Kinder und Jugendliche, die auf der Bühne aufgetreten waren mit der PeaceBell und ihrem Erfinder, Michael Patrick Kelly

© Heinz Wagner

Kiku
10/27/2019

Aus Feinden können Freunde werden…

Galanacht des Friedens: Singende Kinder, inklusive Band, Michael Patrick Kellys PeaceBell. 19 Videos, 200 Fotos, Interview.

von Heinz Wagner

Kinder der Volksschule Zehdengasse trugen ihr Bekenntnis gleich gut sichtbar auf ihren T-Shirts: das internationale Friedenszeichen. Sie sangen unter anderem ein Lied, für das sie selber einige Strophen geschrieben hatten. Ihre Kolleg_innen aus der Herzmanovsky-Orlando-Gasse (ebenfalls aus Floridsdorf) sangen nicht nur – u.a. „im Krieg da gibt es keinen Sieg“ -, sie spielten auch eine kurze Szene.

Gespielter Wickel und seine Auflösung

In dieser baut sich fast aus dem Nichts ein kräftiger Wickel aus samt Fetzerei der beiden Protagonisten. Mühsam müssen die anderen sie auseinander ziehen und halten. Dann taucht eine Frau auf, die mit ihren Händen den Rhythmus von Queens‘ „We will rock you“ trommelt. Ihre „Trommel“ ist ihr Körper. Die Body-Percussion ist so ansteckend, dass die beiden Streithanseln irgendwie in diesen Rhythmus einschwingen – und ihre Wut rausklopfen, wie sie sagen.

Breiter musikalischer Bogen

Der musikalische Bogen der Galanacht des Friedens am Vorabend des Nationalfeiertages war breit. Neben den beiden Volksschulkinder-Gruppen mit sehr melodischen Liedern traten auch noch der Wiener Beschwerdechor, die KÖHV (Katholische Österreichische Hochschulverbindung) Sängerschaft Waltharia (benannt nach dem Minnesänger Walther von der Vogelweide), die Wiener Punkband mit Stolz auf ihre jugoslawischen Wurzeln „Soda & Gomorra“, der Sir des Abends, der Jazzsänger Louie Austen – mit Gitarristin Ramona Kasheer auf. Nicht zu vergessen die Polgar Inclusive Band. Matthias Stangl (Schlagzeug), Sabrina Salmhofer, Martin Greinert, Ilyas Elloghaoui und Sofia Casteilleo (Gesang), Naiomi Bascur Valdés (Keyboard), Vincent Milde (Gitarre), Tim Brendl (Bass), Christian Blaschek (Klavier) und Bernhard Lengauer (Lehrer, Gitarre) vermittelten durch ihr Zusammenspiel von Menschen mit und ohne Behinderung einen wohl offensichtlichen Beitrag zu einer weiteren Facette von Frieden.

#PeaceBell

Die Galanacht verband in dem Fall die seit ein paar Jahren laufende Aktion „Jugendfriedenspreis“ mit der Aktion #PeaceBell von Michael Patrick Kelly. Vor fast genau einem Jahr anlässlich des 100. Jahrestages der Beendigung des 1. Weltkrieges hatte er die ins Leben gerufen. In diesem Krieg waren unter anderem Kirchenglocken eingeschmolzen worden, um daraus Kanonenkugeln zu produzieren. Diese große, mehr als 500 Kilo schwere Glocke, die Kelly (ja genau aus der vor gut 20 Jahren berühmten Kelly-Family) zu seinen Konzerten mitnimmt, ist – nicht ausschließlich, aber zu einem Gutteil aus Waffenschrott, unter anderem Granathülsen aus 1917 gegossen.

(Fast) stille Minute

Als Klöppel fungiert ein G3-Gewehr. Davon, so erzählt der Musiker, der an diesem Abend allerdings gar nicht gesungen hat, sind ungefähr 7 Millionen Stück im Umlauf. Neben der russischen Kalaschnikow ist es das meistverkaufte Gewehr, so der Künstler. Dieses wurde mit einer großen Metallkugel verbunden, um die Glocke zum Läuten zu bringen. Während seiner Konzerte – und diesmal auch bei der genannten Galanacht – zieht er an einem Gurt, lässt das Gewehr mit Kugel an der Innenseite der Glocke anschlagen und bittet darum, anschließend das gesamte Publikum eine Minute still innezuhalten. Sozusagen eine (Nach-)Denkpause. So manche Besucher_innen seiner Konzerte, so erzählt der 41-Jährige, würden dies als den besten Moment des Konzerts empfinden. Was für den Musiker auch ein bisschen … naja. (Kinder-KURIER-Interview mit Michale Patrick Kelly weiter unten)

Shalom/Salam

Kelly ließ 499 Miniaturen dieser Glocke – in Bronze und nicht aus Waffenschrott - herstellen. Aus dem Erlös dieser – 349 € pro Stück – unterstützt er das Dorf Neve Shalom/Wahat al-Salam/Oase des Friedens. In diesem Dorf in Israel leben seit 1970 jüdische und palästinensische Familien zusammen, die Kinder und Jugendlichen besuchen dort gegründete zweisprachige (Hebräisch und Arabisch) und -kulturelle Schulen. Das Projekt habe er ausgesucht, „weil es zeigt: Peace is possible. Es ist möglich, dass aus Feinden sogar Freunde werden können“.

Follow@kikuheinz

Jugendfriedenspreis, Wiener Friedensglocke

Social City Wien, die Initiative, die den Jugendfriedenspreis – Einreichschluss für Projekte ist Mitte März 2020 – ebenso organisiert wie diese Galanacht, hat eine Crowdfunding-Aktion für eine große PeaceBell für Wien gestartet.

friedenspreis.at

peacebell.wien

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