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Gesund
10/15/2019

Wofür langsames Gehen ein Warnzeichen ist

Forscher fanden einen Zusammenhang zwischen der Gehgeschwindigkeit von 40-Jährigen und der Geschwindigkeit der Alterung.

Bei älteren Menschen ist es bekannt - und auch nicht überraschend: Die Gehgeschwindigkeit von 70- oder 80-Jährigen ist ein guter Indikator für den Gesundheitszustand insgesamt - für die Stärke der Muskeln, die Lungenfunktion, die Koordination und auch für die Sehkraft.

Doch was Forscher der Duke University in North Carolina (USA) jetzt herausfanden, bezeichneten sie selbst als "erstaunliche Überraschung": Das Gangtempo von 45-Jährigen kann ein guter Hinweis darauf sein, wie rasch ein Mensch biologisch gesehen altert.

Schlechterer Gesamtzustand

Und demnach schaut es eher schlecht aus für Menschen, die gemütlich durch die Straßen schlendern: 45-Jähirge, die mit rund 4 km/h unterwegs waren, hatte nicht nur eine schlechtere Lungenkapazität und einen schlechteren Zustand des Immunsystems im Vergleich zu gleichaltrigen Menschen, die mit an die 6 km/h sehr forschen Schritttes dahinzogen. Insgesamt war der langsamere Gang ein Hinweis auf einen schlechteren körperlichen Zustand - gemessen etwa an der Muskelkraft oder verschiedenen Blutwerten.

Und was die Forscher besonders überraschte: Bei den Langsamgehern zeigte das Gehirn in bildgebenden Untersuchungen (Magnetresonanztomographie) mehr Auffälligkeiten. Das Gehirnvolumen war etwas kleiner, die Dicke der Hirnrinde etwas geringer und es gab im Schnitt mehr kleine Schädigungen der Weißen Hirnsubstanz.

Die Forscher untersuchten rund 1.000 Menschen aus Neuseeland, die in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts geborenen wurden und seit damals immer wieder im Rahmen von Studien getestet und untersucht wurden. Und insgesamt zeigten 19 verschiedene Werte (z. B. Blutwerte, Zahnstatus, Herzfunktion, Atemvolumen), dass bei Langsamgehern die Alterungsprozesse schneller voranschritten.

Die Langsamgeher waren biologisch um rund fünf Jahre rascher gealtert als die Schnellgeher. Auch optisch wurden ihre Gesichter älter eingeschätzt.

"Was wirklich bemerkenswert ist, dass es sich um 45-Jährige handelt, und nicht um geriatrische Patienten, deren Zustand normalerweise mit derartigen Methoden bewertet wird", sagt Hauptautor Line Rasmussen.

Noch verblüffender war eine weitere Erkenntnis: Da von diesen Personen ja Gesundheitsdaten seit der Geburt vorlagen, konnten die Forscher Vergleiche zwischen den Daten der Probanden im Alter von drei und 45 Jahren anstellen. Und da zeigte sich: Mit dem Ausmaß von Sprachverständnis, Frustrationstoleranz, den motorischen Fähigkeiten und der Emotionskontrolle im Alter von drei Jahren kann die Gehgeschwindigkeit im Alter von 45 vorhergesagt werden.

Frühes Warnzeichen

Bekannt war bisher, dass Langsamgeher im Alter zwischen 70 und 90 Jahren eine kürzere Lebenserwartung haben als Personen, die auch im höheren Alter noch schneller gehen. Jetzt konnte aber erstmals gezeigt werden, dass langsames Gehen schon Jahrzehnte früher ein Warnzeichen für den körperlichen Zustand ist. Anhand des Gehtempos könnten schon frühzeitig Hinweise auf altersbedingte Erkrankungen gefunden werden - und Änderungen im Lebensstil durchgeführt werden.

Die Studie ist im Fachmagazin JAMA Network Open erschienen.