Genuss
28.06.2017

Kern und die Zwetschken: Die Renaissance von Powidl

Das Innenleben von Golatschen und Germknödel steht plötzlich im Mittelpunkt der innenpolitischen Auseinandersetzung. Eine kulinarische Replik auf Kerns Powidl-Sager.

Nein, Zwetschken-Zeit ist noch lange nicht, dafür hat der Wahlkampf längst begonnen. Sprachwissenschafter analysieren bereits den Wortschatz des Bundeskanzlers und dessen neuem Faible für Vokabeln der österreichischen Sprache. "Die FPÖ ist mir powidl" könnte also der Satz des Jahres werden – und das blaue Fruchtmus erreicht dadurch eine unerwartete Renaissance. Übrigens wird dieses aus Zwetschken gewonnen, die ihre Hochzeit zwischen Juli und September haben.

Warum die blauen Früchtchen so gerne zum Backen verwendet werden, ist leicht erklärt: Sie behalten auch bei hohen Temperaturen ihre Form und eine relative Festigkeit – aus diesem Grund gehört der Zwetschkenfleck zu den Klassikern der österreichischen Mehlspeis-Küche. Zudem sind die Früchte keinesfalls empfindlich, sie lassen sich bis zu acht Wochen im Kühlschrank lagern.

Kommen wir nun zum Powidl. Falls es tatsächlich Österreicher gibt, die mit diesem Begriff nichts anfangen können: Es handelt sich hierbei um die Füllung von Germknödel. Für alle, die noch immer keine Ahnung haben, Powidl ist ein Zwetschkenmus.

Das Herstellen von Powidl war ein Kraftakt

Der Unterschied zur Marmelade: Früher entstand Powidl als Gemeinschaftsarbeit ohne Zugabe von Zucker und Geliermittel nur durch Einkochen von Zwetschken – die zähflüssige, klebrige Masse wurde also sehr viel gerührt. Heutzutage stellen österreichische Marmeladehersteller die Masse aus frischen Früchten her, in der böhmischen Küche dienten früher hingegen gut eingelagerte Dörrzwetschken in den kalten Wintermonaten als Basis.

Das österreichische Lebensmittelbuch definiert Powidl wie folgt: "Ein aus frischen oder gedörrten Zwetschken hergestelltes passiertes, eingedicktes Produkt". Die Trockensubstanz für Powidl beträgt mindestens 53 Prozent, für gezuckerten Powidl mindestens 58 Prozent im Fertigprodukt. Der Anteil an zugesetztem Zucker im Fertigprodukt darf maximal 300 g im Kilogramm betragen.

Das beliebte Zwetschkenmus braucht man unter anderem für Golatschen, Powidltascherl oder Buchteln.

9 Fakten über die blauen Früchtchen

10 Fakten über die Zwetschke

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Pflaumentag 2013

Schlehe

Zwetschgenernte in Bühl

"Stanzer Zwetschken"

Echte pflaume

Kühlschrank