Streit um Begleitung von autistischen Kindern an Schulen

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Die Autistenhilfe könnte den Auftrag für die Fachassistenz verlieren. Bei der Neuvergabe des Projekts ortet man Unstimmigkeiten.

Das Leben kann Autistinnen und Autisten von klein auf vor große Herausforderungen stellen. Mit entsprechender Förderung kann der Weg in die Selbstständigkeit für viele geebnet werden.

An den Bundesschulen (AHS, NMS) in Wien und Niederösterreich bietet die Österreichische Autistenhilfe in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) seit 2018 die Begleitung durch eine Fachassistenz an. Zuvor finanzierte man das Projekt durch Spenden. Durch die Autistenhilfe geschult, unterstützen Assistentinnen und Assistenten autistische Kinder vor Ort in der Klasse.

Neu ausgeschrieben

Anfang des Jahres wurde die Organisation der Fachassistenz österreichweit neu ausgeschrieben. Die Einreichungsfrist für interessierte Vereine endete Anfang April, die Vergabe durch die Bundesbeschaffungsbehörde erfolgte Anfang Juni. Der Auftrag erging nicht mehr an die Autistenhilfe, sondern in fast allen Bundesländern an die Organisation Pro mente, die sich um die Bedürfnisse von Menschen mit psychisch-sozialen Erkrankungen kümmert. In der Steiermark ging der Zuschlag an die Lebenshilfe.

Prüfung im Gange

Bei der Autistenhilfe kann man die Entscheidung nicht nachvollziehen und ortet Unregelmäßigkeiten im Vergabeverfahren. Kritisiert wird konkret, dass der Vergabeprozess intransparent gewesen sei. Man erhebt auch Vorwürfe gegen einen ehemaligen Mitarbeiter, der den Bewerbungsprozess behindert haben soll. „Wir haben das Projekt der Begleitung von Schülern und Schülerinnen mit ASS im AHS-Bereich aufgebaut. Da schmerzt es, wenn wir das nun verlieren würden“, sagt Andreas Schmidt, Vorstand der Autistenhilfe. „Es geht um das Wohl der Kinder: Wir wollen, dass sie weiterhin von vertrauten Fachassistenten begleitet werden.“ Sollten die Projektfördergelder für AHS und NMS nun wegfallen, werde man jedenfalls die Begleitung in Kindergärten und Volksschulen im Osten Österreichs über Spenden und in Kooperation mit dem Fonds Soziales Wien (FSW) weiterhin finanzieren. Schmidt: „Dass hier ein Bruch durch die betreuende Organisation entsteht, ist suboptimal.“

Entscheidung Ende September

Im Bildungsministerium weist man die Vorwürfe auf KURIER-Anfrage zurück: „Das Vergabeverfahren Assistenzleistungen Autismus-Spektrum-Störung an Bundesschulen wurde und wird von Beginn an durch die Bundesbeschaffungs-GmbH professionell und selbstverständlich nach geltender Rechtslage begleitet und durchgeführt. Ein faires und transparentes Vergabeverfahren, an dem sich mehrere Bieter beteiligt haben, war und ist somit sichergestellt.“ Die Autistenhilfe hat ein Nachprüfungsverfahren beim Bundesverwaltungsgericht angeregt, das noch anhängig ist. Das Ministerium will „vorerst keine weiteren Kommentare abgeben“. Auch Pro mente will das Verfahren gegenüber dem KURIER nicht kommentieren. Eine Entscheidung soll es Ende September geben.

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