Kiku
03/28/2019

Da müsste man doch endlich einmal was sagen...

„Zum Beispiel Malala“ im THEO Perchtoldsdorf (NÖ) über drei starke Frauen. Probenbesuch von KiKu und SchauTV.

Ein Konferenztisch, drei Frauen. Und das aus einem Zeitraum von rund 2500 Jahren: Antigone, Sophie Scholl und Malala Yousafzai. Spielort: Der Theaterort für junges Publikum im niederösterreichischen Perchtoldsdorfer (nahe Wien-Liesing).

Am 29. März hat dort das eineinhalbstündige Stück (ab 12 Jahren) „Zum Beispiel Malala“ (Konzept und Regie: Birgit Oswald) Premiere. Kinder-KURIER und SchauTV (Ausstrahlung 28. März 2019) durften einige Szenen bei einer Probe, rund eine Woche vor der Premiere, miterleben - und Interviews mit der Regisseurin sowie den drei Schauspielerinnen führen.

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Verbindendes

Alle drei verbindet, dass sie bekannt wurden dafür, zu ihrer Meinung zu stehen, auch wenn ihr Leben dabei bedroht wurde/wird:

  • So lässt sich Antigone nicht nehmen, ihrem Herzen zu folgen und den im Kampf getöteten Bruder zu begraben. Auch wenn ihr Onkel, König Kreon, das verbietet und ihr mit dem Umbringen droht.
  • Sophie Scholl, anfangs begeisterte Hitler-Anhängerin - zum Leidwesen des eigenen Vaters - kommt nach und nach drauf, wie menschenfeindlich das faschistische Regime ist, beteiligt sich an der von ihrem Bruder mitbegründeten Widerstand-Organisation „Weiße Rose“, verteilt Flugblätter und wird dafür von einem führenden Nazi-Richter zum Tod verurteilt.
  • Malala Yousafzai setzt sich seit frühester Jugend (schon so ca. ab 11 Jahren) dafür ein, dass auch Mädchen das Recht auf Bildung haben. Und wird dafür von Taliban in den Kopf geschossen. Was ihr Engagement nicht verhindert und wofür sie 2014 als erste Jugendliche den Friedensnobelpreis bekommen hat.
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Plädoyer fürs Leben

Mehrmals wird zwischen markanten Szenen dieser drei jungen, starken Frauen hin und her geswitcht - die beiden jeweils anderen nehmen höchst interessiert Anteil an den Kern-Erlebnissen jener, die gerade im Zentrum steht. So unterschiedlich die historischen und geografischen Umstände waren/sind, so bleibt das gleiche Plädoyer: Mund aufmachen, Haltung zeigen, grundlegende Werte ver- und dafür eintreten. Auch wenn Antigone und Sophie Scholl für ihren Widerstand zu Tode kommen bzw. ermordet werden, und Malala tödlich bedroht wurde, strahlt das Stück nicht Depression aus, sondern rückt neben dem Widerstand das ins Zentrum, was den drei jungen Frauen damit wichtig war: Der Kampf für ein - menschenwürdiges, gerechtes - Leben.

„Ich liebe das Leben, ... aber eines, das es wert ist... ich muss entscheiden, dass ich im reinem mit mir leben kann...“, sagt Antigone (Barbara Novotny) und an anderer Stelle: Der Sinn ist nicht, sein junges Leben wegzugeben“... worauf Sophie Scholl (Karoline Gans) antwortet: „Sinn ist ein besseres Leben.“

Malala (Sabine Hollweck) sagt im Stück: „Die Taliban haben mir in den Kopf geschossen. Auch auf meine Freunde haben sie geschossen. Sie dachten, die Kugeln würden uns zum Schweigen bringen. Aber es hat sich nichts geändert, mit einer Ausnahme: Schwäche, Angst und Hoffnungslosigkeit sind gestorben. Stärke, Kraft und Mut sind geboren. Ich bin dieselbe Malala. Meine Ziele sind dieselben. Meine Hoffnungen sind dieselben. Und meine Träume sind dieselben.
Wir erkennen die Bedeutung von Licht, wenn wir Dunkelheit sehen. Wir erkennen die Bedeutung unserer Stimme, wenn wir zum Schweigen gebracht werden. Wir glauben an die Macht und die Kraft unserer Worte. Heute ist der Tag jeder Frau, jedes Jungen und jedes Mädchens, die ihre Stimme für ihre Rechte erhoben haben. Nehmen wir unsere Bücher und unsere Stifte. Sie sind unsere stärksten Waffen. Ein Kind, eine Lehrkraft, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.“

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Sprung ins Heute

Und damit die Botschaft ja verstanden wird, springt die Schlussrunde sozusagen ins Hier und Jetzt. Die drei Protagonistinnen tauchen als Jugendliche am runden Tisch auf, unterhalten sich darüber, wie die und der andere via Social Media ausrichten, beschimpfen, mobben. Immer und immer wieder fallen Sätze wie „da müsste man doch was sagen, da sollte man, da muss endliche einmal wer was tun...“ Und damit gehen sie schrittweise in Richtung Publikum...

Womit der Bogen zu einem Satz Malalas geschlossen wird: „Ja, ich muss reden. Man darf nicht schweigen über Dinge, die gesagt werden müssen. Wer die Wahrheit nicht kennt, ist nur ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie verschweigt oder sie sogar Lüge nennt, ist ein Verbrecher.“

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Interviews mit der Regisseurin sowie den drei Schauspielerinnen

Infos: Was? Wer? Wann? Wo?

Zum Beispiel Malala
Ab 12 J., 1 ½ Stunden

Regie & Konzept: Birgit Oswald
Bühnenfassung: Joachim Henn

Antigone: Barbara Novotny
Sophie Scholl: Karoline Gans
Malala: Sabine Hollweck
Weitere Rollen: Ensemble

Bühne: Richard Prack
Kostüme: Natalie Pedetti
Regieassistenz: Chiara Hunski

Szenenfotos aus den Proben ...

Sophie Scholl wirft Flugblätter von einer Brüstung in der Uni

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Gegen Ende ertönt die moderne Freidenshymne "Imagine" von John Lennon und Yoko Ono....

... die Textzeilen zum Mitlesen ...

Drei Jugendliche reden über andere, die mobben....

.... "Da müsste man dioch was sagen ...."

Interview mit Regisseurin Birgit Oswald...

... mit Sophie-Scholl-Darstellerin Karoline Gans

... und Barbara Novotny, vor allem als Antigone ...  

... sowie Sabine Hollweck, die in die Rolle Malals schlüpft

Wann & Wo?
29. März  bis 12. Mai 2019
THEO. TheaterOrt für junges Publikum Perchtoldsdorf: 2380, Beatrixgasse 5a
http://theaterort.at/

Karten: (01) 866 83-400
info@perchtoldsdorf.at
www.perchtoldsdorf.at/tickets/kiju

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Hier der SchauTV-Beitrag

Gedreht von Wolfgang Semlitsch