Genuss
24.06.2017

Der beste Sommerwein unter 10 Euro

Harte Challenge: Gault&Millau sowie die Sommeliers René Antrag und Stefan Kapeller kürten den besten Sommerwein unter 10 Euro.

Eine Herausforderung. Eine Denkaufgabe. Petra Bader legte ihre Stirn angesichts des Übungsstücks in tiefe Falten: "Wenn ich an einen Sommerwein denke, dann habe ich viele grandiose Tropfen im Kopf, aber jeder von ihnen kostet mehr als 10 Euro."

Die Gault& Millau-Weinguide-Chefredakteurin tat ihr Bestes und suchte österreichweit nach hochwertigen Tropfen für den anspruchsvollen Gaumen zu einem Spitzenpreis. Gemeinsam mit Martina und Karl Hohenlohe und den Sommeliers René Antrag ("Steirereck") und Stefan Kapeller (Del Fabro Wein) verkostete sie sechs Weiße, zwei Rote und zwei Roséweine, die alle unter 10 Euro zu haben sind. Anders als bei professionsmäßigen Verkostungen durften die Weine ausgiebig verkostet werden – sprich, es wurde geschluckt. Neun der ausgewählten Weine stammen von Bio-Weingütern, zehn Rebsorten schafften es in die Auswahl.

Am besten mundete der Welschriesling Rechnitz vom Weingut Straka im Südburgenland – Kosten: wohlfeile 9,50 Euro. Als wäre es inszeniert eroberte ein Roter den zweiten Platz, nämlich die Cuvée Pustza Libre von Claus Preisinger am Neusiedler See. Das dritte Stockerl holte sich der Cabernet Sauvignon Rosé von Johannes Zillinger im Weinviertel.

Im Sommer darf der Wein direkt aus dem Kühlschrank kommen

Das waren die Fakten, nun zum Trinkvergnügen: Es spricht laut der Wein-Expertin überhaupt nichts dagegen, Wein im Sommer zu spritzen: "Wein wird immer intensiver, wenn man ihn mit Kohlensäure spritzt: Ein bisschen Kohlensäure braucht er sogar." Passt ein leichter Wein besser zu Sonnenschein und Hitzewelle? "Das würde ich nicht sagen: Ein Sommerwein darf komplex sein und eine Aromenvielfalt aufweisen, nur leider hat dieser dann seinen Preis", meint Antrag.

Über die passende Temperatur brauchen wir uns übrigens nicht den Kopf zerbrechen. Kapeller: "Generell wird Rotwein meist zu warm getrunken, doch dann verschwindet seine Frucht. Direkt aus dem Kühlschrank hat Wein an einem heißen Tag genau die richtige Temperatur, wärmer wird er sowieso."

Das sind die besten Sommerweine unter 10 Euro

Das sind die besten Sommerweine

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1. Der Sieger: 2016 Welschriesling Rechnitz, Straka, Südburgenland, 9,50 Euro Zuerst "zurückhaltend", dann Nuancen von Kräutern und Zitrus. Er trumpft mit schöner Frische auf, die Mineralität zieht sich am Gaumen weiter. Fazit: "Der charakterstarke Wein sprüht vor Lebensfreude."

2. Die Sommerröte: 2016 Cuvée rot Pustza Libre, Claus Preisinger, Neusiedler See, 9,30 Euro Der "würzig-erdige" Rotwein duftet nach "dunklen Beeren" und wirkt animierend. Fazit: "Ein Paradebeispiel für einen roten Sommerwein – mit der richtigen Temperatur auf der Terrasse serviert ist er ein Hammer."

3. Der Interessante: 2016 Cabernet Sauvignon Rosé, Johannes Zillinger, Weinviertel, 8,50 Euro Durch die Nase strömt der Duft von "reifen Erdbeeren und Sauerkirsche". Salzigkeit gibt ihm das gewisse Extra. Fazit: "Ein interessanter Typ, mit dem sich gut ein Sommerabend verbringen lässt."

3. Der Starke: 2016 Gemischter Satz rot, Arndorfer, Kamptal, 10 Euro Die Nase durchströmen ein animalischer Duft, Schwarzbrotnoten und "dunkles Beerenconfit". Am Gaumen präsentiert er sich sehr fleischig und fordernd. Fazit: "Ein Statement-Sommerrotwein, der auch zu Fleisch passt."

5. Der Stimmige: 2016 Gelber Muskateller Hagelsberg, Hans Pitnauer, Carnuntum, 8,50 Euro Ein "intensiver, verspielter Duft" von Cassis, Muskat, Litschi und Nelke. Gute Säure am Gaumen, die nicht aufdringlich ist. Fazit: "Dieser lebendige Wein nimmt den Trinkenden gleich gefangen und ist stimmig von A bis Z."

6. Der Lebendige: 2016 Gemischter Satz weiß Stierwoscha, Zöller, Kremstal, 7 Euro Der "feine, würzige" Weißwein überzeugt mit fleischiger Textur und einer Bitterkeit, die für Trinkfluss sorgt. Im Glas duftet er nach Birne und Melone. Fazit: "Ein hervorragendes Beispiel für Leichtigkeit bei gleichzeitiger Komplexität."

7. Der Frische: 2016 Scheurebe, Brolli Arkadenhof, Südsteiermark, 8 Euro Ein "saftiger", "charmanter" und "unkomplizierter Vertreter", der sich nicht aufdringlich präsentiert. Er duftet floral und nach einem "Obstkorb", am Gaumen leicht exotische Noten. Fazit: "Typischer frischer Sommerwein" mit feiner Säure."

7. Der Elegante: 2016 Rosé Cuveé, Christian Mrozowski, Weinviertel, 8,50 Euro Feine Beeren- und Ribiselnoten lassen den Wein "elegant" wirken, die "lebendige Säure wirkt ansprechend". Fazit: "Ein angenehmer Vertreter für Rosé, der sich leicht trinken lässt, dem aber etwas Spannung fehlt."

9. Der Verhaltene: 2016 Frühroter Veltliner Diebnest, Weingut Martin Diwald, Wagram, 8,90 Euro Feine Kräuterwürze und leichte Apfelnoten wirken animierend, allerdings fehlt dem Weißwein trotz Frische etwas Spannung und Säure am Gaumen. Fazit: "Ein ruhiger Sommerwein, der verhalten am Gaumen wirkt."

10. Der Allrounder: 2016 Sauvignon Blanc Wolfsbach, Sommer, Leithaberg 8,90 Euro Der Weißwein punktet mit seinem "klaren Duft von Gras, Zitrus, Hollerblüten und etwas Ananas". Fazit: "Seine lebendige Säure machen ihn zu einem ansprechenden, ausgewogenen Sommerwein."