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freizeit Leben, Liebe & Sex
02/17/2021

Wie das weibliche Gehirn anders altert

Forscherinnen zeigen ein höheres Demenz-Risiko bei Frauen auf. Über Möglichkeiten der Vorbeugung, Hormone und die Gender-Data-Gap.

von Theresa Bittermann

Eine Welt von Männern für Männer gemacht – das ist die zentrale Kritik bei der sogenannten „Gender Data Gap“ – der Datenkluft zwischen dem, was man über Männer und dem, was man über Frauen weiß. So entwickelten sich Strukturen, die an Männern erprobt wurden, und seitdem als Selbstverständlichkeit gelten.

Im medizinischen Bereich bedeutet dies, dass Krankheiten bei Frauen oft nur erkannt werden, wenn sie „männliche Symptome“ zeigen oder mit Medikamenten und Dosierungen behandelt werden, die für sie nicht optimal sind. Die Neurowissenschafterin Lisa Mosconi griff in ihrem neuen Buch „Das weibliche Gehirn“ nun einen weiteren Aspekt dieser Problematik auf – Demenz.

Doppelt so viele Frauen wie Männer leiden an einer Form von Demenz, die häufigste davon ist Alzheimer. Ein sehr deutlicher Unterschied, was das Risiko zur Erkrankung betrifft. Bis vor Kurzem wurde dafür in der Wissenschaft vor allem die höhere Lebenserwartung von Frauen als Grund angenommen. Genauer hingesehen hat man nicht. Erst in den vergangenen Jahren deckten Forschungen relevante Unterschiede auf.

Einfluss von Hormonen

Einer davon sind Hormone, wie Mosconi in ihrem Buch erklärt. Denn die sogenannten Geschlechtshormone beeinflussen auch die Gehirnfunktion. Östrogen fördert im weiblichen Gehirn den Ausbau von Nervenzellen, schützt diese und wirkt „wie ein natürliches Antidepressivum“, schreibt Mosconi.

Östrogen sei „der Masterregulator“ im weiblichen Gehirn. Diese Hormone sind an vielen Vorgängen im Körper beteiligt, wie dem Zellstoffwechsel, dem Gewebewachstum oder der Erholung von Verletzungen. So halten die Hormone auch das Gehirn jung. Einen wichtigen Hinweis, den Mosconi auch im Buch unbedingt erwähnt wissen will: Auch wenn das weibliche und das männliche Gehirn biochemische Unterschiede haben, macht das keinen Unterschied in der Leistungsfähigkeit und Intelligenz.

So weit, so gut. Was die Geschlechtshormone im Körper angeht, gibt es aber einen ganz markanten Unterschied in den jeweiligen Lebenszyklen. Frauen kommen in die Menopause, Männer nicht. Dabei sinkt der Östrogenspiegel der Frauen oft rapide und das hat auch negative Auswirkungen auf die Gehirnfunktion. „Nicht nur der generelle Abfall von Östrogen, sondern auch der oft schnelle Abfall dabei hat negative Folgen für die Frauen. Männer haben einen langsameren Rückgang in ihrer Hormonproduktion“, bestätigt auch die österreichische Demenzmedizinerin Elisabeth Stögmann.

Sie weist außerdem auf weitere Unterschiede hin. Nicht nur biologische Merkmale wie dieser, sondern auch sozioökonomische und gesellschaftliche Merkmale erhöhen das Alzheimer-Risiko für Frauen. Zum Beispiel hätten die jetzt 70-jährigen Frauen eine „geringere kognitive Reserve“, denn in ihren jungen Jahren war Chancengleichheit in der Bildung noch weniger weit fortgeschritten als heute.

Das Schwinden der Hormone im Körper beschleunigt also den Altersvorgang der Frauen. Mosconi kommt schließlich zu dem Schluss: Das weibliche und das männliche Gehirn altern unterschiedlich.

Kein Hormonersatz

In der Therapie kann diese Erkenntnis leider noch wenig verbessern. Denn Studien mit Hormonersatztherapien bei Demenzpatientinnen hätten bis dato keine positiven Effekte gezeigt, so Stögmann. Umso wichtiger sei es laut den Expertinnen aber, in der Prävention anzusetzen. Und zwar so früh wie möglich.

Denn der Prozess einer Alzheimer-Erkrankung setzt schon etwa 20 Jahren vor Auftreten der ersten klinischen Symptome ein. Vor allem für Frauen in ihren 40ern und 50ern kann das wichtig sein. Zu früh oder zu spät ist es aber grundsätzlich nie. Mosconi fasst in ihrem Buch umfangreiche Tipps zur Prävention zusammen. Die wichtigsten Punkte dabei sind: Ernährung, Bewegung und das Gehirn immer wieder herauszufordern.

Besonders beliebt und gesund ist zum Beispiel die sogenannte „mediterrane Diät“. Viel Gemüse, wenig Fleisch. Bei Bewegung sei außerdem oft weniger mehr, so der Ratschlag von Mosconi. Man müsse sich nicht übernehmen. Und statt einem Film auch einmal eine Dokumentation anzusehen, tut dem Gehirn auch gut.

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