Feriencamp - unter welchen Bedingungen?

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Kiku
05/19/2020

Workshops, Camps, Ferienlager: Noch immer große Fragezeichen

BundesJugendVertretung verlangt raschest Details, was in den Sommerferien unter welchen Umständen möglich ist.

von Heinz Wagner

Schon in Normalzeiten sind neun Wochen Sommerferien eine Herausforderung für die meisten Familien. Eigener Urlaub, kombiniert mit Camps, Ferienlager, nicht selten auch die eine oder andere Woche bei den einen oder anderen Großeltern.

Klar, letzteres fällt heuer sehr oft flach – Risikogruppe. Die eine oder andere Woche des eigenen elterlichen Urlaubs wurde schon während des Lockdowns aufgebraucht. Kinderunis und andere Veranstalter_innen haben wegen der gesundheitlichen Sicherheitsmaßnahmen ihre Angebote gänzlich abgesagt, sehr reduziert – oder in die Online-Welt verlegt. Andere waaaaaaarten und wollen endlich wissen, was können sie unter welchen Bedingungen doch an Camps anbieten, in denen Kinder spielen, sporteln, lernen usw. können. Und wo Eltern ihre Kinder gleichzeitig gut aufgehoben finden. Selbst für die vom Bildungsminister in Aussicht gestellten Summer-Schools sind die Bedingungen eher nicht klar.

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Gesetzliche Interessensvetretung

Neben einzelnen Organisationen, die seit ewigen Zeiten Ferien-Workshops, -Camps usw. durchführen, meldete sich am Dienstag auch die Bundes-Jugend-Vertretung, die gesetzliche Interessensvertretung von Kindern und Jugendlichen und Zusammenschluss Dutzender Organisationen und das Netzwerk Kinderechte - dazu zu Wort.

"Die schrittweise Schulöffnung dieser Tage tut den Kindern und Jugendlichen so gut. Sie sehen ihre Freunde und Freundinnen wieder. Ihre Tage bekommen zumindest teilweise wieder Struktur, es kehrt bekannter Schulalltag ein. All das dauert nun aber nur eineinhalb Monate. Dann stehen erst recht wieder zwei Monate Sommerferien vor der Tür. Wir fordern die Regierung auf, genau jetzt die Vorgaben zu Sommerbetreuung und Ferienangebote für Kinder bekanntzugeben. Kinder brauchen Perspektive, Kinder brauchen Sicherheit. Das sind Kinderrechte", so das Netzwerk Kinderrechte Österreich, ein Zusammenschluss von 45 Organisationen und Institutionen zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Österreich.

Isabella Steger und Caroline Pavitsits, beide vom Vorsitz-Team der BJV wiesen darauf hin, dass „Eltern und Jugendorganisationen derzeit vor großen Fragezeichen stehen, was die Sommermonate betrifft.“

Planungssicherheit für Kinder, Eltern, Organisationen

Positiv sei, dass jetzt erste Informationen aus den Ministerien für Jugend bzw. Soziales laut wurden. Diese seien aber nicht ausreichend: „Leider sind mit den jetzigen Regelungen für Jugendarbeit und Beherbergungsbetriebe nicht alle Fragen beantwortet. Kinder- und Jugendorganisationen haben weiter mit vielen Unsicherheiten zu kämpfen, was zum Beispiel Übernachtungen in Zelten, Essensausgaben oder Abstandsregeln betrifft. Für die Durchführung der Sommeraktivitäten läuft inzwischen die Zeit davon. Das heißt auch, dass viele Eltern vor einem Sommerdilemma stehen.

„Eltern und Jugendorganisationen brauchen jetzt Planungssicherheit. Einige Angebote wurden bereits abgesagt, weitere werden folgen. Die Leidtragenden sind die Kinder und Jugendlichen. Wir rufen daher Jugendministerin Aschbacher und Gesundheitsminister Anschober auf, schnell weitere Details bereitzustellen!“, so die Jugendvertretung.

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Kinderbetreuung macht keine Ferien

Außerdem „macht Kinderbetreuung keine Ferien! Der Bedarf ist in diesem Jahr größer denn je.“ Dabei würden sich die ungleichen Bedingungen für Familien weiter verschärfen, beispielsweise was die Angebote an leistbarer institutioneller Kinderbetreuung angeht.

„Wir rufen die Bundesregierung auf, beitragsfreie Ferienangebote und Betreuungsmöglichkeiten für alle Kinder sicherzustellen“, fordert die BJV und verlangt dabei auch ein einheitliches Vorgehen für ganz Österreich: „Es darf nicht passieren, dass Kinder und Jugendliche je nach Wohnort vor völlig anderen Situationen stehen.“

Geht nicht um Golfplätze, sondern Familien

Abschließend verweisen die beiden Vorsitzenden auf die Tragweite der Thematik hin: „Die vergangenen Wochen waren für viele Familien ein Drahtseilakt, für die Sommermonate darf es nicht noch weitere Belastungen geben! Auch die Jugendarbeit hat in der Corona-Zeit mit der schnellen Umstellung auf Online-Angebote Großartiges geleistet. Jetzt braucht es Sicherheit für die nächsten Monate“, so Steger. „Hier geht es nicht um Golfplätze oder Baumärkte, sondern um zahlreiche Familien, die mit Sorgen Richtung Sommer blicken“, untermauert Pavitsits.

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Kinderhabenrechte.at