Auch Hobbyradler sollten die Grenzen ihrer  persönlichen Belastbarkeit nicht überschreiten

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Gesund
09/05/2019

Sportlich in den Herbst: Wie man die Gelenke schützt

Radeln, Wandern und Co fordern die Gelenke. Alles zur Vorbeugung und was zu tun ist, wenn es trotzdem zur Verletzung kommt.

von Magdalena Meergraf

Manchmal reicht schon die kleinste falsche Bewegung. Man rutscht, knickt um oder stürzt. Und schon ist sie da, die Muskelzerrung, der Bänderriss, die Verstauchung. Rund 200.000 Sportunfälle ereignen sich jährlich in Österreich. Das zeigen die Daten des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV). Bei Menschen bis zum 30. Lebensjahr ist Sport sogar die Ursache Nummer eins bei Freizeitunfällen.

Fußballspielen, Wandern und Radfahren gehören zu den beliebtesten Sportarten der österreichischen Bevölkerung. Besonders Mountainbiken wird immer populärer. Diese Entwicklung werde durch das E-Mountainbike weiter verstärkt, so eine Analyse des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. Neun von zehn Befragten sind zumindest bereits einmal gestürzt. Pro Jahr werden 6.400 verletzte Radfahrer und Radfahrerinnen im Spital behandelt. Tendenz steigend. Auch der Bergsport hat an Bedeutung zugenommen. Und damit das Verletzungspotenzial.

Ramponiertes Knie

Platz eins in der Liste der gefährdeten Körperteile: das Knie. Verdreht es einem das Kniegelenk, entstehen meist Risse: beim Kreuzband, beim Seitenband oder beim Meniskus.

Bei kleinen Verletzungen hilft akut die sogenannte PECH-Regel: Pause machen, das verletzte Gelenk kühlen, eine Kompression anbringen und den betroffenen Körperteil hochlagern. (Für eine nähere Erklärung einfach die folgende Infobox anklicken.)

Bei Zerrungen, Prellungen und Bänderrissen heißt es rasch handeln.

  • P steht für Pause, die verletzte Körperstelle sollte nicht mehr unnötig bewegt werden, um Blutungen und Schwellungen gering zu halten und weitere Schäden zu verhindern.
  • E bedeutet Eis, also die Stelle mit Eis oder kaltem Wasser zu kühlen. Dadurch verengen sich die Blutgefäße. Das vermindert Blutungen und Schwellungen.
  • C für Kompression (wird im Englischen compression genannt) – ein Druckverband mit mäßiger Spannung drückt das Gewebe zusammen und verhindert ebenfalls weitere Blutungen. Am besten ist das Kühlen mit der Kompression zu verbinden.
  • H steht für Hochlagern – das betroffene Körperteil sollte höher liegen als das Herz, damit das Blut aus der verletzten Stelle über die Venen zum Herzen fließen kann, Schwellungen verringern sich.

Schwere Verletzungen sind fachärztlich abzuklären. Doch wie erkennt man diese? „Nicht immer bemerkt man gleich, dass ein Band gerissen ist, denn die Schmerzen sind oft eher kurz. Treten sie aber bei erneuter Belastung wieder auf oder ist das Gelenk geschwollen, sollte man zum Arzt“, rät der Wiener Unfallchirurg und Kniespezialist Patrick Weninger. Das ist deshalb wichtig, um mögliche Folgen, wie etwa Schäden am Meniskus oder am Knorpel, zu verhindern.
Oft zeigt sich erst bei einer Magnetresonanztomografie (MRT) die ganze Schwere der Verletzung. Den Betroffenen bleiben zwei Möglichkeiten: Eine konservative Behandlung (zum Beispiel Physiotherapie), die auf eine Stärkung der Muskeln setzt. Dadurch soll das Gelenk trotz des beschädigten Bandes stabilisiert werden.
Oder eine Operation, bei der das Band durch eine körpereigene Sehne ersetzt wird. Aber nicht jede Verletzung muss auf den Operationstisch. „Grundsätzlich ist ein Eingriff immer die letzte Option. Heute weiß man, dass vieles auch ohne Operation, aber mit entsprechender Behandlung wieder ausheilt. Die Entscheidung hängt schlussendlich von der individuellen Situation ab“, sagt Patrick Weninger, der viele Fußballprofis und Skifahrer betreut.

