Kiku
03/23/2019

?Dong bu dong? Verstehst du?

Einige Wiener HAK bieten (Mandarin-)Chinesisch als Freifach mit Matura-Chance an. KiKu und SchauTV besuchten eine Doppelstunde. Nun auch mit Schau-TV-Beitrag.

Zwischen Lehrer(in) und Maus liegt nur ein klitzekleiner Unterschied – der von i zu u. Jene, die unterrichten, heißen Lăo shī, die kleinen Nager - Lăo shǔ. Übrigens das Wort für Maus ist dasselbe wie für Ratte. Und diese Tiere genießen wegen ihrer Schlau- und Weisheit in China hohes Ansehen.

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Tag1, Tag2...

Zurück zu lehren – und lernen. Unterricht spielt in dieser Chinesisch-Doppelstunde beim Lokalaugenschein von Kinder-KURIER und SchauTV gleich eine mehrfache Rolle. Zum einen lernen die Jugendlichen der beiden Handelsakademien aus Schönborngasse und Hamerlingplatz (Wien-Josefstadt) hier das Freifach Mandarin-Chinesisch. Zum anderen stehen zu Beginn Gespräche in Kleingruppen auf dem Stundenplan – im doppelten Sinn. Bei den Schülerinnen und Schülern aus den beiden – angrenzenden – Standorten der privaten Vienna Business School handelt es sich um eine gemischte Gruppe aus verschiedenen Klassen. Und so fragen sie einander nun – nach Anregung der Lehrerin - nach ihren verschiedenen Stundenplänen.

„Welche Unterrichtsfächer hast du am Montag?“ – das heißt eigentlich fragen sie „Xīngqī nĭ shàng shénme kè?“ Wobei kè für Unterricht steht, shàng für haben und Xīngqī für Tag und hinten dran angehängt das Wort für eins: yī.

Der Dienstag kriegt den 2er und so weiter. Nur der Sonntag, der hat keine Zahl angehängt, sondern tiān – für Himmel: xīngqītiān. Er kann aber auch xīngqīrì heißen, da hängt dann die Sonne am Tag dran. Aber da gibt’s ohnehin keinen Unterricht ;)

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Schaf = Ziege = yáng

Auf dem Programm dieser Doppelstunde steht unter anderem noch eine Art Memory der zwölf Tierkreiszeichen – die jeweils für ein Jahr des chinesischen Kalenders (ab Februar) stehen. Zu finden sind die Pärchen aus der Zeichnung für das jeweilige Tier und dem entsprechenden Schriftzeichen. Übrigens: eines der zwölf Tiere heißt yáng und das steht sowohl für Schaf als auch für Ziege.

Einige Fotos aus der Chinesisch-Doppelstunde

Warum?

Natürlich wollen wir von den Jugendlichen wissen, wie schwierig diese Sprache zu erlernen ist und weshalb sie sich dafür entschieden haben.

„Weil Chinesisch sehr viel mit Wirtschaft zu tun hat und da es eine wirtschaftliche Schule ist, hab ich mir gedacht, es kann mir im weiteren Berufsleben helfen“, meint Tobias Fieser. „Französisch fand ich ein bisschen einfacher, obwohl Freunde sagen, Chinesisch sei einfacher zu lernen.“ – Dieses und alle anderen Interviews findest du ausführlicher weiter unten.

10-.größter Warenmarkt

Übrigens: China ist der zehntwichtigste Exportmarkt für Waren aus Österreich – mit starken jährlichen Steigerungsraten, teils über 10 % UND der zweitwichtigster Handelspartner in Übersee - nach den USA. Das AußenwirtschaftsCenter in der chinesischen Hauptstadt Bejing hat unter Unternehmen erhoben, dass 93 % auch eine weitere Aufwärtsentwicklung erwarten, fast die Hälfte (46 %) neue Investitionen planen. Allerdings sehen neun von zehn befragte Unternehmens-Vertreter_innen zunehmende Konkurrenz auf dem chinesischen Markt, wobei schon 43 % der größten Konkurrenten aus China selbst stammen.

Update mit Informationen aus dem Wirtschaftsministerium - eineinhalb Wochen nach der Anfrage (!): Im Vorjahr exportierten österreichische Unternehmen Waren im Rekordwert von 4,1 Milliarden Euro, was einer Steigerung von 9,7 % gegenüber 2017 bedeutete. Mehr als doppelt so hoch waren die Importe aus China: 9,1 Milliarden (+ 7,3%).

