Genuss
05.05.2017

Der Traum von der eigenen Brauerei

Noch nie gab es so viele Mikrobrauereien in Österreich – und dennoch bleibt Craft Beer eine Nische.

Eigentlich wollten Jörg Gartler und seine Partnerin Kahtrin Ehrlebach den alten Bauernhof in Schalladorf im Weinviertel nur als Zweitwohnsitz herrichten. Doch dann hat das Hobby-Brauen in ihrer kleinen Küche immer mehr Spaß gemacht und es musste eine Entscheidung gefällt werden, was aus den renovierungsbedürftigen Stallungen hinter dem Bauernhaus passieren sollte: "Eine Doppel-Garage haben wir nicht gebraucht, also haben wir ein Brauhaus errichtet", erzählt Biotechnologe Gartler, der seit Dezember hauptberuflich unter der Marke "Brauküche 35" Spezialitätenbier – sogenanntes Craft Beer – braut. "Ziel ist, dass unsere Marke ein funktionierender Familienbetrieb wird, von dem auch meine Partnerin und mein Bruder leben können."

Abseits des Mainstreams

Biermanufakturen wie die "Brauküche 35", die"Rodauner Biermanufaktur"oder"Loncium" repräsentieren die neue Bierkultur in Österreich: Am Freitag und Samstag können sich Gourmets durch Spezialitätenbier von mehr als 90 Brauereien auf dem Craft Beer-Fest in Wien durchkosten: "Eine einheitliche Definition von Craft Beer gibt es nicht. Ich würde sagen, es handelt sich um Bier von Brauern, die sich nicht dem Massengeschmack anpassen wollen und eine Sortenvielfalt anbieten. Die neue Generation verwendet andere, meist teurere Rohstoffe und achtet nicht auf den Preis", so Johannes Grohs.

Der Diplom-Bier-Sommelier gründete 2015 seine Biermarke "Next Level Brewing" und betreibt das einzige Geschäft in Wien, wo Rohstoffe sowie Equipment zum Selberbrauen angeboten werden. Denn die Zahl von Hobbybrauern und Mikrobrauereien nimmt in Österreich rasant zu, wie Zahlen des Brauereiverbands belegen. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Anzahl der Braustätten, die unter 20.000 Hektoliter im Jahr produzieren, beinahe verdreifacht – von 74 auf 202 Kleinstbrauereien. Dennoch beherrschen die acht größten Brauereien (über 500.000 Hektoliter/Jahr) den Markt, die Mikrobrauereien sind nur für 1,2 Prozent der Inlandsproduktion verantwortlich. Im Vergleich zum weltweiten Boom würde die Szene in Österreich jedoch langsam wachsen, stellt Grohs fest.

Wenn es in der Küche brodelt

Wie alle Quereinsteiger begann auch er in der eigenen Küche zu experimentieren: "Wer einen großen Kochtopf hat, kann schon erste Erfahrungen sammeln: Ein kleines Starter-Set für einen vier Liter großen Brausud kostet rund 70 Euro. Wer in großem Stil einsteigen will, braucht mehr Platz, als eine Herdplatte bietet, und muss auf beheizbare Gefäße setzen." Mittlerweile lässt der Wiener seine Rezepturen in großen Brauereien unter seinem eigenen Label herstellen: Vergangenes Jahr ließ er 300 Hektoliter abfüllen. Sein kleines Arbeitszimmer dient noch heute als Hopfen-Vorratskammer.

Info: Craft Beer Fest, Karl-Farkas-Halle 19, 1030 Wien, 5. und 6. Mai von 15 bis 23 Uhr, Tagesticket 8 Euro, 2-Tagesticket 14 Euro

So werden Sie Heimbrauer

Solange für den Eigenverbrauch produziert wird, dürfen Heimbrauer zu Hause so viel Bier brauen, wie sie wollen.

Erst wenn das Bier verkauft wird, greift das Biersteuergesetz. Dieses sieht für Mengen unter 50.000 Hektoliter/Jahr ermäßigte Steuersätze vor.

Wer zu Hause experimentieren will, braucht keine Angst haben: Durch den Kochvorgang können Bakterien nicht überleben. Im schlimmsten Fall schmeckt das Bier unerwünscht sauer.

Kleine Starter-Sets gibt es um rund 70 Euro im Fachhandel. Interessierte können sich im Rahmen des Craft Beer-Fests mit heimischen Brauern austauschen.