Viele Eltern fragen sich in der Weihnachtszeit, ob und wie Eltern die Magie rund um das Christkind aufrechterhalten sollten.

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freizeit Leben, Liebe & Sex
12/13/2019

Soll ich meinem Kind die Wahrheit über das Christkind sagen?

Lüge oder Wahrheit: Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit den Kleinen Klartext zu reden?

von Daniela Davidovits

An Märchen glauben die modernen Kinder schon sehr früh nicht mehr. Sie wissen, dass eine Hexe Kinder nicht in einen Käfig sperren darf. Und welches Kind geht noch alleine in einen Wald und begegnet einem Wolf? Heutige Eltern machen sich mehr Gedanken darüber, welche Geschichten sie ihren Kindern erzählen.

Bei den Erzählungen über das Christkind ist es schwierig. Denn die meisten Eltern wollen eigentlich bei ihren Kindern gerne für Weihnachtszauber, eine heile Welt und eine Kindheit wie damals sorgen. Das tun sie nicht nur beim Christkind, sondern auch beim Osterhasen und der Zahnfee.

Eltern schwärmen von der Magie der Anfangszeit: "Ich erinnere mich gerne zurück, als ich als Kind ans Christkind und den Osterhasen geglaubt habe. Es war positive Aufregung, die nicht allein durch Geschenke hätte hervorgerufen werden können", meint Susanne.

Die Kleinen lieben diese Fantasien, weiß Psychologin Brigitte Rollett von der Uni Wien: "Kinder haben eine magische Phase. Jedes Ding hat eine Persönlichkeit und das ist schön für sie. Erst mit etwa vier Jahren beginnen Kinder, Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden."

Mama Marion sieht es pragmatisch: "Sie glauben ohnehin nur so lange dran, wie es für sie passt." Doch die Frage ist, wie sie die Wahrheit erreicht und wie sie damit umgehen.

Die größte Bedrohung für die Vorstellung vom Christkind sind andere Kinder. Unzählige Geschichten gestresster Eltern handeln davon, wie oberg’scheite Kindergartenfreunde oder ältere Cousins das Geheimnis lüften. Auch Kinderfilme rund um das Thema bergen Gefahrenpotenzial.

Im besten Fall fragt das Kind selbst nach dem Wahrheitsgehalt. Dann können Eltern aus dem Ton und Zusammenhang erkennen, ob es weitere schöne Geschichten hören möchte oder Zweifel an der offiziellen Version anmeldet und ein ehrliches Gespräch einfordert.

Je nach der Interpretation gibt es situationselastische Erklärungen oder einen Kompromiss. Etwa: "Die Geschenke haben wir Eltern vorbereitet, weil wir das Christkind unterstützen. Es kann nicht überall gleichzeitig sein."

Wieviel Lüge ist erlaubt?

Problematisch ist es, wenn die Eltern die alte Version aufrechterhalten und das Kind sie der Lüge überführt. Dann wird das Kind nicht nur in seinen Erwartungen enttäuscht, sondern auch das Vertrauen in die Eltern erschüttert. Darum setzen manche Erwachsene lieber gleich auf radikale Offenheit.

Manche Eltern biegen die Wahrheit gerne, mal wollen sie das Kind schützen, mal es für sich leichter machen. Die US-Amerikaner haben ihnen dafür den Namen "Pinocchio parents" verpasst, benannt nach der Holzpuppe, die vom Lügen eine lange Nase bekommt.

In ihrem Buch "Wenn ich ehrlich bin, dann lüg ich richtig gut" erklären die Autoren, warum Eltern manchmal schummeln: "Es spiegelt ihre Schwierigkeiten wider, die Welt kindgerecht und dennoch so genau wie möglich zu beschreiben."

Für Rührung sorgte daher das Online-Posting einer Mutter, deren Tochter ihr die Frage gestellt hatte: "Bist du der Weihnachtsmann?" Sie sagte ihr die Wahrheit und endete mit: "Ich bin nicht der Weihnachtsmann. Der Weihnachtsmann, das ist die Liebe, die Magie, die Hoffnung und das Glück. Ich bin in seinem Team und du bist das jetzt auch."

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