Genuss
12.06.2017

Kein Personal: Schillinger muss in Großmugl zusperren

Jahrelang galt es als vegane Institution, doch jetzt hat Gastronom Karl Schillinger sein Gasthaus geschlossen. Grund: Der Wirt findet kein Personal, das am Wochenende und am Abend am Land arbeiten will.

Das kleine Großmugl ist eine idyllische Gemeinde mit rund 1500 Einwohnern im Bezirk Korneuburg – über die A22 nur 40 Minuten von Wien entfernt. Und trotzdem wollen hier Köche und Servicemitarbeiter nicht arbeiten: Der vegane Gastronom Karl Schillinger muss sein Wirtshaus zusperren, elf Mitarbeiter (davon zwei Vollzeitarbeitskräfte) sind bereits gekündigt. Der Grund liegt freilich nicht darin, dass sich der ehemalige Chef-Analyst einer amerikanischen Großbank verspekuliert hat oder dass das vegane Konzept doch nicht mehr zieht: Schillinger findet kein Personal, erfahrene Köche oder Geschäftsleiter würden lieber in der nahen Hauptstadt arbeiten, erzählt er im Interview mit dem KURIER.

"Durch die Expansion von derSwing Kitchenin Wien und Berlin, war uns das Führen des Gasthauses einfach nicht mehr möglich. Meine Frau und ich mussten uns entscheiden. Wir kochen in Großmugl täglich frisch, aber die Qualität hätten wir ohne Aufstocken des Personals nicht halten können."

Zwei erfahrene Köche und einen Geschäftsleiter, der das Service im Überblick hat, hätte das vegan lebende Ehepaar gesucht, aber: "Wir bezahlen weit über dem Kollektivvertrag, dennoch will am Wochenende und am Abend niemand am Land arbeiten."

Der Wirt in elfter Generation ist jetzt zwar kein Wirt mehr, aber am Konzept rund um dasvegane Gansl und die vegane Weihnachtsentewill er dennoch festhalten: "Ein veganes Gasthaus wäre in Wien sicher realisierbar. Und hier finden wir auch genügend Personal."
Allein für seineSwing-Kitchen-Filialen – eine Schnell-Restaurantkette für fleischlose Burger – hat er 140 Bewerber in der Warteschlange. Aber hätte er diese Bewerber nicht in Niederösterreich anheuern können? "Wir haben gefragt, aber die jungen Bewerber wollen nicht aufs Land. Abgesehen davon weiß ich aus den Bewerbungsunterlagen, dass die Hälfte nicht mobil ist: entweder haben sie kein Auto oder keinen Führerschein."
Nach 200 Jahren müssen die Großmugler mit nur einem Wirtshaus auskommen. Bürgermeister Karl Lehner im Interview mit denNiederösterreichischen Nachrichten: "Ich muss Schillingers Entscheidung natürlich respektieren und kann nur hoffen, dass es vielleicht einen Nachfolgebetreiber geben wird."