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freizeit Leben, Liebe & Sex
02/20/2020

Was passiert, wenn man eine Zeit lang auf Sex verzichtet?

Im Silicon Valley gilt Verzicht als neues „Must-have“ – das Ganze nennt sich Dopamin-Fasten. Mit der Auszeit sollen Reiz-Reaktions-Bahnen im Hirn neu programmiert werden.

von Gabriele Kuhn

Also gut, dann ist nun „Dopamin-Fasten“ angesagt, im Silicon Valley. Dabei geht es darum, allen Reizen zu entsagen, damit sich das Gehirn erholen kann. Sendepause. Dazu sollte man das Dopamin-Prinzip verstehen: Das ist ein Botenstoff im Gehirn, der das Belohnungssystem beeinflusst und aktiviert.

Ohne ihn wären wir schlaff, inaktiv, könnten uns zu nichts aufraffen. Er spielt immer dann eine Rolle, wenn wir Neues erleben oder aber in freudiger Erwartung sind. Wir checken morgens Tinder, Snap Chat oder Facebook, weil wir hoffen, etwas Spannendes zu entdecken – yeah, da ist sie schon, die Hirndroge. Mehr davon.

Weil die Ausschüttung von Dopamin dazu führt, dass wir etwas wiederholen wollen, das schon einmal zu Belohnung geführt hat. Wo Dopamin, da die Tendenz zur Sucht, zum Nonstop-Haben-Wollen. Das gilt auch für Sex, deshalb wird „Hypeamin D“ oft in einem Atemzug mit Sexsucht genannt. Dopamin-Fasten bedeutet Verzicht – aufs Smartphone, auf Computer, auf Zuckerkicks – auf sexuelle Reize sowie den sexuellen Akt selbst.

Das klingt ein bisserl fad für Dopaminjunkies, hat aber was. Ich sehe darin einen Befreiungsakt, um sich aus dem Ursache-Kick-Kreislauf zu lösen und endlich schauen zu können, was bleibt, wenn sonst nix ist. Ein Leben, weitgehend, ohne Reiz, ohne Einfluss, ohne Gaukelei, ohne Lust auf mehr – zumindest auf beschränkte Zeit. Das kann die Lust beeinflussen und neu definieren. Meine (gewagte) These: Vielleicht muss man eine gewisse Zeit auf Sex verzichtet haben, um wirklich guten Sex erleben zu können. Gewagt, weil man ja heutzutage maximal situationselastisch sein sollte, stets bereit, offen, kopulationsfreudig. Wer viel schnackselt, scheint erfolgreich, gehört dazu. Angeblich.

Menschen, die freiwillig auf Sex verzichten, werden daher gefragt, ob sie krank sind oder auf einem komischen Trip. Da fällt mir Sophie Fontanel ein, die 2012 mit ihrem Buch „Das Verlangen. Wie ich mir eine sexuelle Auszeit nahm“ Aufsehen erregte. Die Autorin, Mode-Bloggerin und Journalistin (u. a. bei „Elle“) bekannte sich im Rahmen einer fiktiven Geschichte indirekt zu ihrer bewusst gewählten Enthaltsamkeit. Für den „Verstoß gegen den Sexzwang“ (O-Ton) ist sie ziemlich beschimpft worden. Aus ihrer Sicht sei das Sex-Embargo aber eine Chance gewesen, zu sich zu finden und sich mit der Lust neu zu arrangieren. Zu oft hatte sie Sex als Gefängnis und sich selbst als Sexualobjekt empfunden. Das Buch wurde zum Bestseller.

Situationselastisch, stets  bereit, offen,  kopulationsfreudig: Wer viel schnackselt, scheint erfolgreich, gehört dazu. Angeblich.

Ich habe schon mit vielen Frauen über ihre sexuelle Biografie gesprochen – da hörte ich, dass es manche getan haben, weil es halt irgendwie sein musste. Und einige definierten über das Prinzip „sexuell verfügbar“ ihren Selbstwert. Deshalb schwindeln Frauen und sagen, der Sex mit all den Lovern sei wirklich „wow“ gewesen, dabei war’s einfach nur ein schneller, schlechter, finsterer One-Night-Stand auf einer längeren Liste schlechter One-Night-Stands. Stimmt schon, suboptimale Erfahrungen gehören dazu, damit sich manches zum Guten wenden kann. Eine sexuelle Auszeit – es müssen nicht unbedingt 12 Jahre sein, wie im Fall von Fontanel – kann aber im Idealfall dazu führen, dass wir wieder echter werden, im Sinne von mehr innengesteuert statt außengesteuert. Wir spüren uns dann wieder – die Energie fließt dorthin, wo wir echt und authentisch sind.

Das wiederum hat zur Folge, dass wir uns eines Tages nur für jenen Sex entscheiden, den wir wirklich haben wollen und der fein für uns ist. Guter Sex bedeutet nämlich, sich einem anderen hinzugeben – aber auch sich selbst, mit allen individuellen Bedürfnissen und Sehnsüchten.

Beispielhaft.  Ab nach St. Pauli, Hamburg. Dort gibt’s jetzt das „Queens“: ein feministischer „Hetera“- Nachtclub, der ab 16 h temporär (jetzt einmal bis 23. 2.) geöffnet ist. Und zwar für Frauen, die „Queens“. Sieben männliche Performer erwarten die Besucherinnen und bieten in  Séparées intime One-on-One-Performances an. Begegnung und Berührung erlaubt. Termine und Infos: queens-hamburg.com

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