Im Schaum suchen viele Zuflucht vor Kälte, Stress und drohenden Erkältungen.

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Gesund
11/12/2019

Schaumgebremst: Warum Erkältungsbäder auch krank machen können

Sie gelten als Hausmittel gegen grippale Infekte, aber oft stecken in Erkältungsbädern Stoffe, die erst recht krank machen.

von Marlene Patsalidis

Die Wanne dampft, die Schaumbläschen kribbeln angenehm auf der Haut, aus dem Wasser steigt behaglicher Duft auf. Bei verstopfter Nase, Halskratzen und Gliederschmerzen schwören viele auf warme Vollbäder. Im Herbst und Winter haben diverse Badezusätze traditionell Hochsaison.

Ob Badesalz, Cremebad oder Öl-Essenz: So wohltuend ein Schaumbad wirken mag, "die wissenschaftliche Datenlage dazu ist eher dürftig", sagt Christoph Dachs, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin. "Wobei man die nachgewiesenen Effekte von der Alltagserfahrung trennen muss. Und letztere lehrt uns, dass warme Bäder jedenfalls angenehm sind. Der durchblutungsfördernde Effekt kann auch zur Muskelentspannung beitragen", erklärt der Allgemeinmediziner.

Auf Inhaltsstoffe achten

Mangelnde Belege für die Wirksamkeit von Erkältungsbädern kritisiert auch das deutsche Verbrauchermagazin Ökotest, das die Zusätze und ihre Ingredienzien kürzlich unter die Lupe genommen hat. Auch in puncto Inhaltsstoffe ist das Ergebnis ernüchternd: Elf von 20 Erkältungsbädern fallen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch. Die Verbraucherschützer raten vom Kauf dieser Produkte ab. Neben fehlenden Belegen für die Wirksamkeit bemängeln die Tester den häufig verwendeten Inhaltsstoff Kampfer, "der gravierende Nebenwirkungen haben kann", wie es im Testbericht heißt. Der aus dem Holz von Kampferbäumen gewonnene fettlösliche Wirkstoff sei in der Medizin umstritten: Bei äußerer Anwendung könne es etwa zu Hautekzemen kommen. Bei Säuglingen und Kleinkindern bestehe durch die Aufnahme Vergiftungsgefahr sowie das Risiko von Krampfanfällen oder eines Atemstillstands.

Kritisiert werden auch die oft enthaltenen Polyethylenglykole. Dabei handelt es sich um synthetische Stoffe, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können. In Badezusätzen sorgen sie dafür, dass zwei eigentlich nicht mischbare Flüssigkeiten – etwa Öl und Wasser – miteinander vermengt werden können. Bäder mit einem Nadelholzöl als Wirkstoff enthalten zudem oft Delta-3-Caren – ein natürlicher Bestandteil, aber leider auch ein starkes Allergen.

Bäder mit einem Nadelholzöl als Wirkstoff enthalten zudem oft Delta-3-Caren – ein natürlicher Bestandteil, leider auch ein starkes Allergen. Wer unter den Inhaltsstoffen Lilial entdeckt, sollte das Produkt im Regal lassen. Der Duftstoff, der oft auch in Waschpulver, Duschgels und Handcremen steckt, steht unter Verdacht, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. Ein prüfender Blick aufs Etikett ist vor dem Kauf also Pflicht; alternativ kann man Kräuteraufgüsse selbst brauen (siehe ganz unten).

Immunabwehr aktivieren

Anders sieht es bei den ätherischen Ölen (sofern diese hochwertig sind) aus. Christian Plaue, praktischer Arzt und Komplementärmediziner, sieht in der Aromatherapie, die man sich beim klassischen Erkältungsbad zunutze macht, Potenzial: "Natürlich kann ein Vollbad nicht heilen, entsprechende ätherische Öle können aber antibakteriell und krampf- und schleimlösend wirken. Durch das warme Wasser kann außerdem Fieber eingeleitet werden. Das ist besonders in der Frühphase einer Erkältung für die Infektabwehr gut, da die Immunzellen im Körper aktiviert werden."

Beide Experten betonen: Bei bereits vorhandenem Fieber, unklaren Hauterkrankungen, hohem Blutdruck, Herzschwäche oder einer bestehenden Schwangerschaft sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, bevor man ein Erkältungsbad nimmt. Auch die Temperatur des Badewassers darf nicht unterschätzt werden: Sie sollte zwischen 32 und 38 Grad Celsius liegen. "Nach dem Bad packt man sich am besten warm ein, legt sich ins Bett oder unter eine warme Decke", erklärt Plaue, "damit die Aktivierung der Immunzellen möglichst lange nachwirkt".

Statt industriell hergestellte Badeprodukte in die Wanne zu kippen, rät Kräuterexpertin Karina Reichl, diese selbst herzustellen. "Klassische Erkältungskräuter sind unter anderem Salbei und Thymian oder auch die schweißtreibenden Kräuter Mädesüß, Lindenblüten und Holler. Die enthaltenen Flavonoide besitzen unter anderem eine krankheitsvorbeugende Wirkung. Auch Kopf- und Muskelschmerzen werden dadurch gelindert. In getrockneter Form sind sie in der Apotheke oder im Reformhaus erhältlich", erklärt die diplomierte Praktikerin der Traditionellen Europäischen Heilkunde.

Für einen Aufguss werden die Kräuter aufgebrüht. "Für ein Vollbad empfehle ich, rund vier Teelöffel mit einem Liter kochenden Wasser zu übergießen, alles zehn Minuten ziehen zu lassen, abzuseihen und den Sud anschließend ins Badewasser zu geben." Wer nicht auf ätherische Öle verzichten will, muss beim Kauf auf Qualität achten. "Wenn ein ätherisches Öl zwei Euro kostet, sollte man die Finger davon lassen. Hochwertige Bio-Öle sind immer hochpreisiger."

Auch bei der Dosierung gilt es, achtsam zu sein: "Im Idealfall hält man sich genau an die Anweisung auf der Verpackung oder erkundigt sich im Zweifel beim Apotheker nach der Dosierempfehlung. Manche Öle, zum Beispiel Lavendel, können direkt auf die Haut aufgetragen werden, andere Reizungen verursachen", sagt Reichl, die ihr Wissen auf ihrem Blog "Fräulein Grün" weitergibt.

Um sie im Badewasser zu verwenden, vermischt man die Öle mit einem Emulgator, etwa Schlagobers oder Milch. Auch Mischungen mit Meersalz eignen sich gut für die Wanne.