer, Peter Bocek stecken – die meiste Zeit - in Anzügen mit aufgedrucktem Geld-Scheinmuster (Bühne und Ausstattung: Caro Stark).

„Kind.Erbe.Reich“ von Barbara Herold, die auch Regie führte, ist derzeit im Wiener Kosmos Theater zu erleben. Sehr oft recht witzig wird die immer weiter auseinandergehende Schere zwischen arm und reich thematisiert – hier aus der Sicht der (super-)reichen Erben. In einer Szene schlüpfen die drei Schauspieler_innen in die Rollen in einer Selbsthilfegruppe anonymer Erb_innen. Mit Problemen von Erbschaftsstreitigkeiten bis Anflügen schlechten Gewissens. Hin und wieder bekommt die eine oder der andere einen Anflug von Gewissen – mit der Bitte um „Absolution“: „Tax me!“ (Besteuere mich!).

Eher aber bereiten ihnen Fragen der richtigen Anlage bzw. der von herumscharwenzelnden Vermögensberater_innen zu schaffen. Aber keine Sorge, wo viele Geld ist, kommt es zur Tür wieder herein, wenn es zum Fenster hinausgeworfen wird. Immerhin werden jene die arbeiten viel höher besteuert als jene, die ihr Geld arbeiten lassen.

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Kindergeburtstags-Kuchen

Auf recht anschauliche und zudem humorvolle Art und Weise bespielt das Stück die immer ungleicher werdende Vermögensverteilung. Tröten und papierene Spitzhüte mit Gummizug tauchen eine Szene nach rund einer halben Stunde in einen Kindergeburtstag ein. Dabei wird – symbolisch für die Verteilung von Erbvermögen in Österreich – an zehn Zuschauer_innen ein Guglhupf verteilt. Allein 2/3 gehen an eine Person – für zehn Prozent der Erb_innen. Für die nächsten fünf wird fast das bleibende Drittel geteilt. Die letzten vier teilen sich 1/18!

Mit viel Raum und Zeit für Lachen werden immer wieder ökonomische Fakten vermittelt – und die Fragen von Gerechtigkeit schweben über der Szenerie - zwischen den bekannten Sprüchen „Eigentum ist Diebstahl“ und „Eigentum verpflichtet“.

Kind.Erbe.Reich.
Vom Erben und Erblassen
Kosmos Theater (Wien) Koproduktion mit diefliriherold.at und T:K Theater Kempten

Text & Regie: Barbara Herold
Mit: Maria Fliri, Marion Freundorfer, Peter Bocek

Ausstattung, Video: Caro Stark
Choreographie: Anne Thaeter
Regieassistenz: Laura Loacker

Wann & wo?
Bis 26. September 2020
Kosmos Theater: 1070, Siebensterngasse 42
Telefon: (01) 523 12 26
office@kosmostheater.at
Kosmostheater.at -> kind-erbe-reich

Events.at -> kind-erbe-reich

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