Rohes Geflügel sollte immer auf demselben Schneidebrett geschnitten werden.

© Getty Images/iStockphoto/Kerkez/istockphoto.com

Gesund
07/02/2019

Schneidebrett bis Mistkübel: Die Bakterien-Hotspots im Haushalt

Eine britische Gesundheitsorganisation erklärt, wo die meisten Keime lauern und wann Händewaschen Pflicht ist.

Sauberkeit und Hygiene, Schmutz und Bakterien: Laut Experten der Royal Society for Public Health (RSPH) herrscht ob dieser Begrifflichkeiten Verwirrung in der Bevölkerung. "Während für die Bedeutung der Hygiene durchaus Bewusstsein da ist, herrscht bezüglich der Situationen, in denen sie am notwendigsten ist, Unwissen", heißt es in dem aktuellen Bericht dazu.

Ungesunde Überzeugungen

Im Zuge der Befragung von 2.000 Personen gaben 23 Prozent der Teilnehmer an, Kinder müssten schädlichen Keimen ausgesetzt sein, um ihr Immunsystem zu stärken. Die RSPH hält dies für eine "potenziell schädliche Überzeugung ", die zu gefährlichen Infektionen führen könnte.

Anstatt die Hygiene aus falschen Gründen hintenanzustellen, sollte man sich darauf konzentrieren, bestimmte Orte zu bestimmten Zeiten zu reinigen. Auch wenn diese sauber aussehen. So könne die Ausbreitung "schlechter" Mikroorganismen verhindert werden.

Besonderes Augenmerk sollte der RSPH zufolge auf diesen Bereichen beziehungsweise Situationen liegen:

  • Bei der Zubereitung und im Umgang mit Lebensmitteln
  • Beim Essen mit den Fingern
  • Nach dem Toilettengang
  • Nach dem Niesen, Husten oder Schnäuzen
  • Beim Hantieren mit und Waschen von schmutzigen Haushaltstüchern
  • Bei der Pflege von Haustieren
  • Bei der Müllentsorgung
  • Bei der Pflege erkrankter Familienmitglieder

Nach dem Hantieren mit Lebensmitteln, Berühren von Haustieren, Toilettengang, Husten, Niesen und Schnäuzen sowie Pflegetätigkeiten raten die Experten, sich die Hände zu waschen.

Das Reinigen von Oberflächen und Schneidebrettern in der Küche ist nach der Zubereitung von rohen Lebensmitteln, etwa rotes Fleisch oder Geflügel, beziehungsweise vor der Zubereitung von belegten Broten und anderer Snacks besonders wichtig. Dabei verwendete Geschirrtücher und Schwämme sollten danach ebenfalls sorgfältig gereinigt werden.

Das Putzen von Oberflächen und Küchenutensilien mit warmem Seifenwasser entfernt den Großteil Bakterien. Um diese vollständig abzutöten, empfiehlt sich ein Waschgang im Geschirrspüler bei mindestens 70 Grad.

Fußböden und Möbel mögen laut RSPH hingegen zwar oft schmutzig aussehen, enthalten jedoch in der Regel nur harmlose Bakterien.

Experten unterstützen Appell

Umweltmedizinerin Sally Bloomfield von der Londoner Schule für Hygiene und Tropenmedizin begrüßt den Aufruf der RSPH im Interview mit der BBC. Die Öffentlichkeit sollte den Unterschied zwischen Hygiene und Sauberkeit kennen, so Bloomfield.

"Während normales Reinigen das Entfernen von Schmutz bedeutet, bedeutet Hygiene das Reinigen bestimmter Stellen und bestimmten Zeitpunkten – und zwar auf die richtige Art und Weise. Um eine mögliche Kette der Infektionen zu durchbrechen, während etwa Speisen zubereitet, Toiletten benutzt oder Haustiere gepflegt werden."

Lisa Ackerley, Lebensmittelhygieneexpertin der Royal Society for Public Health, sagte im Interview: "Sich im Freien aufzuhalten und mit Freunden, der Familie und Haustieren zu spielen, ist großartig, um mit 'guten Bakterien' in Kontakt zu kommen und ein gesundes Mikrobiom aufzubauen. Aber das darf nicht missverstanden werden und der Hygiene im Wege stehen."

Durch gezielte Hygiene zu den entscheidenden Zeitpunkten und an den entscheidenden Orten könne Infektionen vorgebeugt werden. "Und man ist dennoch allen 'guten Bakterien' ausgesetzt, von denen der Körper profitiert", betont Ackerley.