Potenz hat mit dem Lebensstil zu tun.

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Sex-Kolumne
02/06/2020

Grünzeug statt Viagra: Haben Vegetarier eine größere Erektion?

Die These ist interessant, lässt sich allerdings nur indirekt beantworten. Fix ist jedenfalls, dass ein gesunder Lebensstil und körperliche Fitness erektionsfit machen. Da kann ein Gemüse-Plus nicht schaden.

von Gabriele Kuhn

Einige Leserinnen und Leser wurden durch die Kolumne vergangener Woche offenbar angeregt. Da erzählte ich, was manche Männer an Irrsinn oder Schmerz in Kauf nehmen, nur damit sie sagen können: Ich hatte einen Mega-Ständer. Also werden wir uns heute dem Thema „Nahrung und Erektion“ widmen. Vor allem wegen einer interessanten These, von der mir ein Leser berichtete. Er schrieb, dass es in seiner Familie so manchen Zwist gäbe – zwischen Vegetariern und Fleischessern. Vor Kurzem wurde wieder einmal heftig diskutiert. Im Zuge dieser Debatte erzählte eine junge Fleischverweigerin strahlend, dass Vegetarier eine größere Erektion hätten – im Sinne von Länge. Der Leser meinte, das sei einer näheren Betrachtung wert. Allerdings hatte ich zuletzt nicht so die Gelegenheit eines direkten Vergleichs. Also muss man wohl die Wissenschaft bemühen. Oder Netflix.

Unlängst habe ich mir dort die Doku „The Game Changers“ angeschaut, in der am Beispiel bekannter Athleten von den gesundheitlichen Vorteilen des Veganismus berichtet wird. Da wurde zum Beispiel behauptet, dass eine vegane Ernährung die Potenz steigern würde – kein Fleisch abends, viel Erektion nachts. Ob man den Verzicht auf tierische Produkte tatsächlich in so einen direkt-kausalen Zusammenhang stellen kann: Ich weiß es nicht. Die Doku gilt jedenfalls als umstritten. Was aber zweifellos wissenschaftlich belegt werden kann: Dass Potenz oder eben auch die Qualität einer Erektion mit dem Lebensstil zu tun hat. Es ist so: Damit der Penis steif wird, muss Blut fließen – durch die Gefäße, ins Fleisch. Pump, pump, pump. Wird „er“ stimuliert, geht in kurzer Zeit viel Volumen ins Genital. Dafür müssen die Blutgefäße geschmeidig sein, ohne Ablagerungen oder Verengungen. Deshalb verweisen Mediziner gerne auf den Zusammenhang von Potenzstörungen und Herzproblemen. Wenn’s unten nicht fließt, wie schaut’s dann „oben“ aus? Eine Art Herz-Penis-Achse: Laut Studien erleiden Männer mit Potenzproblemen in den Folgejahren doppelt so oft einen Herzinfarkt oder Schlaganfall wie ihre potenten Mit-Männer.

Je weniger Schweinsbraten & Co, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Penis-Besitzer fit und schlank ist – und im Falle des Phallus eine, Vegetarierinnen beeindruckende, Erektion hat.

Doch was macht „erektionsfit“? Regelmäßige Bewegung etwa oder aber das richtige Gewicht. Übergewichtige leiden häufiger an erektiler Dysfunktion. Womit wir beim Gemüse gelandet wären. Je weniger Schweinsbraten & Co desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Penis-Besitzer fit und schlank ist – und im Falle des Phallus eine, Vegetarierinnen beeindruckende, Erektion hat. Außerdem hat sich gezeigt, dass sich der Testosteronspiegel durch verringerte Kalorienzufuhr auf natürliche Weise erhöhen lässt. Vor allem das Bauchfett gilt als Bösewicht – es verwandelt Testosteron in weibliches Östradiol und schwächt so die Manneskraft. Aber was essen? Grünzeug! Brokkoli, Karfiol, Weißkohl, Spinat. Und Nüsse. Haselnüsse, Mandeln, Erdnüsse, Paranüsse. Sowie Beeren. Weil in vielen pflanzlichen Lebensmitteln Stoffe stecken, die für die „Biochemie einer Erektion“ förderlich sind. Citrullin etwa, das die Bildung der Aminosäure Arginin ankurbelt. Gut für das Herz-Kreislaufsystem, super für den Penis. – Etwas gewagt klang ein Blogeintrag der Tierschutzorganisation PETA. Da wurde behauptet, dass der Genuss von Huhn, etwa als Chicken-Wings, den Penis schrumpfen ließe. Indirekt, indem Schwangere Hühnerfleisch essen (genau: das darin enthaltene Phthalat) und ihr Bub dann mit einem kleineren Genital zur Welt käme. Wissenschaftlich bewiesen ist da aber gar nix. Dass Gemüse und Obst gesund, fit und auf vielerlei Weise kräftigt, hingegen schon.

 

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