© Getty Images/iStockphoto/Alexmia/iStockphoto

freizeit Leben, Liebe & Sex
06/25/2020

Vom A-Punkt zum U-Punkt: Wo die weibliche Lust sitzt

Manchmal ist das Suchen und Finden der magischen Zonen kompliziert. Eine Orientierungshilfe - und welcher Punkt was kann.

von Gabriele Kuhn

"Ein bisserl orientierungslos“: So beschreibt Leserin C. ihren akuten Seelenzustand. Sie sei mit der Idee der (in einem gerade gelesenen Buch) empfohlenen „sexuellen Entdeckungsreise“ ziemlich überfordert, erzählt sie in einem Mail: „Was wollen die bitte von mir? Einerseits soll ich schauen, wo meine Lust am intensivsten ist, andererseits soll ich einfach nix tun. Oder können Sie mir vielleicht erklären, wo ich meinen U-Punkt, C-Punkt oder CUV-Punkt finde? Höchste Zeit für ein Google Maps der weiblichen Anatomie!“ 

Ich musste lächeln. Die Idee einer weiblichen Lust-Landkarte mitsamt Koordinaten fand ich so amüsant wie sinnvoll. Zugleich wurde mir klar, dass das „Suchen und Finden“ der orgasmischen Paradiesinsel am eigenen Körper überfordern kann. Weil es, im weitesten Sinne, wieder auf Performance und Optimierung abzielt – also die Idee, aus sich selbst das genitale Maximum herauszuholen. Daher habe ich spontan das für mich Wesentliche zurückgeschrieben: „Erstens: Entspannen Sie sich bitte. Zweitens: Probieren Sie einfach herum, ohne in Punkte-Kategorien zu denken.“ Zeit für eine experimentelle „Me-Time“: Ein Drücken dort, ein Reiben da, ein Ziehen, Bewegen, Pressen – und bam! – im besten Fall, passieren nette Dinge wie von selbst. Was uns von den Männern unterscheidet: Bei denen ist alles klar und simpel, die haben es einfach.

Anatomisches Wissen

Bevor die ganze Geschichte aber zu einem verkopft-verkrampften Orientierungsfummeln ausartet, könnte man sich schon vorinformieren. Zur Selbstliebe gehört auch anatomisches Wissen. Ein Meilenstein auf dem Weg zur sexuellen Befreiung kam diesbezüglich in den 1970er-Jahren von Betty Dodson, mit ihren ästhetischen Zeichnungen des weiblichen Geschlechts im Buch „Sex for One“. Zur Zukunft der sexuellen Befreiung hatte sie übrigens eine Vision, die sich aus heutiger Sicht schon sehr speziell liest: Wir schreiben Silvester 1999. Alle Fernsehstationen sind übereingekommen, meinen ,Orgasmus quer durch Amerika’ auszustrahlen. Auf jedem Bildschirm sieht man hoch qualifizierte, künstlerische Pornografie von den besten Talenten des Landes. Und um Mitternacht masturbiert die Nation zum Orgasmus für den Weltfrieden. Nette Idee, aber… naja.

Höchste Zeit für ein Google Maps der weiblichen Anatomie!“ 

Daher zurück zum Lust-ABC: Was ist was, was tut was? A wie A-Punkt findet sich in der sogenannten „Anterior Fornix Erogenous Zone“, die tief drinnen in der Scheidewand der Vagina liegt, Richtung Bauchdecke, zwischen G-Punkt und Gebärmutterhals. Das Ding heißt deshalb „Deep Spot“, weil man sehr tief rein muss, um ihn zu stimulieren. Ein „Orgasmus-Garant“, wie es auf manchen Webseiten heißt. Nicht zwingend. Funktioniert bei manchen, bei anderen wiederum nicht. Also bitte kein Huch, ich habe sowas nicht, mein Leben ist sinnlos-Aufschrei. Dann einfach woanders probieren, zum Beispiel beim U-Punkt. U wie Urethra für: Harnröhre. Dabei handelt es sich um den Bereich – sehr heikel, sehr sensibel – rund um die Harnröhre, zwischen Klitoris und Vagina. Wer allerdings aufs Ganze und ein Rundum-sorglos-Paket setzt, wandert gleich in der CUV-Zone herum. Nein, die ist kein Parkplatz für Familienvans, sondern steht für „ClithoUrethroVaginal“ – also die Zone rund um Klitoris, Vagina und die Harnröhre. Die alle sind mit Nerven miteinander versponnen – und das kann sehr wow sein. Den G-Punkt brauche ich nicht näher zu erwähnen – aber wohl den C-Punkt als sicherste Bank in Sachen „Do-it-yourself“-Orgasmus: Der steht für Klitoris. Und was die alles kann, ist relativ einfach herauszufinden.