"Im Moment verfügen rund 650 österreichische Unternehmen über ungefähr 900 Niederlassungen in China (inkl. Hongkong). Die Österreichischen Investitionen in China belaufen sich auf 2,8 Milliarden Euro, während die chinesischen Investitionen in Österreich nur 393 Millionen Euro betragen."

Die Exporte im Sektor Dienstleistungen beliefen sich auf 536 Millionen, was einem Sinken von ca. 10 Prozent entspricht, importiert wurden Dienstleistungen im Wert von 378 Millionen € (-8,5%).

Einfacher als erwartet

Tina Schmid und Nadja Grunt entschieden sich für Chinesisch, weil sie „eine Sprache, die du nicht in jeder Schule lernen kannst“ bzw. „eine völlig neue Sprache“ interessant fanden. Und während Erstere meint „schwieriger als Englisch“, ist Zweitere überrascht, „es ist nicht ganz so schwer, wie ich es mir vorher vorgestellt habe. Die Grammatik ist wesentlich einfacher, weil es nicht so viele Fälle gibt und auch die Verben nicht konjugiert werden.“ Übrigens gibt es keinen Unterschied zwischen Singular und Plural, also zwischen Ein- und Mehrzahl – was gemeint ist, ergibt der Zusammenhang im Satz oder Text.

Großes Interesse ans Sprache und Kultur

Für Serhat Atmaca, bereits Zweitklässler aus der angrenzenden Schule am Hamerlingplatz, ist es übrigens bereits seine fünfte Sprache. „Natürlich Deutsch, Englisch, Türkisch – das ist meine Muttersprache - und Französisch“ sind die bisherigen vier. „Eigentlich lerne ich Chinesisch schneller als Englisch oder Französisch“, sagt er und versucht eine Erklärung dafür: „Vielleicht liegt es daran, dass ich sehr interessiert an Chinesisch bin – sowohl an der Sprache als auch an der Kultur, die ich vorher nur bewundert habe, mich jetzt aber wirklich mit ihr beschäftige.“

Maturabel

Das Freifach wird auch benotet und nach drei Jahren (= sechs Wochenstunden) kann auch maturiert werden. Das steht noch an, weil derzeit erst das zweite Schuljahr hier Chinesisch angeboten wird, aber dennoch als eine der ersten Schulen. Es gibt ja auch erst seit einigen Jahren die Möglichkeit, Unterrichtskompetenz auf der Sinologie zu studieren. Die Lehrerin hier, Julia Renner oder mit chinesischem Namen Rén Yù Xuān (der für Verantwortung, Bildung sowie Lilie bzw. Weiblichkeit steht) war 2013 die erste Absolventin dieses Masterstudienganges an der Uni Wien.

Wie viele lernen Chinesisch???

Während zwar herauszukriegen war, dass im Schuljahr 2016/17 (das letzte für das gesammelte Daten vorliegen), insgesamt 87 Schülerinnen und Schüler in ganz Österreich chinesischen muttersprachlichen Unterricht (von drei Lehrkräften) erhalten haben, war es im Verlauf von zwei ganzen Tagen nicht möglich im Bildungsministerium zu eruieren, wie viele Kinder bzw. Jugendliche insgesamt in ganz Österreich Chinesisch als Fremdsprache erlernen.

Update 6. März 2019, 15.37 Uhr: Nach einer halben Woche kam Antwort aus dem Bildungsministerium: In neun allgemeinbildenden höheren (AHS) sowie sechs berufsbildenden mittleren und höheren (HAK/HASch, HBLA, HTL) Schulen in acht Bundesländern wird (Mandarin-)Chinesisch als Fremdsprache – meist als Freigegenstand - angeboten.
Update 15. März 2019, 22.09 Uhr: Nach fast zwei Wochen kam aus dem Bildungsministerium nun auch noch die Antwort, das in Summe rund 100 Schülerinnen und Schüler diese Freigegenstände besuchen.

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Nun auch mit Schau-TV-Beitrag

gedreht von Wolfgang Semlitsch

Brauchbare Links

Chinesisch als Fremdsprache

Hier noch zwei YouTube-Videos: Ein TED-Talk über acht wichtige Schriftzeichen und eine halbstündige Unterrichtseinheit