Generationen kennen vor allem Armin Maiwalds Stimme

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freizeit Leben, Liebe & Sex
03/06/2021

Was denkt der Erfinder der Maus jetzt über die Serie?

Zum Jubiläum gab Maus-Erfinder Armin Maiwald ein Interview über die frühen Staffeln und den Erfolg des Formats.

Die "Sendung mit der Maus" ist zu Armin Maiwalds Lebensaufgabe geworden. Seit den 70ern erklärt er Kindern die Welt - mit Hilfe eines kleinen orangefarbenen Nagers. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur berichtet Maiwald (81) über den stotternden Start des Formats, den langwierigsten Beitrag - und warum er es für richtig hält, die Filme nicht vorab Kindern zu präsentieren.

Herr Maiwald, die Maus begleitet Sie, seit Sie ungefähr 30 Jahre alt waren. Hätten Sie gedacht, dass das so eine langlebige Freundschaft wird?

Nicht ansatzweise. Am Anfang war es alles andere als erfolgreich. Dass es mal so lange laufen würde, daran hat kein Mensch gedacht.

Auch, weil es damals einige Kritiker gab, zum Beispiel unter Pädagogen.
Denen war alles zu schnell, was wir gemacht haben. Wenn man sich das vom heutigen Standpunkt aus anschaut, ist die Maus natürlich gemütliches Fernsehen. Aber in dem damaligen Umfeld war es tatsächlich relativ schnell. Zudem waren die ersten Geschichten ohne Text - wir haben damals auf Musik geschnitten. Das war dann auch einer der Kritikpunkte: Ihr benennt die Dinge nicht, ihr übergießt die Wirklichkeit mit einer rosaroten Soße aus Musik. Zudem gab es große Kritik am Inhalt. Es hieß, wir zeigten in den Filmen nie die "ausgebeuteten Massen", sondern immer nur das Produkt. Ich glaube, es gab keinen Vorwurf, den wir nicht auf die Ohren bekamen.

Hatte das irgendwelche Auswirkungen?

 

Tatsächlich haben wir ein bisschen etwas geändert. Die erste Staffel ging um Brötchen, Milch und Eier - das waren die "schnellen" Dinger. Danach haben wir eine zweite Staffel gemacht, in der wir alles langsamer machten, weil das die Pädagogen so wesentlich fanden. Zum Beispiel haben wir ausführlich einen Maler gezeigt, der eine Wohnung streicht. Ich sage immer: Das waren die schlechtesten Filme, die ich im Leben gemacht habe. In der dritten Staffel hatten wir dann aber den Stil gefunden, der über lange Zeit der Standard war.

Wenn Sie sagen, dass sie damals Brötchen, Milch und Eier erklärt haben: Gibt es solche einfachen Dinge heute noch? Oder haben Sie die Welt de facto durcherklärt?

Das kann man so nicht sagen. Es hängt immer davon ab, was für Fragen wir von den Kindern bekommen. Klar, wir haben viel erklärt - aber viel ändert sich ja auch. Wir haben vor Jahren mal das Internet erklärt, damals gab es noch das Modem. Da müsste man heute eigentlich ein Update machen, weil es so nicht mehr funktioniert. Die Welt verändert sich und damit verändern sich die Fragen der Kinder. Und damit verändern sich unsere Geschichten.

Wie viel Zeit steckt in einem Film der Maus?

Das ist ganz unterschiedlich. Die längste Vorbereitungszeit hat der Film "Was macht eigentlich Vitamin C in meinem Körper?" in Anspruch genommen. Das waren dreieinhalb Jahre. Es gab damals nur zwei Experten auf dem Gebiet: einen in Johannesburg, einen in Tübingen. Wir haben natürlich den in Tübingen genommen, aber all die Proben zu nehmen und zu zeigen, wie sich Bakterien bewegen, das hat sehr viel Zeit gekostet.

Werden die Sachgeschichten in der Maus eigentlich vor der Ausstrahlung Kindern gezeigt?

Nein, nie. Von Anfang an nicht. Das haben alle anderen gemacht, wir haben das nie gemacht. Wenn die Wirkung von solchen Filmen untersucht wird, findet das in einer unnatürlichen Umgebung statt, zum Beispiel in einer Gruppe und nicht zu Hause. Ich habe dem nie großen wissenschaftlichen Wert beigemessen. Meine Kollegen glücklicherweise auch nicht.

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