Urlaub – endlich Zeit für Spiel, Spaß und Abenteuer. Doch der kindliche Übereifer kann auch schmerzhafte Folgen haben.

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freizeit Leben, Liebe & Sex
07/23/2021

Aua im Urlaub: Wie man kindliche Blessuren gut versorgt

Wenn sich der Nachwuchs fernab von zu Hause verletzt, kann das Eltern verunsichern. Was bei kleinen und größeren Wehwehchen zu tun ist.

von Marlene Patsalidis

Schnitte, Stiche, Sonnenbrand: Der KURIER klärt auf, was für eine entspannte Familienreise mit ins Reisegepäck muss.

Wie man offene Wunden, zum Beispiel von einem spitzen Strandfelsen, versorgt, erklärt Uwe Klingkowski vom Department für Kinder- und Jugendheilkunde der Uniklinik Innsbruck: "Zuerst wird die Wunde gereinigt, idealerweise desinfiziert, dann mit Verbandsmaterial sauber verbunden. Wichtig ist, dass Kinder einen aufrechten Tetanus-Impfschutz haben."

Eltern sollten ein Auge auf mögliche Entzündungsanzeichen haben: "Wenn die Wunde nicht abheilt, gerötet und geschwollen ist oder großflächig Eiter entsteht, sollte man sie vom Arzt versorgen lassen." Das gelte auch bei sehr tiefen Wunden. Für die Wundversorgung lohnt es sich daher, "Pflaster in verschiedenen Größen und eine heilende Wundsalbe parat zu haben", erklärt Susanne Ergott-Badawi von der Apothekerkammer. Damit der Badespaß nicht leidet, empfiehlt sie wasserfeste Pflaster.

Medikamente schützen

Die Reiseapotheke will mit Sorgfalt behandelt werden: "Medikamente sollten stets trocken, kühl und lichtgeschützt gelagert werden. Gerade Zäpfchen, die oft bei Kindern zu Anwendung kommen, schmelzen sonst schnell." Bei Flugreisen kommt die Reiseapotheke am besten ins Handgepäck. So ist sie nicht allzu großen Temperaturschwankungen ausgesetzt.

In südlichen Gefilden kann Hitze zum Problem werden. Besonders Kleinkinder sind Sonnenstich-gefährdet, "weil sie der Hitze selbstständig nicht so gut ausweichen und Unwohlsein nicht artikulieren können", sagt Klingkowski. Schatten oder Abkühlung in Innenräumen sind spätestens angesagt, "wenn das Kind ungewöhnlich schlapp ist, über Kopfschmerzen klagt und einen roten Kopf hat", sagt Klingkowski.

Sonne ausweichen

"Wenn die Körpertemperatur über 40 Grad steigt, wird es lebensgefährlich und ein Fall für den Arzt." Präventiv sollte man auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr – nicht nur Wasser, sondern auch mal mineralhaltige Fruchtsäfte – achten. Babys, die noch über keinen hauteigenen Sonnenschutz verfügen, sollen nie der direkten Sonne ausgesetzt sein. Bei Kindern aller Altersstufen sind sensitiver Sonnenschutz mit hohem Schutzfaktor (LSF 50) und Kopfbedeckungen Pflicht. Nachschmieren nicht vergessen.

Schwere Sonnenbrände (Bläschenbildung) sollten im Zweifelsfall medizinisch begutachtet werden, bei leichten helfen kühlende Umschläge, Schaumsprays oder Gels.

Welche Maßnahmen bei der Erstversorgung von Quallen-Verletzungen ergriffen werden müssen, ist von der Symptomatik abhängig. Der größte Fehler bei der Ersthilfe ist, die Nesselreste am Körper mit Süßwasser abzuwaschen. Quallen leben im Salzwasser, kommt Süßwasser auf ihre Nesselzellen, platzen diese auf und entladen sich. Idealerweise sollte man die Nesselfäden auf der Haut daher mit Salzwasser oder Essig abspülen. Auch das sanfte Abreiben mit Sand ist eine Option, allerdings sollte man nicht allzu stark reiben. Helfer sollten die Tentakel keinesfalls direkt berühren. Ist die Haut augenscheinlich sehr schwer betroffen, treten beim Verletzten Kreislaufprobleme oder Atemnot auf, muss umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Seeigel-Stacheln müssen immer vollständig entfernt werden, sonst drohen Infektionen. Wunden von Seeigel-Stacheln entzünden sich auch nach Entfernen der Stacheln leicht. Desinfizieren Sie sie deshalb und beobachten Sie den Heilungsverlauf. Zeigt der Betroffene Vergiftungssymptome (Lähmungserscheinungen), sollten umgehend der Notarzt gerufen werden.

Mittel für alle Fälle

Ein Muss in der Reiseapotheke sind kindgerechte Mittel gegen Fieber und Schmerzen. Ergott-Badawi: "So ist man gerüstet, wenn beim Nachwuchs ein Infekt oder Schmerzzustände auftreten oder Babys stark zahnen." Mit in den Koffer darf auch ein Fieberthermometer, "damit man abschätzen kann, wann fiebersenkende Mittel angebracht sind. In der Regel ist das ab 38,8 Grad Körpertemperatur der Fall."

Lutschpastillen helfen zuverlässig bei Halskratzen oder Hustenreiz und sind praktisch zu transportieren. "Zur Basisausrüstung zählen auch Probiotika und Darmbakterien, die bei Durchfall oder Verstopfung die Darmflora unterstützen, sowie Elektrolyt-Präparate, die bei Erbrechen wichtige Salze zuführen", sagt Ergott-Badawi. Auch für die ganz Kleinen gibt es auflösbares Pulver, das Säften beigemengt wird. Wichtig sind auch Elektrolyt-Präparate. Salze, die man durch starken Durchfall oder Erbrechen verliert, werden so wieder zugeführt. "Kinder werden schneller wieder fit und der Kreislauf normalisiert sich."

Kopf bis Fuß

Mit ungewohnt hoher Aktivität steigt das Risiko für Blasen an den Füßen. Sie werden am effektivsten mit Blasenpflastern versorgt. Stiche von Gelsen, Bienen oder Wespen werden durch das Auftragen antihistaminhaltiger, abschwellender und entzündungshemmender Salben erträglich.

Und was tun bei Zeckenbissen? "Kinder brauchen in erster Linie eine FSME-Impfung", sagt Klingkowski. "Dann gilt es, den Zeck mit einer herkömmlichen oder Spezialpinzette direkt über der Haut zu packen und langsam und gleichmäßig herauszuziehen. Danach die Stelle desinfizieren." Wenn eine ringförmige Rötung entsteht, ist das ein Hinweis auf Borreliose. "Dann muss man zum Arzt, der dann Antibiotika verschreibt."

Wo im Urlaub Sonne ist, ist ein Gewässer meist nicht weit: "Eine besonders dramatische Situation ergibt sich, wenn ein Kind zu Ertrinken droht. Hier muss man sofort einen Hilferuf absetzen, das Kind aus dem Wasser ziehen und mit Reanimationsmaßnahmen beginnen. Ganz wichtig ist, dass man beim Rettungsversuch nicht sich selbst in Lebensgefahr bringt."

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