"Krisenzeiten sind anfällig für Denunziantentum"

Venedigs „Löwenmäuler“ waren Denunzianten-Briefkästen
Ob Inquisition, Zarenreich oder NS-Herrschaft: Totalitäre Regime sind gut darin, an die dunklen Seiten des Menschen zu appellieren.

"Nach dem Justizpalastbrand 1927 rollte eine Welle der Denunziation über die Stadt", erzählt Wolfgang Maderthaner. Das hätte eigentlich nicht passieren dürfen. Im Roten Wien lebten Tausende in Solidarverbänden, in Gemeindebauten. "Nach den Kämpfen im Februar 1934 passierte genau dasselbe. Krisenzeiten sind anfällig für Denunziantentum", sagt der Historiker und stellt eine These auf: "Um zum Denunzianten zu werden, muss du in deiner eigenen Position gefährdet sein."

Wer waren die Vernaderer

Ein Blick zurück zeigt, dass vor allem totalitäre Regime gut darin sind, an die dunklen Seiten des Menschen zu appellieren. Das hat auch der US-Soziologe und Organisationsforscher Patrick Bergemann in seiner historisch-vergleichenden Untersuchung des Denunziantentums festgestellt:

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