Sonnenuntergang im Wadi Rum

© Ingrid Steiner-Gashi

freizeit Reise
01/19/2020

Jordanien: Viel mehr als das Wunder Petra

Das kleine haschemitische Königreich Jordanien hat Großes zu bieten: Spektakuläre Geschichtsstätten, das Tote Meer und die Wüste. Viele Momente, in denen einem der Atem stockt.

von Ingrid Steiner-Gashi

Wenn man den Kopf aus dem Zelt in die kalte Morgenluft der Wüste streckt. Wenn sie direkt vor einem in die Höhe schießen, die rotbraunen, sonnenbeschienen Felsen des Wadi Rum – dann ist das einer dieser Momente, die bei einer Jordanien-Rundreise immer wiederkehren.

Unter den vielen Wadis, den trockenen Flusstälern im Südwesten des haschemitischen Königreichs, ist das Wadi Rum das atemberaubendste. Wer eine der wuchtigen Sandsteinformationen erklimmt, kann sie fühlen, die Schönheit und die Unfassbarkeit der Wüste. Reiseführer Kifah muss nichts mehr sagen. Als die Sonne nach einem Tag im Wadi hinter den bizarren Felsgruppen versinkt, schweigt unsere kleine Gruppe ergriffen.

Um die Wüste Jordaniens zu erleben, muss man sich glücklicherweise nicht mehr auf ein Kamel schwingen. Pickups stehen bereit. Beduinen, deren Väter noch als Nomaden durch das Wadi zogen, chauffieren heute die Touristen. Und auch die Zelte im Wüstencamp gleichen mehr Häusern – mit Warmwasserdusche, Strom- und Internetanschluss. Beduinenfeeling mit der Wohlfühlgarantie der Zivilisation. Aber: „Noch immer leben Nomadenfamilien hier“, erzählt Kifah und rühmt die Gastfreundschaft der Beduinen. „Wenn du ihnen in die Arme läufst, bist du einer von ihnen. Dreieinhalb Tage lang fragt dich niemand, woher du kommst oder wie du heißt. Erst danach.“

Vor einigen Tausend Jahren haben ihre Vorfahren hier Zeichnungen in einen Felsen geritzt. Die Kamelkolonnen darauf lassen sich deutlich erkennen. Wer touristische Sammelpunkte wie diese meidet, kann sie weitgehend ungestört genießen, die Einsamkeit der Wüste.

Knapp zwei Autostunden entfernt, ist Schluss mit Stille – an der weltberühmten Felsenstadt Petra. Mehr als eine Million Besucher waren im Vorjahr da, so viele wie nie zuvor. Der ehemalige Hauptsitz der Nabatäer ist über 2.000 Jahre alt. Heute ist er Unesco-Weltkulturerbe. Jeder kennt die Bilder der weltberühmten Ruinenstadt, und fast jeder hat „Indiana Jones“ im Film durch Petra reiten sehen.

Und doch stockt einem beim Anblick der in Stein gemeißelten Wunder erneut der Atem. Es ist wieder einer dieser Momente.

Schatzhaus ohne Schatz

Mehr als einen Kilometer lang wandern, manchmal stauen sich die Besucher durch eine gewundene Schlucht, ehe urplötzlich die gewaltige Fassade des „Schatzhauses“ auftaucht. Überwältigend schön. Fast vierzig Meter hoch ragt das mit Säulen geschmückte, in die Felsen gehauene Grabmal auf. „Einen Schatz hat es übrigens nie beherbergt“, erklärt Reiseleiter Kifah. Den Namen erhielt das Gebäude von jenen Grabräubern oder Beduinen, die Jahrhunderte nach dem Untergang der antiken Handelsmetropole Schätze in den Prachtbauten Petras vermutet hatten. Mehrere Tage könnte ein Besucher das Gelände der Ruinenstadt durchforsten, Tausende Grabhöhlen besichtigen, ausgeklügelte Wasserleitungssysteme bewundern und unzählige Steinstufen erklimmen. Und noch immer hätte man nicht alles gesehen.

