Genuss 17.08.2017

Warum teurer Wein besser schmeckt

Trinken wir teuren Wein, belohnen wir uns. © Bild: APA/Roland Weihrauch

Laut einer aktuellen Studie beeinflussen Preisschilder bei Weinflaschen die Wahrnehmung: Der gleiche Wein schmeckte Versuchsteilnehmern besser, wenn er mit einem höheren Preis ausgezeichnet war.

Teurer Wein schmeckt uns besser – aber nicht wegen des exklusiven Geschmackserlebnisses, sondern wegen des höheren Preises. Schon bisher war das Phänomen bekannt, dass identische Produkte wegen unterschiedlicher Preise anders wahrgenommen werden. Der sogenannte "Marketing-Placebo-Effekt" entfaltet wie bei einem Scheinmedikament seine Wirkung alleine durch zugeschriebene Eigenschaften – frei nach dem Motto "Qualität hat ihren Preis!".

"Allerdings war bisher unklar, wie im Gehirn die Preisinformation letztlich dazu führt, dass teurer Wein auch als besser schmeckend wahrgenommen wird", sagt Bernd Weber, Geschäftsführender Direktor des Center for Economics and Neuroscience (CENs) der Universität Bonn. In Kooperation mit der Insead-Business-School fand die Uni Bonn in einer Studie heraus, dass das Belohnungszentrum im Gehirn eine positive Geschmackswahrnehmung verstärkt. Bei diesem Prozess sind insbesondere das Frontalhirn und das ventrale Striatum beteiligt. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Scientific Reports veröffentlicht.

Liegend Wein trinken im Kernspintomografen

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Produktionsrückgang in Italien, aber Rekordhoch. © Bild: Visions-AD/Fotolia
Die Wissenschafter wollten mithilfe eines Kernspintomografen herausfinden, wie unterschiedliche Preise im Gehirn in entsprechende Geschmackserfahrungen übersetzt werden. Die Experimente wurden am Hirnscanner des Life & Brain Zentrums an der Universität Bonn durchgeführt. Dafür mussten 30 Studienteilnehmer, davon 15 Frauen und 15 Männer im Durchschnittsalter von rund 30 Jahren aus, liegen Wein verkosten.

Zunächst wurde der Preis des Weines eingeblendet, dann wurde ein Milliliter über einen Schlauch in den Mund der Versuchsteilnehmer zugeführt. Die Teilnehmer bestimmten daraufhin, wie gut ihnen der Wein geschmeckt hat. Anschließend wurde der Mund mit einer neutralen Flüssigkeit gespült und der nächste Wein verkostet.

Die Forscher wählten eine Flasche Rotwein aus, die im französischen Handel rund zwölf Euro kostet. Den Probanden wurde im Kernspintomografen zufällige Kosten in der Höhe von drei, sechs und 18 Euro eingeblendet. Wie bei einem Einkauf in einem Supermarkt bekamen die Teilnehmer ein Startguthaben von 45 Euro – pro Verkostung wurde dieser Betrag in manchen Versuchsabläufen von dem fiktiven Konto abgebucht.

Mit teurem Wein belohnen wir uns selbst

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rotwein einschenken © Bild: contrastwerkstatt - Fotolia/Contrastwerkstatt/Fotolia
"Wie erwartet gaben die Probanden an, dass der Wein mit dem höheren Preis besser schmeckt als ein scheinbar günstigerer", berichtet Hilke Plassmann von der Insead-Business-School. "Jedoch spielte es keine Rolle, ob die Testpersonen den Wein auch bezahlen mussten oder ob sie ihn umsonst bekamen." Identischer Wein führe zu einem besseren geschmacklichen Erlebnis, wenn damit preisbedingt eine höhere Erwartung verbunden ist.

Im Kernspintomografen zeigte sich, dass bei höheren Preisen das Frontalhirn und auch das ventrale Striatum stärker aktiviert wurden. Während das Frontalhirn insbesondere am Preisvergleich und damit an der Erwartung beteiligt zu sein scheint, ist das ventrale Striatum Teil des Belohnungs- und Motivationssystems. Bernd Weber: "Das Belohnungssystem wird bei höheren Preisen deutlich stärker aktiviert und verstärkt auf diese Weise offenbar das Geschmackserlebnis."

( kurier.at , kaa ) Erstellt am 17.08.2017