Genuss
05.07.2018

Wachauer Marillen: Warum wir der Reblaus dankbar sein müssen

Große Nachfrage: Die Saison startete so bald wie selten zuvor - dabei ist die Marillen-Tradition noch jung in der Wachau.

Fast müsste man der Reblaus dankbar sein, dass es die Wachauer Marillen überhaupt gibt. In der kurzen Saison im Juli herrscht alljährlich ein Griss um das süße Steinobst. Heuer noch früher als üblich – durch den ungewöhnlich warmen Frühling hat die Haupternte statt in der Monatsmitte bereits diese Woche begonnen. Zuletzt zeigte die Frucht noch einmal, wie empfindlich sie sein kann: Unter dem Dauerregen und teilweise Hagel der Vorwoche hat die Optik ein wenig gelitten.

Keine Niederschläge

Da die Marillen nicht gleichzeitig reifen, wird sich das ändern, sagt Franz Reisinger, Obmann des Vereins „Original Wachauer Marille“. Während der Erntezeit – etwa drei Wochen – wünsche man sich keine Niederschläge. „Noch mehr Regen wäre jetzt gar nicht gut.“ Dann werde die empfindliche Schale beschädigt, die Früchte müssen verarbeitet werden, statt sie frisch zu verkaufen. „Dann können die 230 Marillenbauern nicht jene Mengen verkaufen, die geplant waren.“

 

Wenn es um Klassiker wie Marillenkuchen, Marillenknödel oder Marillenmarmelade geht, zählen allerdings die inneren Werte. Und da punkten die Marillen des Jahres 2018 mit viel Geschmack und Aroma. „Sie sind ausgesprochen gut heuer“, sagt Reisinger.

Klosterneuburger Marille

Aber zurück zur Reblaus. Der Schädling verringerte im 19. Jahrhundert die Erträge der Weinbauern derart, dass sie andere Einnahmequellen suchen mussten. Man kam auf die neu gezüchtete Sorte „Klosterneuburger Marille“, die seither die dominante Sorte in der Wachau ist. Sie gilt als besonders geschmacks- und aromaintensiv, woran die Lage der Wachau (zwischen Waldviertel und Donauraum) und das Klima mit beträchtlichen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht Anteil haben.

Große Nachfrage

Die Nachfrage ist auch heuer schon jetzt groß. Reisinger empfiehlt, bei den Bauern direkt vorzubestellen, anstatt sich auf Verkaufsstände entlang der Straßen zu verlassen. Dort sollte man sich nicht von Trittbrettfahrern täuschen lassen, die oftmals andere Sorten verkaufen.

Erkennungsmerkmale

Woran man die echten Wachauer Marillen erkennt, erklärt Reisinger nicht nur mit Geschmack und Aroma, sondern auch am Gütesiegel. „Auf der Verpackung muss ‚Wachauer Marille‘ draufstehen, da hat man zu 99 Prozent Sicherheit.“ Die Preise bewegen sich heuer zwischen 3,50 und 4,50 Euro, je nach Größe und Qualität.

 

Empfindliche Früchte

Das Logo zeigt übrigens einen Marillenzistel, den typischen Pflückkorb. Seine trichterartige Form schont die druckempfindlichen Marillen. Apropos Pflücken: „Die Erntezeit ist sehr arbeitsintensiv. Sorgfältiges Pflücken ist aufwendig, erfordert Erfahrung und Zeit“, erzählt Reisinger. Das rechtfertige den Preis, der oft als zu hoch kritisiert wird. „Wir versuchen, kostendeckend zu arbeiten. Ich glaube, die Wachauer Marille ist das wert.“