Die Zahl der Vegetarier und Veganer steigt hierzulande stetig: Die Palette an pflanzlichen Milchersatzprodukten ist inzwischen breit. Doch der Hype um die Drinks hat auch Schattenseiten.

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07/25/2021

Kuhmilchalternativen: Sind sie wirklich so umweltfreundlich wie ihr Ruf?

Soja, Erbsen, Hanf und Co. Pflanzendrinks gelten als gesund und nachhaltig. Doch sind sie tatsächlich echte Öko-Helden? Der KURIER hat bei Expertinnen nachgefragt.

von Marlene Patsalidis

Soja im Kaffee, Erbsen im Müsli: Pflanzliche Milchalternativen sind vielseitig einsetzbar. Der Produktnische für Menschen mit Laktose-Intoleranz sind sie entwachsen. Die Zahl der Vegetarier und Veganer steigt hierzulande stetig, wenn auch noch auf niedrigem Niveau: 2019 ernährten sich acht Prozent der Bevölkerung vegetarisch oder vegan, weitere 17 Prozent tun dies zeitweise.

Unterdessen drängen immer mehr Hersteller mit Pflanzendrinks in die Supermarktregale. Befeuert wird der Boom durch die Klimadebatte. Im Vergleich zum tierischen Pendant gelten die Alternativen als ressourcenschonender. Bei manchen Produkten lohnt es sich dennoch, genauer hinzusehen.

Hafermilch

Das Ergebnis eines Öko-Tests aus 2019 ist klar: Haferdrinks überzeugen auf ganzer Linie: Man stieß weder auf Gentechnik, noch auf Pestizide oder bedenkliche Schwermetalle. Auch Ernährungsexpertin Sabine Bisovsky stellt Hafermilchimitaten ein gutes Zeugnis aus: "Sie kommen vom Eiweißgehalt nicht an Kuhmilch heran, dafür punkten sie mit dem löslichen Ballaststoff ß-Glucan. Dieser kann mithelfen, den Cholesterinspiegel zu senken und einen schnellen Anstieg des Blutzuckers zu verhindern." Für eine glutenfreie Ernährung sind Haferdrinks ungeeignet, sie kommen aber im Gegensatz zu anderen Pflanzendrinks oft ohne Zusatzstoffe aus.

Aus ökologischer Sicht überzeugen Drinks aus heimischem Hafer, erklärt Nadine Wolbart von der Umweltberatung: "Das gilt auch für Produkte aus Soja oder Dinkel. Neben dem Anbau sollte man darauf achten, dass die Drinks Bio-Qualität besitzen." Auch aus Getreide wie Dinkel oder Reis wird Flüssiges gewonnen. Von den ballaststoffreichen Rohstoffen bleibt wenig übrig, weiß Bisovsky: "Das Getreide wird verkocht, der Sud dann enzymatisch behandelt und meist mit Öl versetzt."

Der EuGH urteilte 2017, dass Milch aus Eutern kommen muss. Hersteller dürfen vegane Alternativen nicht als "Milch" verkaufen.

76 Liter Kuhmilch trinken die Österreicherinnen und Österreicher pro Jahr.

In Thailand wird weltweit am meisten Pflanzenmilch getrunken: Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch beträgt dort 11,1 Liter.

 

 

Sojamilch

In die Kritik geraten ist Soja wegen der enthaltenen Isoflavone – sekundäre Pflanzenstoffe, die strukturell Östrogen ähneln und den Hormonhaushalt beeinflussen können. "Die Mengen, die in Sojadrinks vorkommen sind unbedenklich", gibt Bisovsky Entwarnung. Pluspunkt: Sojadrinks haben annähernd den gleichen Eiweißgehalt wie Kuhmilch: "Fast alle anderen Pflanzendrinks enthalten nicht einmal ein Drittel der Menge von Kuhmilch." Manche Menschen können allergisch auf Soja reagieren, bei Schilddrüsenproblemen kann sich der Verzehr ebenso negativ auswirken.

Bei Sojamilch wird die Abholzung des Regenwaldes diskutiert. "Tatsächlich ist es so, dass Regenwald-Soja in größerem Ausmaß in Kuhmilch landet, weil es als Futtermittel verwendet wird", sagt Wolbart. "Wer europäisches Soja kauft, ist auf der sicheren Seite."

Kokosmilch

Kokosdrinks sind laut Bisovsky eine Mogelpackung: "Sie werden teuer verkauft, obwohl in der Regel nur um die fünf Prozent reine Kokosmilch enthalten sind." Wer glaubt, Kokosdrinks könnten mit gesunden Fetten Punkten, irrt: "Kokosfett hat keine besonders gesundheitsfördernde Wirkung." Zudem müssen Kokosnüsse aus tropischen Anbaugebieten importiert werden.

Mandelmilch

Mandeln und Reis können in Europa geerntet werden. Wolbart: "Beide Pflanzen verursachen aber enormen Wasserverbrauch. Beim Reisanbau wird klimaschädliches Methan frei." Die Hauptanbaugebiete für Mandelbäume liegen im trockenen Kalifornien. Entsprechend lange und wenig nachhaltig sind die Transportwege nach Europa. "Nüsse sind gesund", schickt Bisovsky voraus, "in Mandeldrinks landet aber meist ein verschwindend geringer Teil, der Großteil ist Wasser".

Erbsen- und Hanfmilch

Newcomer im Sortiment sind Waren aus Erbsen oder Hanf. Erbsendrinks können vom Eiweißgehalt her mit Sojaprodukten mithalten, sagt Bisovsky. Mit Hanföl versetzte Drinks sind zu bevorzugen: "Das Öl ist reich an guten Omega-3-Fettsäuren." Eine genaue ökologische Bewertung ist laut Wolbart schwierig: "Es ist aber anzunehmen, dass die Alternativen gut abschneiden. Vorausgesetzt die Pflanzen werden bei uns angebaut."

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