Die Haut kann mithilfe von UVB-Strahlung aus dem Sonnenlicht Vitamin D herstellen.

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Gesund
05/10/2019

Hemmt Sonnencreme die Bildung von Vitamin D?

Sonnenschutzmittel verhindern nicht, dass das Hormon unter Einwirkung von UVB-Licht in der Haut gebildet wird.

Verhindert Sonnencreme die Bildung von Vitamin D? In diversen Studien haben Forscher diese Frage in der Vergangenheit bejaht. Neuere Erhebungen kommen zu einem differenzierteren Ergebnis.

Ohne Sonne kein Vitamin D

Unter Vitamin D wird eine Gruppe von Substanzen verstanden, die zum Großteil in der Haut unter Einwirkung von UVB-Licht gebildet werden. Im Gegensatz zu anderen Vitaminen wird Vitamin D (zu etwa 90 Prozent) mithilfe von UVB-Sonnenstrahlung über die körpereigene Synthese produziert. Genau genommen ist es also kein Vitamin, sondern ein Hormon.

Während die UVB-Strahlen der Sonne den chemischen Prozess zur Bildung von Vitamin D anstoßen, schädigt die ultraviolette Strahlung der Sonne auch die Haut und kann Krebs auslösen. Sich uneingecremt und damit ungeschützt in die Sonne zu legen, um die körpereigenen Vitamin-D-Speicher aufzufüllen, ist deshalb keine gute Idee.

Neuen Forschungen zufolge muss das auch gar nicht sein. Wissenschafter des King's College London konnten in Versuchen nachweisen, dass Sonnenschutzmittel die Vitamin-D-Produktion nicht bedeutend hemmen.

Tests auf Teneriffa

Für ihre wissenschaftlichen Tests teilten die Forscher Probanden in vier Gruppen ein. Drei von ihnen wurden auf die spanische Insel Teneriffa geschickt. Eine Kontrollgruppe mit 17 Personen verblieb derweil in Polen.

Während ihres Aufenthalts wurden 20 Teilnehmer angewiesen eine einer Sonnencreme mit breitem Wirkungsspektrum (Schutz vor UVA- und UVB-Strahlen) und Lichtschutzfaktor (LSF) 15 aufzutragen. Weitere 20 wurden gebeten, Sonnenschutz mit geringerem Wirkungsspektrum (niedrigerer UVA-Schutz) und LSF 15 zu verwenden. Die Mitglieder der beiden Gruppen wurden zudem genau angeleitet, wie die Creme korrekt aufgetragen wird, um einen bestmöglichen Schutz zu erzielen. In der dritten Gruppe schmierten die Probanden ihre eigens mitgebrachte Sonnencreme ohne genaue Anleitung auf die Haut.

Bei allen Teilnehmern wurden 24 Stunden vor und bis zu 48 Stunden nach dem Urlaub Blutproben entnommen. Die Studie ergab, dass Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 15 eine "hoch signifikante" Verbesserung des Vitamin D-Spiegels ermöglicht. Auch wenn es in einer ausreichenden Menge zur Verhinderung von Sonnenbrand auf die Haut aufgetragen wird.

Darüber hinaus ermöglichte das Breitspektrum-Sonnenschutzmittel eine höhere Vitamin-D-Synthese als ein Sonnenschutzmittel mit geringem UVA-Schutz. Die Forscher halten es für möglich, dass erstere möglicherweise etwas mehr UVB-Strahlung durchlassen.

Dermatologe Antony Young vom King's College London sagte über die Studie: "Sonnenschutzmittel können Sonnenbrand und Hautkrebs vorbeugen, aber es gab eine Menge Unsicherheit über die Auswirkungen von Sonnenschutzmitteln auf Vitamin D. Unsere Studie (…) hat gezeigt, dass Sonnenschutzmittel auch bei optimaler Anwendung zur Vorbeugung von Sonnenbrand eine hervorragende Vitamin-D-Synthese ermöglichen."

Weitere Beweise

In einer weiteren Studie wurden 75 experimentelle Studien, Feldversuche und Beobachtungsstudien analysiert, die zwischen 1970 und 2017 publiziert wurden und die Auswirkungen von Sonnenschutzmitteln auf die Vitamin D-Produktion untersuchten.

Die Conclusio der Forscher des australischen QIMR Berghofer Medical Research Institute und der Australian National University: Zwar konnte in Laborstudien mit künstlichem Licht eine hemmende Wirkung von Sonnenschutz festgestellt werden, in Feld- und Beobachtungsstudien zeigte sich dieser Zusammenhang jedoch nur in sehr geringem Ausmaß. Die Vorteile, die Sonnenschutz in Bezug auf die Prävention von Hautkrebs mit sich bringt, überwiegen also etwaige Nachteile bezüglich der Produktion von Vitamin D.