Um Verletzungen zu vermeiden, sind regelmäßiges Training von Kraft, Ausdauer und Koordination  ausschlaggebend.

Doz. Dr. Patrick Weninger, Facharzt für Unfallchirurgie, Kniespezialist

Wichtig ist in jedem Fall die aktive Mitarbeit der Patienten und Patientinnen. „Entscheidend ist, dass so rasch wie möglich mit Kräftigungs- und Koordinationsübungen begonnen wird.“

Sonderfall Wirbelsäule

Mit der zunehmenden Beliebtheit von Mountainbiken und Bergsport gewinnt auch die Behandlung von Wirbelsäulenverletzungen an Bedeutung. Dabei handelt es sich um das Spezialgebiet von Selma Köffler-Frey, Fachärztin für Orthopädie und Traumatologie und Teamärztin des Österreichischen Skiverbands ÖSV. „Im alpinen Skilauf, aber auch bei Sportarten wie etwa Handball, Tennis, Golf oder Downhillen besteht die Gefahr von Bandscheibenverletzungen. Bei Kontaktsportarten oder beim Mountainbiken kann es hingegen zu Wirbelbrüchen wegen Stürzen kommen“, sagt sie.

Hier stößt die zuvor erwähnte PECH-Regel an ihre Grenzen: „Rückenschmerzen nach einem Sturz, die über mehrere Tage anhalten, müssen unbedingt abgeklärt werden. Insbesondere wenn ein Taubheitsgefühl, ausstrahlende Schmerzen in den Armen und Beinen oder generell Funktionsausfälle auftreten. Diese können Hinweise auf Nerven- oder Rückenmarkverletzungen sein.“ In dem Zusammenhang mahnt Selma Köffler-Frey auch zur Vorsicht beim Sprung ins abkühlende Nass: „In 20 Jahren Unfallchirugie habe ich jeden Sommer viele junge Patienten mit Verletzungen der oberen Halswirbelsäule gesehen, weil sie in zu seichtes Wasser gesprungen und mit dem Kopf am Grund aufgekommen sind.“

Egal, welches Gelenk betroffen ist, die Wahl eines Spezialisten bzw. einer Spezialistin ist wichtig. „Man kann das gut, was man oft macht“, betont Patrick Weninger: „Das bedeutet, dass ein Kniespezialist hauptsächlich Knieverletzungen behandelt und der Schulterspezialist zum Beispiel nur Schulterprobleme.“ So könne man auf eine hohe Behandlungsqualität bauen. „Die Fallzahlen eines Arztes sind ein Hinweis auf seine Expertise und somit auf die Qualität der Behandlung.“ Eine solche Fallzahl gibt zum Beispiel Auskunft darüber, wie oft ein Chirurg einen bestimmten Eingriff am Knie vornimmt.

Vorbereitung

Schlussendlich lassen sich Stürze und Verletzungen mit der richtigen Vorbereitung und Herangehensweise minimieren. Ob Kletterausflüge, Volleyballspiele, Fußballmatches oder Radtouren: Nicht nur Profis sollten sich gut auf sommerliche Betätigungen vorbereiten, auch Hobbysportler und Hobbysportlerinnen sollten Körper und Geist rechtzeitig darauf einstellen. „Regelmäßiges Training von Kraft, Ausdauer und Koordination sind ausschlaggebend“, sagen Patrick Weninger und Selma Köffler-Frey.

Aufwärmen

Sie empfehlen, vor allem das Aufwärmen nicht zu vergessen. Denn kalte Muskeln verzögern die Reaktionsgeschwindigkeit und erhöhen das Verletzungsrisiko. Auch auf die passende Schutzausrüstung wie Helm, Rücken- und Handgelenkprotektoren sollte man achten. Und natürlich: den Fähigkeiten entsprechend Sport treiben.

Dann überwiegt der Nutzen gegenüber dem Risiko, betont Köffler-Frey: „Sport beugt vielen Erkrankungen vor, nicht zuletzt auch Abnützungserscheinungen im Alter.“ Als besonders gelenkschonend gilt übrigens Schwimmen. Wenn das keine guten Nachrichten angesichts der heißen Temperaturen sind.

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