Ludwig Wittgenstein machte sich unter anderem über die farbliche Anordnung von Stiefmütterchen Gedanken

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freizeit Leben, Liebe & Sex
02/28/2021

Lieber Blumenzwiebeln als ein Kleid für die Queen

Die Gartenkolumne, ein besonderes Genre in der Beziehungsgeschichte zwischen Literatur und Garten

von Barbara Mader

Die Personalunion Dichter, Denker, Gärtner hat eine lange Tradition. Schließlich stehe die Gestaltung eines Stücks Natur nach eigener Vorstellung dem Dichten sehr nahe, befand Hugo von Hofmannsthal.„Weit und schön ist die Welt, doch o wie dank ich dem Himmel, dass ein Gärtchen, beschränkt, zierlich, mein eigen gehört“, dichtete Johann Wolfgang von Goethe. Auch der Philosoph Ludwig Wittgenstein, der nach seiner Ausbildung zum Volksschullehrer viel Zeit mit Gartenarbeit im Stift Klosterneuburg verbrachte, machte sich Gedanken über Gartenarbeit, etwa über die farbliche Anordnung von Stiefmütterchen. (Er hielt sie für wenig aussagekräftig.)

Eine der passioniertesten Gartenautorinnen unserer Zeit ist Barbara Frischmuth. Ihre Gartenmenschwerdung dokumentierte die Schriftstellerin in mehren Gartentagebüchern, zuletzt in „Der unwiderstehliche Garten“.

Die Beziehungsgeschichte zwischen Garten und Literatur ist vor allem in England ausgeprägt. Ein besonderes literarisches Genre sind Gartenkolumnen, wie jene des Gärtners und Historikers Robin Lane Fox in der Financial Times. Sein erklärtes Vorbild war Vita Sackville West, Gartengestalterin, Dichterin und Vorlage für Virginia Woolfs Roman „Orlando“.

Vita Sackville-West (1892-1962) war Frauenrechtlerin, Schriftstellerin und unkonventionell liebende Ehefrau. Sie publizierte mehr als fünfzig Bücher und schrieb eine äußerst erfolgreiche Gartenkolumne für den Observer. Die Ehe mit dem Diplomaten Harold Nicolson war unkonventionell. Beide hatten außereheliche, gleichgeschlechtliche Affären, doch sie waren einander treue Gefährten. Ihr liebevoller Briefwechsel zeugt von einer tragfähigen Beziehung, die auch Vitas leidenschaftlicher Affäre mit Virginia Woolf trotzte.

Die gemeinsame Leidenschaft Vitas und Harolds war der Garten: 1930 erwarb das Paar Sissinghurst Castle in Kent, wo Vita einen der schönsten Gärten Englands anlegte. So entstanden zehn märchenhafte Gartenzimmer, darunter der weiße Garten mit über 150 verschiedenen weißblühende Pflanzen, der Rosengarten, der Kräutergarten oder der Obstgarten, in dem im Frühjahr Hunderte gelber Narzissen blühen.

Wie sehr Vita ihren Garten liebte, zeigt auch, dass sie ihn nicht einmal für die Königin verlassen wollte: Harolds Bitte, sie zu einem Royal Dinner in den Buckingham Palast zu begleiten, schlug Vita aus. Sie wollte kein Geld für ein Kleid ausgeben. Sie investierte lieber in Blumenzwiebeln.

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