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Genuss
09/08/2019

Warum jetzt alle auf Aroniabeere stehen

Die herb-säuerlich schmeckenden Beeren erobern das Herz heimischer Schnapsbrenner.

von Anita Kattinger

Sie kommt aus Russland, stellt kaum Ansprüche und ist hart im Nehmen. Allerdings stößt ihr säuerlicher-herber Charakter nicht immer auf Gegenliebe. Dennochist gehört das Jahrzehnt der Aroniabeere, auch Apfelbeere genannt.

Ihr Geschmack lässt sich durchaus als eine Mischung von unreifen Äpfeln und Heidelbeeren beschreiben. Um die Jahrtausendwende experimentierten einige steirische Landwirte mit dem Anbau der Pflanze, die sich in Österreich außerordentlich wohl fühlt und Temperaturen bis zu minus 35 Grad standhält.

Einzig mit Staunässe kann das im Durchmesser zwei Meter große Familienmitglied der Rosengewächse nicht gut umgehen.

Elitärer Genuss

Nicht nur Hobby-Gärtner entdecken die erntesicheren dunkel violetten Beeren für sich – auch die heimischen Schnapsbrenner zeigen sich von den ganz speziellen Aromen angetan.

Doris und Josef Farthofer von der gleichnamigen Destillerie in Öhling (Mostviertel) baut seit rund drei Jahren die Apfelbeeren an: "Die herben Nuancen durch die Gerbstoffe ähneln jenen von Mostbirnen – das liegt uns. Da in der heutigen Zeit alles so süß ist, gefallen uns die fruchtig-sauren Komponenten", so Doris Farthofer.

Neben einem Schnaps produziert das Ehepaar ebenso einen Gin, der mit Aroniabeeren angesetzt wurde, für den Lebensmittelhandel. "Es handelt sich um einen sehr elitären Brand für Liebhaber, denn die Ernte und die Produktion der kleinen Beeren ist sehr aufwendig. Pro Beere sprechen wir von einer Ausbeute von 0,5 Prozent."

Seit 100 Jahren ist die Aroniabeere in Europa beheimatet. Die robuste und pflegeleichte Pflanze hält Trockenheit und Temperaturen bis zu minus 35 Grad aus: Im Garten ist sie wegen ihrer weißen Blütenpracht hübsch anzusehen. Sie gehört wie der Apfel zur Familie der Rosengewächse.

Auch Konkurrent Reisetbauer – die Destillerie im oberösterreichischen Axberg feiert dieser Tage ihr 25-jähriges Firmenjubiläum – hat die Superfrucht für sich entdeckt: "Als der oberösterreichische Aroniagut-Bauer Gottfried Strasser mir von den gesundheitlichen Vorzügen des Safts erzählt hat, war ich von der spannenden Frucht sofort fasziniert. Trotz des hohen Vitamin-C-Gehalts ist sie im Vergleich zu anderen Vitaminbomben noch weitgehend unbekannt bei uns", erzählt Hans Reisetbauer Senior.

Insbesondere der Gehalt an Carotinoiden ist im Vergleich zu anderen Beeren sehr hoch. Ebenso der Anteil an phenolischen Verbindungen, die eine gefäßverstärkende oder entzündungshemmende Wirkung haben können.

Der Schnapsbrenner darf sich über eine tagfrische Ernte aus Oberösterreich freuen, die er rasch weiterverarbeitet. "Der Brand bekommt durch die Marzipannote, ähnlich wie bei der Vogelbeere, eine Länge und gewissen Würze. Anders als bei der Vogelbeere kommen keine rauchigen und erdigen Nuancen durch. Sie ist eine besonders elegante Beere."

Bei all diesen Jubel-Meldungen weiß Farthofer dennoch von einem Nachteil zu berichten: "Auch die Rehe fressen mit besonders großer Freude unsere Sträucher ab und es ist gar so nicht leicht, sie davon abzuhalten."

1,2 l Aroniasaft
500 g Gelierzucker 3:1
Saft einer halben Zitrone

Den Saft mit Gelierzucker und Zitronensaft unter ständigem Umrühren zum Kochen bringen.
Nach einigen Minuten die heiße Masse in ein sauberes Schraubglas
umfüllen und gut verschließen. Da das Gelee nachdickt, sollte das Glas nicht bis zum Rand gefüllt werden.
Der Aufstrich schmeckt gut zum Frühstück oder als Dessert zum Käse.