Walrosse, Robben und Vögel bewohnen diese lebensfeindliche Region. Expeditionskreuzfahrten sind nur
im Hochsommer möglich.

© Sepp Puchinger

freizeit Reise
01/16/2020

Der Kaiser war nie in der Arktis, trotzdem findet man ihn dort

Nur sehr selten besucht und schwer erreichbar: Franz-Josef-Land. Der geheimnisvolle Archipel knapp am 82. Grad ist einer der wichtigsten Plätze in der Polargeschichte, Eisbären und Walrosse fühlen sich hier wohl.

Kapitän Oleg Tikhvinsky orakelt während der Begrüßung an Bord: „Hier erlebt ihr arktische Wildnis pur. Packeis, treibende Eisberge, Wetter und Eisbären bei Anlandungen sind große Herausforderungen bei dieser Tour ans arktische Ende der Welt. Aber das ist der Reiz dieser Reise.“ Die Expeditionskreuzfahrt mit der Sea Spirit ist so einzigartig wie der Inselarchipel selbst: 191 Inseln (insgesamt 16.135 km²) im Nordpolarmeer, gerade einmal 900 Kilometer vom Nordpol entfernt. Es ist eines der entlegensten Gebiete der Erde. Über 80 Prozent der Inselfläche ist von Gletschern bedeckt, nur in der Hochsommerphase sind Fahrten mit einem Expeditionskreuzfahrtschiff möglich. Als einzige Reederei hat Poseidon Expeditions mit seiner Sea Spirit drei Mal jährlich eine Sondergenehmigung zum direkten und zeitsparenden Anlaufen des Franz Josef Land Archipels ab Spitzbergen. Perfekt, um fast 150 Jahre nach der österreichischen Entdeckung durch Payer und Weyprecht auf arktische Erkundung zu gehen.

Abends läuft die Sea Spirit vom Hafen in Longyearbyen in den über 100 km langen Isfjord (Eisfjord) aus und hat gleich zu Beginn eine spektakuläre Route vor sich. Immer entlang der Westküste Richtung Norden gleitend begeistern von Deck und Brücke die Blicke auf einsame Sandstrände und kleine, tiefgrüne Tundraflecken, dahinter wachsen weiße Bergpyramiden und Gletscher in den Himmel. Für die Fotografen blinzelt schließlich sogar die Mitternachtssonne aus den Wolken. Zwei Wochen lang wird die komfortable 114 Gäste fassende Sea Spirit ein bequemes Zuhause in den arktischen Gewässern sein.

Die abgelegene Wildnis des Franz Josef Land Archipel wurde am 30. August 1873 von der denkwürdigen österreichischen Payer-Weyprecht-Expedition mit ihrem Expeditionsschiff Admiral Tegetthoff gesichtet, erkundet und großteils kartografiert. Es war der Beginn einer wilden Forschungsphase: so musste 1895 der berühmte Fridtjof Nansen nach einer missglückten Nordpolexpedition im selbst gebauten Unterschlupf den arktischen Winter überleben. Zur Zeit der großen Entdeckungsreisen waren häufiger Menschen auf dem Archipel anzutreffen als heute. In den 20er Jahren verleibte sich die Sowjetunion die Region ein. Heute gehört Franz Josef Land zu Russland, wurde zum Nationalpark Russische Arktis erklärt. Und gilt auch im 21. Jahrhundert als kaum erforscht. Die Sea Spirit folgt jedenfalls (auf dem Seeweg und bei Landgängen) den Spuren der historischen Entdeckungsfahrten.

Mit zehn Zodiacs geht’s auf Erkundung zu Landgängen und Tierbeobachtungen. Begleitet werden die Touren von einem hochkarätigen Lektorenteam, das in Vorträgen auf Landgänge vorbereitet. An Bord sorgen ein Restaurant samt hervorragender Küche, eine Bar, eine Lounge, eine gut sortierte Bibliothek und ein Vortragsraum für ein komfortables Bordleben. Anders als bei den Megakreuzern ist der Zugang zur Brücke fast immer erlaubt, Fachsimpeln mit dem Kapitän, Fragen an Expeditionsleiter und Lektoren sind erwünscht.Der Kapitän steuert die Geographer Bay (Prince George Land) im nördlichen Inselarchipel an, im fünf Minuten Takt wechselt das Wetter von Regen zu gleißendem Sonnenschein – grandioses Regenbogenwetter. Längst sind wir in eine andere Welt eingetaucht, still und unendlich. Walrosse, Robben und Vögel bewohnen diese lebensfeindliche Region genauso wie der König der Arktis. Bereits die erste Zodiacfahrt führt zur Beobachtung eines Eisbären.

 

„Im Inselarchipel herrschen durch riesige Eisschollen samt Landzugang ideale Lebens- und Jagdbedingungen, die Population an Eisbären ist beachtlich. Aber die Klimabombe tickt“ erzählt nachdenklich Vadim Prudnikow, Lektor mit Nordpolerfahrung. Der Rückzug des sommerlichen Packeises bedeutet erschwerte Überlebensbedingungen für Eisbären, schwierigeres Jagen, längere Schwimmstrecken und lange sommerliche Hungerperioden.

