Hunde lecken fĂŒr ihr Leben gern.

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Tierpsychologie: Warum uns Hunde so gerne abschlecken

Was treibt Hunde an, wenn sie ihre Halter abschlabbern? Dieser Frage ist ein US-Forscher nachgegangen.

10/18/2021, 11:46 AM

Blassrosa, rau und ziemlich feucht: Mit der Zunge ihres Vierbeiners machen Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer beinahe tÀglich Bekanntschaft. Das ultrabewegliche Organ hilft Hunden unter anderem beim Trinken und der Temperaturregulation (Hunde können nicht schwitzen!).

In der Mensch-Tier-Interaktion lĂ€sst das Ablecken Raum fĂŒr Interpretationen: Sind Hunde-Bussis ein Ausdruck von Zuneigung? Ein Überbleibsel ihrer Entwicklungsgeschichte vom wilden Wolf zum zahmen Haustier? Oder sind es salzige SchweißrĂŒckstande auf unserer Haut, nach denen die treuen Tiere lechzen?

Die Wissenschaft konnte keine dieser Hypothesen bisher mit soliden Daten unterfĂŒttern, wie der US-Psychologe Stanley Coren in einem unlĂ€ngst im Magazin Psychology Today erschienenen Artikel schildert. Coren studierte an der renommierten Stanford University, anschließend lehrte er viele Jahre an der University of British Columbia. Besonders bekannt ist der inzwischen pensionierte Neurowissenschafter fĂŒr seine Forschungen zum besten Freund des Menschen.

Leck-Test

Aus Neugier begann Coren kĂŒrzlich zum Ableck-PhĂ€nomen zu recherchieren – wobei er den Fokus auf Erkenntnisse zur Salz-Hypothese legte. Diese sind nur spĂ€rlich vorhanden, Grund genug fĂŒr Coren, der Sache in einem kleinen Experiment auf den Grund zu gehen.

Er rekrutierte 20 Hundehalter und wies sie an, ihre Knie mit Salzlösung (2 Teelöffel Kochsalz aufgelöst in 125 ml warmem Wasser) zu betrÀufeln. Dann rief man die Hunde herbei. Sobald ein Hund begann, ein Knie abzulecken, wurde die Zeitmessung gestartet.

Salz-Effekt

Leckten die Hunde eifriger und lĂ€nger als den salzigen Knien? Nein, summiert Coren. Zum einen legten die Hunde ein sehr diverses Leckverhalten an den Tag: Manche leckten leidenschaftlich, andere eher zaghaft. Manche wĂ€hlten willkĂŒrlich ein Knie aus, ohne dem anderen je Aufmerksamkeit zu widmen. Unterm Strich zeigte sich zum anderen, dass die Hunde keinesfalls lĂ€nger an den salzigen Hautstellen lutschten. Im Schnitt zogen die salzigen Knie die Hunde 22,9 Sekunden in den Bann, die unsalzigen 22,6 Sekunden.

Die Salzhypothese ist fĂŒr Coren damit vom Tisch, auch wenn weitere Studien noch mehr Klarheit bringen könnten.

Dass das Salz auf der Menschenhaut das Hundelecken bedingt, hatte Coren ohnehin fĂŒr unplausibel gehalten. Hundezungen verfĂŒgen nur ĂŒber wenige Salzrezeptoren. Entsprechend durchschnittlich dĂŒrfte das Geschmackserlebnis ausfallen.

FĂŒr naheliegender hĂ€lt er die evolutionsbasierten ErklĂ€rungsmodelle: Wolfswelpen erhaschen etwa durch Lecken Futter vom Maul erwachsener Tiere. Und: Schon Hundemamas pflegen und liebkosen ihre Welpen durch Ablecken – ein Sozialverhalten, in dessen Genuss offenbar auch Hundehalter kommen.

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