Wer Jordaniens reiche Geschichte einmal Geschichte sein lassen will, kann sich bei einem salzhaltigen Bad im Toten Meer entspannen. Das Meer, das eigentlich ein enormer Salzsee ist, liegt 422 Meter unter dem Meeresspiegel. Sein Ufer ist die tiefste Stelle der Erde, die nicht von Wasser oder Eis bedeckt ist.

Sicherheitshalber steht ein Badewärter mit einer großen Wasserflasche am Ufer. Denn immer wieder hört man einen Unglücksraben schreien, der Salzwasser ins Auge bekommen hat. Das brennt minutenlang höllisch, doch die Retter mit dem klaren Nass sind schnell zur Stelle. Die Haut aber dankt es, sich im berühmten Wasser oder dem schwarzen Schlamm des Toten Meeres zu aalen.

Vom Toten zum Roten Meer

Ausgiebig baden und tauchen lässt es sich hingegen in Aqaba am Roten Meer. Dass der Wüstenstaat Jordanien überhaupt Zugang zum Meer erhielt, geht auf einen Gebietstausch mit Saudi-Arabien zurück. Einen 27 Kilometer langen, derzeit noch wenig bebauten Küstenstreifen besitzt das Königreich nun – doch das wird sich ändern. Wenn Petra die Tourismusperle für Jordaniens Vergangenheit ist, soll Aqaba das Juwel der Zukunft werden. Gewaltige Hotelprojekte sind in Planung. Schon träumen Investoren von einem jordanischen „Sharm el-Sheik“.

Zurück zur Geschichte – denn die spürt man im arabischen Jordanien überall, auch christliche. Etwa in der Ruine der Kreuzritterburg Shoubak. Zwei Belagerungen hatte die Burg überstanden, dann eroberte Saladin die Festung. Damals im 12. Jahrhundert wurde die Umgebung der Burg als „fruchtbares Land“ beschrieben. Heute ruhen die steinernen Ruinen auf einem kahlen Bergkegel. Noch lange vor den Kreuzrittern hatten sich christliche Pilger hierher aufgemacht. Es müssen viele gewesen sein. So viele, dass man in der Stadt Madaba eine riesige Landkarte Palästinas als Mosaik anfertigen ließ. In Teilen blieb sie erhalten – sie ist in der Georgskirche zu bestaunen.

Noch viel, viel früher soll dort ganz in der Nähe auch schon Moses gestanden sein. Auf dem achthundert Meter hohen Berg Nebo soll Gott ihm den Blick auf das Gelobte Land Kanaan eröffnet haben. Doch laut Altem Testament verhieß Gott, dass Moses hier sterben würde. Wer heute von Nebo aus auf das fantastische Panorama des Jordantals blickt, kann Jericho sehen, an manchen Tagen sogar Jerusalem. Nach Israel zu fahren, ist von hier aus leicht möglich. Vor 25 Jahren haben Israel und Jordanien einen Friedensvertrag geschlossen.Umrundet von seiner unruhigen Nachbarschaft erwies sich Jordanien dennoch als Hort der Stabilität.

Der Arabische Frühling und der Krieg in Syrien bescherten dem Königreich sehr magere Jahre, der Tourismus brach um die Hälfte ein. Zuletzt hat sich der Wind wieder gedreht. Seit zwei Jahren steigt die Zahl der Reisenden wieder. Und nun hofft man, dass auch die Touristen verstehen: Die Kriege und Krisen der Nachbarländer haben Urlauber in Jordanien bisher noch nie beeinträchtigt.

Anreise Linienflug Wien–Amman– Wien mit Royal Jordanian (rj.com). Die Kosten der CO2-Kompensation betragen via climateaustria.at 12,07 €. Beste Reisezeit ist Ende September bis Mai

Pauschalangebot Raiffeisen Reisen bietet eine achttägige Rundreise ab Amman: inkl. Flug, Essen, Nächtigungen, Besichtigungen  im DZ ab 1.395 Euro/Person. Erster Termin 2020: 31.1. – 7.2., dann 10.–17.4.  und noch zehn weitere Termine 2020

Buchung Tel.: 0800/665574, info@raiffeisen-reisen.at

Unbedingt probieren! Beduinenkaffe – pechschwarz und mit Kardamom

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