 

Golfplatz in der Arktis

Die Anlandung auf Champ Island mit seinen geheimnisvollen Steinkugeln ist eine Reise in die Wunderwelt der Geologie. Überall liegen Steinmurmeln, von einem Zentimeter kleinen Bällchen bis zu zwei Meter großen Riesenkugeln. Der Geologe Aaron Strahlke ist in seinem Element. „Es handelt sich um Geoden. Und mit ein bisschen Fantasie sieht es hier aus wie ein steiniger Golfplatz in der Arktis!“, bemerkt er lächelnd.

Genauso spektakulär wird’s am Nachmittag auf Hall Island beim Kap Tegetthoff auf den Spuren der österreichisch-ungarischen Nordpolexpedition. Sehr beeindruckend ragen dort riesige Felsnadeln wie Haifischflossen in den Himmel. Es war das ersehnte Land, welches die Payer-Weyprecht-Expedition nach langer Irrfahrt auf See am 30. August 1873 sichtete.

Ein Eisbär verhindert zwar ein Anlanden und Wanderungen (vor jedem Landgang wird das Areal akribisch von einem Rangerteam gescoutet und erst dann freigegeben), aber im Verlauf der Schlauchbootfahrt begeistern grandiose Lichtstimmungen, riesige blau schimmernde Eisberge und die Mystik dieses historischen Platzes. Dazu passt abends in der Lounge der packende Film über die österreichisch-ungarische Expedition perfekt. Genauso wie ein Schmökern in Christoph Ransmayrs Bestseller „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“.

Vogelfelsen und russisches Dorf

Ein Tag der Superlative wartet. Frühmorgens zu einer Walrosskolonie, danach zum berühmten Rubini Rock – einem der mächtigsten Vogelfelsen der Arktis. „Hier lärmen und nisten Zehntausende Krabbentaucher, Dreizehenmöven und Eissturmvögel in den steilen Basaltwänden“, erklärt Guide und Vogelexperte Ab Steenvorden und lenkt sein Schlauchboot direkt unter die Felswand.Und nach einem herzhaften Mittagessen an Bord der Sea Spirit wartet der Nachmittagslandgang zur alten russischen Forschungsstation Tikhaya. Während der kurzen Sommermonate ist die Station mit Rangern besetzt, sogar ein Postamt samt Ansichtskarten gibt es. Eine urige Sauna, historische Gebäude, verrostende Bagger und ein jagender Polarfuchs mitten im Dorf sind die Höhepunkte beim Rundgang. Und besonders Hartgesottene nehmen hier ihren „Polar Plunge“, ein arktisches Bad zwischen schwimmenden Eisbergen.

Längst sind viele Reisende vom Nordlandvirus befallen. Die Gewalt der Natur, die Stille, die arktischen Wildnistouren und auch das familiäre Bordleben auf der auch deutschsprachig geführten Sea Spirit passen perfekt. Dazu gehört auch das liebevoll zubereitete Open Air Barbecue Abendessen an Bord.

Arktis macht süchtig. Wehmut kommt auf, als die Sea Spirit die letzten Tafelberge von Franz Josef Land hinter sich lässt und Kurs auf Svalbard nimmt. Noch einmal fasziniert das Spektakel der Mitternachtssonne (im kleinen Whirlpool sitzend), noch einmal ist die Sea Spirit den Urgewalten der Barentssee ausgesetzt, bevor mit Neuschnee bedeckte Berge und ein Anlanden in der Ghosttown Pyramiden Spitzbergen und das Ende der Reise ankündigen.

Poseidon Expeditions erhält als einzige Reederei drei Termine im Sommer 2020 (auch 2021) eine Sondergenehmigung zum direkten Anlauf des Franz Josef Archipels. Ab/bis Longyearbyen 14-tägige Routen zu mindestens acht Inseln in der fast unberührten Region. Auf der deutschspr. geführten Sea Spirit erkunden max. 114 Passagiere mit bordeigenen Zodiacs entlegene Buchten und starten fakultativ zu Exkursionen mit Kajaks oder erlernen das Fotografieren in arktischen Regionen.

3er-Kabinen ab 8.895 Euro, 2er-Kabinen ab 12.395 Euro/p.P.  (inkl. VP, Touren/Ausflüge, Vorprogramm auf Spitzbergen, Transfers etc.)

Tipp: Am Poseidon Stand auf der Ferien-Messe gibt es auf alle Sea Spirit Reisen für die Saison 2021/22 Frühbucherermäßigungen von bis zu 15 Prozent.
 – Termine Franz Josef Land 2020: 20.7.–2.8.; 1.–14.8.; 13.–26.8.
– Infos und Buchungen unter +49 40 756 68 555, poseidonexpeditions.de