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freizeit Leben, Liebe & Sex
12/07/2020

Dritter gesucht: "Tinder" für die Menage à trois

Mit der Monogamie ist das so eine Sache. Manche probieren es daher mit offener Beziehung, andere mit einem Dreier. Aber wie finden sich Mitspieler? Etwa mit einer Dating-App.

von Gabriele Kuhn

Wir schrieben das Jahr 2005, als ich an dieser Stelle das erste Mal über „Triolen und Kapriolen“ im Schlafzimmer schrieb – es ging um den „flotten Dreier“, wobei dieses „flott“ heute ein bisserl anachronistisch daherkommt. Damals zitierte ich eine gewisse Frau Roedig, die zum Thema Ménage-à-trois einen Essay verfasst hatte: „Drei. Drei sind die Blutstropfen von Schneewittchens Mutter im Schnee. Drei sind die Schritte der Dialektik. Drei Füße bringen einen Tisch zum Stehen. Drei Ecken machen einen Hut. Warum, so wollen wir hier fragen, soll sich ein Paar zu dritt nicht denken lassen?“

Hat sich an diesem Sehnen nach erotischer Erweiterung seit damals etwas geändert? Eher nicht. Visionen und Ideen zum Öffnen einer Beziehung existieren mehr denn je, das Konzept der Monogamie wird hinterfragt. Damit rücken neue Konstellationen in den Fokus: der Dreier, der Vierer – gerne in Form einer ergänzenden Beziehung, die länger dauert. Oder eben als flüchtig-szenische Begegnung, bei der es einfach nur um Sex geht. Die Motive dafür sind unterschiedlich: Manche befriedigen damit ihren Voyeurismus, die anderen wollen Spannung und einen bewusstseinserweiternden Kick erleben.

Der „Traum von der dreifachen Lust“, wie er im Buch „Sex im Kopf“ beschrieben wird, gilt nach wie vor als die häufigste Sexfantasie

Neugierig, aufgeschlossen, experimentierfreudig

Dass es dafür nun eine „Dating“-App gibt, ist wenig verwunderlich. „Feeld“ funktioniert ähnlich wie „Tinder“, fokussiert sich aber nicht auf das Suchen und Finden eines Lebensabschnittspartners, mit dem man daheim kocht und Scrabble spielt. Es geht bei der „alternativen Dating-Plattform für Paare und Singles“ vielmehr darum, Fantasien zu realisieren. Dafür gibt es eigene Partner-Accounts, damit ein Paar gemeinsam nach dem dritten Mann oder der dritten Frau suchen kann. Salopp formuliert, will die App „neugierige, experimentierfreudige, aufgeschlossene Menschen“ zusammenführen, die sich dann gemeinsam sexuell austoben und Spaß haben. „Feeld ist eine Dating-App mit Optionen, die die Kinsey-Skala in den Schatten stellt“, schrieb die New York Times 2019 darüber. Spannend ist, dass die Plattform für Menschen aller Geschlechter und sexueller Orientierungen gedacht wurde – heißt: Es gibt hier vielerlei Ausdrucksmöglichkeiten („pansexuell“, „demisexuell“, „queer“, z. B.) und Geschlechtsidentitäten, von Transgender bis Cisgender. Sehr zeitgemäß.

Der „Traum von der dreifachen Lust“, wie er im Buch „Sex im Kopf“ beschrieben wird, gilt nach wie vor als die häufigste Sexfantasie. Er ist von zeitloser Schönheit. Zwar mangelt es an Höhlenzeichnungen zum Thema, aber immerhin findet er sich auf Fresken in Pompeji. „Das 20. Jahrhundert ist schließlich voll von ,flotten’ Dreiern in Literatur, Film und in der Rock- und Popmusik“, heißt es ebenfalls. Zeitlos sind aber auch die Rahmenbedingungen, die solche Experimente überhaupt ermöglichen. Amüsiert man sich zu dritt, egal ob in Gestalt eines Mann-Mann-Frau-Trios oder einer Frau-Frau-Mann-Konstellation (bei der er den „Pascha“ geben kann), braucht’s klare Abmachungen. Und eine stabile Partnerschaft ohne Eifersucht, ohne Besitzansprüche und nachträgliche Vorwürfe im Stile von Aha, bei der/dem hast du dich aber viel mehr bemüht als bei mir ... Sonst wird es ungemütlich. „Eine Balance am Rande der Schmerzgrenze“, wie ich ebenfalls vor 15 Jahren schrieb – vor allem, wenn ungeplante Gefühle ins Spiel kommen. Oder aber, wenn einer mitmacht, obwohl er von dem Dreiecksexperiment gar nicht überzeugt ist. Zu wissen, wer etwas aus welchen Motiven heraus möchte, ist besonders wichtig. Sonst bleibt’s besser bei einer Fantasie – die kann bekanntlich auch recht nett sein.

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