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freizeit Mode & Beauty
08/05/2021

Warum sich jede Frau mal die Haare abrasieren sollte

Rasiert sich eine Frau die Haare, gilt sie meist als „mutig“ und „radikal“. Ein millimeterkurzer Schopf rüttelt an eingefahrenen Rollenbildern, wie auch die Diskussion um die aktuelle „Buhlschaft“ zeigt.

von Julia Pfligl

Schauspielerin Verena Altenberger ist nicht die einzige prominente Frau, die in diesem Sommer mit raspelkurzem Haarschnitt überraschte. Mitte Juli debütierte Iris Law (20), Jungschauspielerin und Tochter von Jude Law, mit platinblondem „Buzz Cut“ auf dem Teppich von Cannes („Buzzzzz“ soll das Geräusch eines elektrischen Rasierers imitieren). Auch Jada Pinkett-Smith präsentierte sich kurz vor ihrem 50. Geburtstag mit Fast-Glatze und schwärmte von dem „Befreiungsschlag“.

Während Pinkett-Smith mit Haarausfall kämpfte und ihre kahlen Stellen unter einem Turban verbarg, griff Law – wie auch Altenberger – für eine Filmrolle zum Rasierer. Noch sind solche Frisuren im Showbiz die Minderheit, doch sie bekommen langsam mehr Sichtbarkeit – und erregen Aufsehen. Um das Haar der „Buhlschaft“-Darstellerin hat sich eine Debatte entsponnen: Passt eine Stoppelglatze zum Prototyp des Vollweibs?

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Das Schönheitsideal Wallemähne ist schließlich so alt wie die Menschheit: Schon bei den alten Griechen war glänzendes Haar ein Garant für Weiblichkeit und Vitalität. Bis heute rangieren lange Haare bei männlichen, heterosexuellen Singles oben in den Wunschlisten.

Klischees

In den 1920er-Jahren begannen sich Frauen von Konventionen und Haaren zu befreien, der Kurzhaarschnitt wurde zum gesellschaftspolitischen Statement. „Der Bubikopf galt als Zeichen von Unabhängigkeit, Frauen trugen plötzlich Hosen, rauchten, ließen ihre Haare schneiden und forderten das Wahlrecht“, sagt die Psychologin Brigitte Moshammer-Peter, die sich mit der Bedeutung von Schönheitsidealen und Geschlechternormen befasst.

Bis heute werde mit Kurzhaarfrisuren eher der Typus der selbstbestimmten Frau verbunden. „Frauen mit kurzen Haaren gelten oft als stärker und emanzipierter, jedoch auch als weniger weiblich“, sagt Moshammer-Peter.

Eine Erfahrung, die auch die 30-jährige Sophia machte. Vor einigen Jahren griff sie zum Rasierer und trennte sich von ihren braunen Haaren. „Es war ein Experiment: Traue ich mich, etwas, das immer da war, wegzumachen?“ Negative Reaktionen aus ihrem Umfeld nahm sie nicht wahr. „Leute, die mich kennen, waren beeindruckt von meinem Mut. Oft hörte ich ,du hast halt auch das perfekte Gesicht dafür’, was offenbart, dass es noch lange nicht normal ist, als Frau so kurze Haare zu haben“, erzählt sie.

Die Sache mit der Weiblichkeit beschäftigte die Wienerin dann doch mehr, als ihr lieb war. „Ich habe gemerkt, wie stark dieses Bild in mir verankert ist. Am Anfang hatte ich den Drang, mich mehr zu schminken und öfter Kleider oder Röcke anzuziehen, um zu zeigen, dass ich eh eine Frau bin – obwohl ich ja weiß, dass sich Frausein nicht alleine an diesen Dingen manifestiert.“

Emotionen

Dass (lange) Haare emotional aufgeladen sind, weiß man nicht erst seit den tränenreichen Folgen „Germany’s Next Topmodel“, in denen die Kandidatinnen Federn lassen müssen. Die deutsche Aktrice Emilia Schüle erzählte nach ihrem Kahlschlag, dass ihre Mutter geweint habe, weil „ein Mädchen für sie lange Haare haben soll“. Sie selbst fühle sich seitdem viel „präsenter“: „Man hat keine Haare mehr, hinter denen man sich verstecken kann.“

Doch nicht nur Mütter, auch Männer tun sich mit rasierten Frauenköpfen zuweilen schwer. Das zeigen die teils sexistischen Reaktionen, die Altenberger erhält. „Dass ein Haarschnitt in einer Zeit, in der die Geschlechter-Grenzen zunehmend verschwimmen, die Gemüter erregt, stimmt nachdenklich“, sagt Moshammer-Peter. „Es ist ein Zeichen, dass das Patriarchat noch nicht überwunden ist.“

Sophia hat den Schritt nicht bereut. Irgendwann wird sie ihre Haare wieder wachsen lassen, bis dahin genießt sie die Vorteile ihres Buzz Cuts. „Mir fällt auf, dass ich viel seltener in den Spiegel schaue. Die Frisur sitzt ja sowieso immer gleich gut.“

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