Karoline Gans als Sophie Scholl

© Wolfgang Semlitsch/SchauTV

Kiku
03/24/2019

Große Ehrfurcht, sogar Angst, diese Rolle zu übernehmen

Karoline Gans spielt vor allem die Sophie Scholl, schlüpft aber auch in die Rolle von Ismene, der Schwester von Antigone.

von Heinz Wagner

Ich nehme an, die Sophie Scholl war dir schon vorher bekannt?
Ja, ich hatte große Ehrfurcht diese Rolle zu übernehmen. Ich finde, die Zeit des Nationalsozialismus ist keine einfache Zeit um sich in sie hinein zu versetzen. Das hat mir ein bisschen Angst bereitet. Aber ich finde toll, dass die Sophie so fürs Leben steht und für den Glauben an die gute Sache und sie eigentlich kämpft, um ein freies Leben zu haben. Da rückt der Tod, den sie eingeht, an eine andere Stelle, bekommt nicht diesen Schwerpunkt.

Du hast gesagt, du hattest ein bisschen Angst und Ehrfurcht, diese Rolle zu übernehmen. Wie hast du dich dann dieser Rolle genähert? Nachdem du sie ja nun spielst, musst du diese Angst ja überwunden haben?
Wie meistens bei der Angst: Wenn man genauer hinschaut, ist es ein Beschäftigen mit diesem Thema und dann tritt die Angst in den Hintergrund. Ich hab‘s versucht, sehr persönlich anzugehen: wo kenne ich es, dass ich meine Meinung nicht sagen kann, dass ich Angst hab, beim Zugfahren entdeckt zu werden. Wie kann ich persönlich an Erlebnisse von Sophie Scholl anknüpfen.

Kanntest du Sophie Scholl schon in deiner Schulzeit?
Ehrlich gesagt, nur sehr entfernt. Sie wurde zwar schon einmal im Geschichtsunterricht erwähnt. Ich kannte Fotos von ihr und die „Weiße Rose“ war mir selbstverständlich ein Begriff. Aber die ersten Flugblätter hab ich erst vor zwei oder drei Jahren gelesen.

Findest du, jede und jeder der in die Schule geht, sollte über Persönlichkeiten wie Sophie Scholl ausreichend lernen?
Definitiv. Ich finde Geschichte wird dann spürbar, wenn man Persönlichkeiten kennen lernt und ihren Umgang mit der Zeit, in der sie leben/gelebt haben. Dann versteht man eine Zeit. Dann versteht man, was das heißt, dass man seine Meinung nicht sagen darf. Das ist ja eigentlich unglaublich, dass ein junger Mensch getötet wird, weil er/sie Flugblätter verbreitet, die sagen, der Krieg ist nicht richtig, da werden Menschen hingeschlachtet und wir wollen das nicht länger. Dass da eine Meinung so gefährlich werden kann, dass jemand mit dieser Meinung getötet wird, das ist eine sehr wichtige Botschaft, finde ich.