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freizeit Leben, Liebe & Sex
03/05/2020

Wie lange das ideale Vorspiel dauert

An guten Ratschlägen für ein raffiniertes Vorspiel mangelt es nicht – die Frage ist nur: Wie lang soll’s denn dauern? Das will man nun im Rahmen einer Umfrage herausgefunden haben.

von Gabriele Kuhn

Zack. Zack. Zacker! Auf diese Weise könnte man so schlicht wie anschaulich zusammenfassen, wie sich die Länge des Geschlechtsverkehrs in Relation zur Beziehungsdauer entwickelt. Vor einigen Jahren gab es eine größere Studie zum Thema, dabei fanden australische Forscher heraus, dass viele Paare nicht länger als fünf Minuten miteinander schnackseln. Reinraus, aus Maus, Opernhaus, würde die gute Tante aus Kärnten vielleicht dazu sagen.

Natürlich handelt es sich dabei um Durchschnittszahlen – die Verkehrsdauer variiert letztendlich auf einer Skala zwischen 45 Minuten und 5 Sekunden – ein Raum-Bums-Kontinuum, sozusagen. Ich frage mich allerdings oft, wie man auf solche Zahlen kommt. Schnappen sich die Forscher diverse Ehe- und Liebespaare und sagen dann mit möglichst neutralem Blick sowas wie: „Okay, Leute. Hand aufs Herz, wie ist das bei euch so, wenn ihr es treibt. Wie lange dauert das genau? Bitte um möglichst exakte Angaben, bis in die Hundertstelsekunden.“ Worauf die Gefragten locker-flockig-herzhaft mit der gefühlten „Wahrheit“ rausrücken: „Hallo??? Unter einer Stunde geht bei uns genau gar nix!“ Und erst wenn ein bisschen nachgebohrt wird, hört man dann sowas wie: „Naja, aber ganz ehrlich, Hasi, Hand auf Herz und in den Schritt: Du kommst mitunter so schnell wie der Fallwind.“ Flups, schon entfaltet sich die Skala zwischen Speed-Bumsen und erotischer Langatmigkeit auf wundersame Weise.

Demnach verlor sich eine Kurzzeit-Affäre so lange herumfummelnd in ihrem Schritt, dass sie irgendwann sanft entschlummerte.

Vorspiel als Leistungsschau

Wie gut also, dass es nun diese Vorspielstudie des Kondomherstellers „Trojan Condoms“ und dem „Sex Information and Education Council of Canada“ gibt. Die haben sich das Sexualleben von 1.500 Menschen zwischen 18 und 24 Jahren (Oh, was für eine repräsentative Altersgruppe!) „angesehen“ – und zogen daraus ihre Schlüsse. Etwa die ideale Länge des erotischen Amuse-Gueule betreffend: Sechs Minuten lang dauert angeblich das ideale Vorspiel. Wie man auf diese Wunderformel kommt? Nun, jene Studienteilnehmer, die sich für das Vorspiel mindestens sechs Minuten Zeit ließen, beschrieben ihren Sex als „sehr befriedigend“. Was, bei näherer Betrachtung, stimmen könnte, weil sechs Minuten nicht zu lange, aber auch nicht zu kurz sind. Das bitte aus Sicht der Frau. Mir fällt dazu der Satz einer Bekannten ein, den ich mir für immer merken werde: „Und irgendwann bin ich dann eingeschlafen.“ Demnach verlor sich eine Kurzzeit-Affäre so lange herumfummelnd in ihrem Schritt, bis sie irgendwann sanft entschlummerte. Ja, es soll tatsächlich vorkommen, dass das Vorspiel bei manchen Männern zur Leistungsschau gerät, in deren Rahmen sie zeigen wollen, wie viel Erotik-PS sie draufhaben – so als würden sie gerne Mitarbeiter des Jahres werden. Das kann nach hinten losgehen. Die Bekannte sagte außerdem: „Mir wäre es wirklich lieber gewesen, er hätte mich zügig an den Vorzimmerkasten gelehnt und so lange gebumst, bis ich umgefallen wäre.“

Ich glaube aber, das Interessanteste, das ich je zu diesem sehr wichtigen Thema gelesen habe, kommt von der legendären US-Sex-Therapeutin Dr. Ruth Westheimer. Sie schrieb im Kapitel „Magie der Stimmung“ ihres Buchs „Sex für Dummies“ vor bald 20 Jahren: „Haben Sie als Mann jemals daran gedacht, als Akt des Vorspiels Blumen anzubieten? Wenn eine Frau von ihrem Geliebten ein Blumenbouquet erhält, besteht sehr wohl die Möglichkeit, dass sie das sexuell erregt. Vielleicht wird sie sogar ein wenig feucht.“

Na dann, meine Herren: Sagt es doch durch die Blume – und ihr erspart euch das ganze, oft einmal komplizierte, Sechs-Minuten-Tamtam.

TIPP Ein neues Buch, das möglichst viele Frauen lesen sollten: „Sie hat Bock“ (Verlag Dumont) von Kaja Lewina. Es thematisiert, wie viel Sexismus im Sex steckt. Denn immer wieder ist die Rede von der „potenten Frau“, die  tut, was sie  sexuell mag und braucht.  Doch nach wie vor werden solche Frauen gesellschaftlich verurteilt. Lewina ermuntert, die „Krusten unserer Sozialisation“ endlich abzukratzen – und das ist Empowerment pur.  

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