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freizeit Leben, Liebe & Sex
05/14/2020

Haarscharf: Über die Erotik des Kopfschmucks bis zum Fetisch

Endlich zum Friseur – waschen, schneiden, färben, föhnen. Weg mit dem Wildwuchs! Doch ehrlich: Hätte so eine zügellose Mähne nicht auch spannende Seiten?

von Gabriele Kuhn

Zuletzt wurde oft über Haare gesprochen – Kopfhaar, Barthaar, Schamhaar. Und während es in Sachen „Souterrain“ eher ein Leichtes war, für reizvolle Ordnung und ein glatt-genitales Marie-Kondo-Feeling zu sorgen, indem man mit dem Rasierer ausmusterte, sorgten sich derweil viele um den Zustand von Frisur und Farbe. „Waschen, kolorieren, schneiden, bitte“, tönte es daher zuletzt durch die Salons des Landes. Man wird wieder in Fasson gebracht – was auch schade ist. Denn der Wildwuchs in Richtung lang, lässig, lasziv hat durchaus seine Reize – wallende, allenfalls lockige Haare gelten als starkes Erotik-Signal. Damit könnte man nicht nur liebäugeln, sondern auch herumspielen.

„Hat Eva Adam mit einem süßen Bob in Versuchung entführt? Hat die schöne Helena mit einem Kurzhaarschnitt die Griechen bewogen, in Troja einen Krieg anzuzetteln? Ich glaube nicht. „Es ist immer die lange Mähne, die reizt“, meint die Autorin Ellen T. White. Interessanterweise dachten die frühen Christen, dass die Locken einer Frau Teil ihrer Genitalien seien und den männlichen Samen aufsaugen könnten. Üppiges Kopfkleid symbolisiert Jugend, Kraft, Stärke, überhaupt wenn sie stark und voluminös wirken. Gekonnt in Szene gesetzt, können sie sogar „sprechen“, behaupten Flirtexperten: Haare werden hinter die Ohren gestrichen (was mit dem Kurzhaarschnitt wegfällt) oder als Mähne zurückgeworfen.

Sprache der Haare

Man fummelt an Locken rum, dreht an Haarsträhnen: „Hey, ich bin interessiert!“. Eine Flirtbereitschaftsgeste genauso wie das „Zurückschütteln“ der Haare – wodurch ein Stück Haut preisgegeben wird. Wie bedeutungsschwanger, da geht was: „Das Wegschieben eines Ponys wird als Wegräumen einer Barriere interpretiert“, so Anka Schmid und Bernd Müllender im Buch „Haarig!“. Es heißt auch, dass das „Durch-die-Haare-Fahren“ ein Ersatz-Streicheln sei. Sogar Männer lassen ihr Haupthaar sprechen: Vielleicht nicht wissenschaftlich belegt, aber schon mal gesehen, was manche Herren tun, wenn sie um eine Frau herumgockeln? Sie fummeln an ihren Haaren herum, streichen sie zurück, kratzen sich. Und selbst „Männer mit Glatze streichen schon mal mit der flachen Hand über die nicht vorhandene Frisur. Auch das vermutlich mit sexualisierender Komponente“, so Schmid und Müllender.

Wie bedeutungsschwanger, da geht  was: 'Das Wegschieben eines Ponys wird als Wegräumen einer Barriere interpretiert', so Anka Schmid und Bernd Müllender im Buch 'Haarig!'

Haare können Teil des Akts werden, in welcher Form auch immer. „Langes, lockeres Haar wurde mit Zügellosigkeit, Sexualität, geistiger Freiheit, friedlicher Rebellion und Kreativität assoziiert; kurzes straffes Haar mit Disziplin, Selbstbeherrschung, Tüchtigkeit, Anpassungsfähigkeit und Selbstbewusstsein“, schrieb der Verhaltensforscher Desmond Morris. Eine Steilvorlage für Rollenspiele. Beim Sex dem anderen mit den Haaren über die Haut zu streichen, bis es nicht mehr auszuhalten ist – gar nicht so übel. Und so ein bissel aus der Soft-S/M-Ecke kommt der Tipp, ihn mit einem straff gebundenen Pferdeschwanz dezent zu „bestrafen“.

Manche mögen mehr: „Trichophilie“ heißt das, wenn Haare im Mittelpunkt erotischer Fantasien stehen und man darauf fixiert ist. Die „Verehrung von Haaren aller Art, Beschaffenheit und Farbe“ gilt als Fetisch. Der kann, in besonders ausgeprägter Form, heikel werden, wie ein Fall aus Kalifornien zeigt: Im Jahr 2002 wurde ein Mann verhaftet, weil er zehn Frauen mit der Schere die Haare vom Kopf geschnitten hatte. Er landete für acht Jahre im Gefängnis. Jetzt kommen Verehrer ausgeprägter Haar-Prachten zumindest in den Sozialen Medien auf ihre Kosten: Das Instagram-Konto „longhair_obsession“ – hat immerhin 73.000 Abonnenten. Zum Haareraufen.

BUCHTIPP. Die Ausgangsbeschränkungen haben auch das Sexleben verändert – für Paare und Singles. Wie hat uns das verändert, was lernen wir daraus? Das beantwortet die bekannte Autorin  Sophie Andresky  im E-Sex-Ratgeber  „Enjoy Yourself“. Darin geht es um  Skype-Sex, Dirty Talk und Sextoy-Tipps, die  man nicht nur in Zeiten des Social Distancing  gut brauchen kann.

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