Blumen rangieren ganz oben auf der Liste der beliebtesten Muttertagsgeschenke.

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freizeit Leben, Liebe & Sex
05/08/2020

Ist es in Ordnung, die Mama am Muttertag nicht zu beschenken?

Der Muttertag hat ein Imageproblem. Warum es legitim ist, den Feiertag zu hinterfragen und wie man in puncto Geschenk einen Kompromiss findet.

von Marlene Patsalidis

Wenn Mütter morgens von lautem Küchengeklapper geweckt werden, anschließend Bastelwerk überreicht und Gedichte rezitiert werden, dann ist Muttertag. Am zweiten Sonntag im Mai hat auch unpersönlicher Klimbim Hochkonjunktur. Was die Frage aufwirft: Müssen Geschenke zum Muttertag wirklich sein?

"Je nach Familie werden die Rituale zum Muttertag verschieden gehandhabt", weiß Familiensoziologin Ulrike Zartler von der Universität Wien. Bei Kindern habe der Tag eine spielerische Komponente, die in der Regel nur begrenzt Skepsis auslöse. "Im Erwachsenenalter setzt man sich mitunter kritischer damit auseinander."

Aus der Frauen- und Mütterbewegung des frühen 19. Jahrhunderts entstanden, laboriert der Muttertag mittlerweile am Bedeutungsverlust. Nur mehr für jeden zweiten Österreicher hat der Muttertag große Relevanz, ein Viertel würde dessen Abschaffung begrüßen. Dennoch beschenken acht von zehn Österreicher am Muttertag die eigene Mama.

Falsche Motive

Zu den beliebtesten Aufmerksamkeiten zählen Blumen, gefolgt von Naschereien. Auf Rang drei rangieren Zeit-Geschenke. Dahinter selbst gebackene Aufmerksamkeiten und Restaurantbesuche. Letztere fallen heuer zumindest am Muttertag selbst wegen Corona ohnehin flach. Nach einem Jahr Funkstille einen Strauß per Boten überbringen zu lassen, der nach schlechtem Gewissen duftet "ist sicher eine ungünstige Idee", betont Familientherapeutin Nicola Tutsch. "Wenn man den Muttertag kritisch sieht, aber weiß, dass er der eigenen Mutter wichtig ist, kann man einen diplomatischen Kompromiss finden. Zum Beispiel in Form eines gemeinsamen Ausfluges. Vielen Mamas ist das ohnehin lieber als der obligatorische Blumengruß."

Seit einigen Jahren macht anlässlich des Muttertages der Hashtag #muttertagswunsch im Netz die Runde. Thematisiert wird, was Mütter wirklich bräuchten: Chancengleichheit im Job oder einen sicheren Kinderbetreuungsplatz etwa. Den Tag auf das Abfeiern traditioneller Mutterbilder zu reduzieren, hält Tutsch nur für bedingt zielführend: "Ich empfinde den Muttertag nicht als Huldigung dessen, dass Mütter kochen, putzen und die Wäsche waschen. Es geht darum, Wertschätzung auszudrücken. Das kann unabhängig vom Geschlecht erfolgen. Einen Monat später steht außerdem der Feiertag für den Papa an."

Die wachsende Muttertagsskepsis kann Soziologin Zartler nachvollziehen: "Viele lehnen nicht die Idee an sich ab. Man stößt sich vielmehr daran, dass er an den Kommerz verkauft wurde." Damit, dass der Feiertag – ähnlich wie der Valentinstag – vom Handel in Beschlag genommen wurde, müsse man sich jedoch nicht abfinden. Gerade in Corona-Zeiten sei Kontakt wertvoller als Konfekt. Den Muttertag innerfamiliär neu zu verhandeln, sei legitim, sind sich die Expertinnen einig. Zartler: "Familien können heutzutage autonom Übereinkünfte zu Traditionen zu finden. Wichtig ist, solche Dinge offen zu besprechen, sonst droht Enttäuschung über verschmähte Anerkennung."

Könnte der Muttertag auch dazu dienen, sich bewusst zu machen, wie es um die Beziehung zur Mutter bestellt ist? "Das Gespräch zu suchen, ist sicherlich eine feine immaterielle Möglichkeit, echten Bezug zum Feiertag herzustellen", sagt Zartler. "Dafür bieten sich allerdings auch die übrigen 364 Tage im Jahr an", fügt Tutsch hinzu.

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