Selbstbestimmung ist das Zauberwort: „Was man freiwillig macht, tut einem gut“.

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freizeit Leben, Liebe & Sex
09/22/2021

Forschung belegt: Zu viel freie Zeit ist auch nicht gut

Qualität statt Quantität. Worauf es bei der Tagesgestaltung wirklich ankommt.

von Ingrid Teufl, Laila Docekal

Neben Job, Haushalt und womöglich Kindern sehnen sich viele nach mehr Zeit für sich selbst – um ein Buch zu lesen, einem Hobby nachzugehen – oder um einfach mal die Seele baumeln zu lassen. Allerdings macht zu viel Tagesfreizeit auch nicht glücklich, wie nun eine aktuelle Forschungsarbeit zeigt.

„Wir fanden heraus, dass Menschen mit zu viel Zeit sich subjektiv weniger wohlfühlen, weil ihnen das Gefühl von Produktivität und Sinn fehlt“, erklärt dazu Marissa Sharif von der University of Pennsylvania und Co-Autorin der Studie.

Doch wann ist es zu viel? Bei der Analyse der Daten von 35.000 Teilnehmern zeigte sich, dass sich das Wohlbefinden bei bis zu zwei Stunden Tagesfreizeit steigt – wenn die Menschen jedoch mehr als fünf Stunden Zeit für sich haben, kippt der positive Effekt und die Zufriedenheit beginnt zu sinken. Der entscheidende Faktor dafür ist, wie diese verfügbare Zeit genutzt wird.

Balance-Akt

Freizeitforscher Peter Zellmann vom Institut für Freizeit- und Tourismusforschung in Wien kann die Erkenntnisse aus der Studie nur bestätigen. Wobei er den englischen Begriff „leisure“ passender als das deutsche Wort „Freizeit“ empfindet. „Leisure meint nicht nur eine arbeitsfreie Zeit, sondern eine Zeit, die die Menschen ergänzend zur Arbeitszeit erfüllend gestalten können.“ Im deutschen Sprachraum galt Freizeit hingegen bis in die 1980er-Jahre als jener Zeitraum, „in dem man seine Arbeitskraft wieder erreichen sollte“.

Für Zellmann stehen Arbeit und Freizeit gleichwertig in der Lebensplanung. „Das ist keine Frage der Quantität.“ Vielmehr geht es bei einer individuellen Festlegung von freier Zeit vor allem um Selbst- und Fremdbestimmung. Konkret: „Was man freiwillig macht, tut einem gut. Es kommt darauf an, dass die selbstbestimmte Zeit auch so genutzt wird, dass einem nichts abgeht.“

Im Gegensatz dazu gilt: „Wenn man etwas als fremdbestimmt empfindet, ist eine Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit nicht möglich.“ Da kann sogar der Job positiv empfunden werden – wenn der Tag in Summe selbstbestimmt gestaltet werden darf.

Fernsehen war in Österreich die beliebteste Freizeitaktivität, bis sie laut Freizeitmonitor 2019 vom Handy abgelöst. wurde   

Jugendliche bevorzugen in ihrer Freizeit Aktivitäten mit Freunden und Nichtstun, fand das Institut für Jugendkulturforschung heraus. Von exzessiver Social-Media-Nutzung haben sie seit der Pandemie offenbar genug.

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