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Sex-Kolumne
11/21/2019

Was tun, wenn im Koffer der Vibrator brummt?

Ein surrender Vibrator im Gepäckstück: Das gilt als Albtraumszenario aller Menschen, die auch auf Reisen nicht auf ihr intimes Vergnügen verzichten möchten.

von Gabriele Kuhn

Vor kurzem im Wiener Konzerthaus so: Ein Gast geht zur Garderobe und gibt seinen Koffer ab. Etwas später hören die Garderoben-Mitarbeiter, wie es darin seltsam vibriert. Verdächtig. Die Polizei wird alarmiert, der Koffer mit einem speziellen Gerät untersucht. Entwarnung: „Der Vibrator war’s!“. Gepäckstück samt Freudenspender werden nach dem Hörgenuss an die Besitzer (ein Mann, eine Frau) übergeben. Die Beamten wünschen „noch einen schönen Abend“.

Herrliche Story, zumindest aus Sicht der Leser. Aus Sicht der Kofferbesitzer weniger. Welch pikante Situation: Da kommt man, von klassischen Klängen inspiriert, an die Garderobe und sieht aufgeregte Menschen. Sagt einer: „Grüß Sie, wir wissen, was in Ihrem Koffer ist.“ Ein Albtraum, außer aber man ist so locker und erwidert: „Super. Und war’s eh lustig?“ Doch sonst: eine blöde G’schicht.

Dass man etwa die Putzfrau dabei ertappt, wie sie das einschlägige Modell, das irgendwie nach Hightech-Küchengerät ausschaut, aber irgendwie auch nicht, hochinteressiert in der Hand hält.

Das erinnert mich an Freundin G, die auf Reisen stets ihren zweiten Begleiter mitschleppt, Motto: „Nicht ohne meinen Vibsi!“. Bei ihr ging das Brummen eines Tages bereits bei der Taxifahrt zum Flughafen los, worauf ihr Partner fragte, was das bitte sei. Nun kam sie in Erklärungsnotstand, denn den Freudenspender nahm sie stets als „Geheimwaffe“ mit, um sich mit sich selbst zu vergnügen, während sich ihr Sportfanatiker beim Beachvolleyball oder im Surfkurs aktiv betätigt.

Seitdem baut sie das Gerät vorsichtshalber komplett auseinander, damit sich’s nicht mehr verselbstständigt. Bei einer anderen Freundin surrte es just bei der Gepäckkontrolle am Flughafen – noch heute erzählt sie wirren Blickes, wie gern sie sich damals entmaterialisiert hätte. Weil sie wusste, welch dickes Ding da, eingewickelt in vier Slips, versteckt war und sie sich im Geiste vorstellte, wie das Kontrollpersonal den giftgrünen Wunderknaben auspacken würde – vor 123 anderen Fluggästen. Sie hatte Glück: Es war nur die elektrische Zahnbürste – und die lag ganz oben im Koffer.

Was bei all diesen Anekdoten auffällt: Viele Frauen besitzen einen Vibrator, aber auf gewisse Weise ist der immer noch tabu. Okay, im Freundinnenkreis wird dazu gerne geplaudert, das Sex-Toy hat längst nicht mehr den Nimbus des Abgründigen. Dennoch gilt: Gut, dass es ihn gibt – von ihm wissen sollten trotzdem nur wenige. Mit dem Vibrator sind daher einige geistige Szenarien verknüpft, die so niemand erleben möchte. Dass man etwa die Putzfrau dabei ertappt, wie sie das einschlägige Modell, das irgendwie nach Hightech-Küchengerät ausschaut, aber irgendwie auch nicht, hochinteressiert in der Hand hält. Oder die Kinder verbotenerweise in der Schlafzimmerlade kramen, dieses pinke dreischwänzige Ding entdecken und es der Oma bringen, die gerade babysittet.

Ein interessanter Gedanke zu diesem Thema erreichte mich vor zwei Jahren per Mail. Darin schrieb mir eine Leserin, dass sie manchmal daran denkt, wie es ist, wenn sie stirbt und ihre erwachsenen Kinder die gut bestückte Sextoy-Sammlung im Schlafzimmer entdecken würden – und entsorgen müssten! Ich erinnere mich, dass ich – nach längerem Grübeln – Folgendes geantwortet habe: „Liebe Frau X. Entspannen Sie sich, es ist dann nämlich nicht mehr Ihr Problem. Bis dahin haben sie Spaß und erfreuen sich Ihres Lebens.“

Verordneter Höhepunkt. Übrigens wurde der Vibrator einst als Heilmittel gegen „Hysterie“ erfunden, das  von Ärzten zur Herbeiführung des Orgasmus eingesetzt wurde. Hysterie galt lange als sexuelle Funktionsstörung aufgrund irrtümlicher Annahmen der weiblichen Anatomie. Die „Masturbationstherapie“ wurde bereits zu Zeiten Hippokrates’ als durchaus übliche medizinische Behandlung angewandt.

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