221 Minuten pro Tag verbringen Jugendliche im Schnitt mit elektronischen Medien.

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freizeit Family
12/21/2019

Kinder und Smartphones: Zehn Antworten auf die heiklen Fragen

Was Sie mit Ihrem Kind klären sollten, damit das Telefon nicht zum Konflikt führt und Ihr Kind schädigt.

von Daniela Davidovits

Handys gehören in Familien zum Geschenk Nummer 1, jedenfalls mit ihrem Begeisterungsfaktor. Viele Kinder in der dritten oder vierten Klasse Volksschule bekommen nächste Woche ihre erstes Handy. Eltern sehen diesem Moment mit gemischten Gefühlen entgegen.

Zu Recht: Mit diesem Geschenk ist viel Verantwortung verbunden, betont Barbara Buchegger von der Initiative „Safer Internet“ im KURIER-Talk: „Eltern müssen mit ihren Kindern klare Spielregeln vereinbaren und sie darauf vorbereiten, wie sie mit dem Internet und den sozialen Medien verantwortungsvoll umgehen. Und wie sie bei Problemen reagieren sollen.“ Unter www.mediennutzungsvertrag.de gibt es – altersabhängig für 6 bis 12 Jahre oder älter – Leitfäden dafür.

Diese 10 Themen sollten Sie mit Ihrem Kind klären.

Wie lange nutzt mein Kind das Handy?

221 Minuten pro Tag verbringen Jugendliche durchschnittlich mit elektronischen Medien. Das klingt viel, doch wenn nicht alles ist verschwendete Zeit: Die Größeren verwenden Handy und Computer zunehmend auch für Aufgaben.

Bei den Kleineren empfehlen Experten eine Bildschirmzeit von einer halben Stunde, die später bis auf 1 1/2 Stunden ausgeweitet wird. Weniger aus gesundheitlichen Gründen, sondern damit sie genug Zeit für andere Beschäftigungen haben.

Eltern können im System die Zeiten einstellen und brauchen sie nicht mehr täglich neu diskutieren. Wichtig ist, dass das Handy etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen verbannt wird und in der Nacht nicht im Zimmer ist. Essenszeiten sollten handyfrei bleiben.

Wie kontrolliere ich, was mein Kind macht?

Buchegger rät Eltern davon ab, hinter dem Rücken ihrer Kinder das Handy zu durchforsten – so wie auch heimliches Tagebuchlesen zu einem Vertrauensbruch führen würde. Sinnvoller: Vereinbaren, dass die Eltern gemeinsam mit dem Kind das Handy durchsehen können. „Das ist für Kinder eine Entlastung, weil ihnen diese Begleitung Sicherheit gibt.“

Wie schütze ich es vor heiklen Inhalten?

Filter können dabei helfen, heikle Inhalte zu blockieren, doch sie sind keine Garantie. (Lesen Sie mehr dazu unten). Sogar in YouTube-Kids tauchten manipulierte Kinderserien mit verstörenden Inhalten auf. Kleine Kinder sollte man mit dem Handy gar nicht alleine lassen, vor allem auf Youtube kommen Kinder leicht unabsichtlich auf unpassende Inhalte. Eine Garantie bieten nur kostenpflichtige Streamingdienste wie Netflix, in der ausgewählte Programme zu finden sind (hier kann eine Altersgrenze fixiert werden). 

Wie gehen wir mit den Sozialen Medien um?

Soziale Medien wie WhatsApp und Youtube sind bei den Kindern die beliebtesten Apps, gefolgt von Instagram und Snapchat. Wer einmal mit dem Surfen anfängt, geht leicht verloren, warnt Kinderpsychiater Michael Winterhoff. Er nimmt die Eltern in die Pflicht: „Wenn Sie einem Achtjährigen in einem Eisgeschäft sagen, dass er essen darf, so viel er will, schlägt er sich den Bauch voll, bis er kotzt. Danach macht er weiter. Kinder brauchen ein klares Maß, was sie mit Elektronik tun dürfen.“

Bei Handy-Anfängern ist es sinnvoll, dass sie vor dem Downloaden jeder App nachfragen müssen. Manche Kinder dürfen anfangs auf ihrem Smartphone WhatsApp nicht installieren oder dessen Nutzung wird von den Eltern engmaschig kontrolliert.

Was sollen wir bei WhatsApp beachten?

Viele Apps dürfen offiziell erst ab einem Mindestalter genutzt werden. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass WhatsApp-Nachrichten schon bei Volksschulkindern rund um die Uhr eintreffen. Die Kommunikation in Gruppen kann auf WhatsApp leicht außer Kontrolle geraten. Jedenfalls muss klar gesagt werden, dass das Beleidigen anderer Kinder und auch das Posten von Fotos anderer verboten ist und wie man reagieren soll. Buchegger: „Besprechen Sie mit Ihrem Kind, dass es mit jeder Nachricht, die es beunruhigend findet, zu Ihnen kommen kann. Sie werden nicht schimpfen.“

Welche Kontakte entstehen im Netz?

Ganz kleine Kinder warnt man vor fremden Menschen mit Zuckerl am Spielplatz, online ist das nicht so einfach. Über die Kommunikationsfunktion bei Apps und Computerspielen können sie von anderen Menschen kontaktiert werden. Buchegger: „Das können andere Kinder sein, aber auch Erwachsene, die sich als Kinder ausgeben. Als meine Tochter ein Mädchen treffen wollte, dass sie über eine Musik-App kennen gelernt hat, bin ich natürlich mitgegangen. Die andere Mutter auch. Verbieten hilft da nicht, sonst machen es die Kinder hinter dem Rücken ihrer Eltern.“

Wie vermeide ich plötzliche Kosten?

2600 Dollar hatte ein kleines Mädchen bei Apple in sein virtuelles Tierhotel gesteckt, ohne dass die Eltern das gemerkt hatten. Und es war keine Ausnahme: 32 Millionen musste Apple damals an Eltern zahlen, deren Kinder Geld in Apps ausgegeben hatten. Wichtig ist daher, das Passwort für den Apple- und andere Stores nicht zu hinterlegen, auch wenn es mühsam ist. In den Profilen können auf einem Kinderhandy- oder Tablet die In-App-Käufe ausgeschaltet ganz werden.

Wie nützen wir das Handy sinnvoll?

Viele Eltern betrachten Handy-Zeit als reine Verschwendung, doch das muss nicht so sein. Es gibt eine Menge Apps und Youtube-Kanäle, die sinnvoll und lehrreich sind. Etwa aufwendige Erklärvideos auf Simple Club oder Denk- und Rätselspiele wie die App „Eloh“. Die Kinder können sehr gut zwischen „gescheiten“ und „dummen“ Angeboten unterscheiden - das können Eltern durchaus verbinden.

Auf der Plattform www.bupp.at veröffentlicht das Familienministerium Onlinespiel-Empfehlungen. Der US-Spielautor und -Spielentwickler Azi Burak fordert die Eltern auf, sich aktiv mit der digitalen Lebenswelt auseinanderzusetzen und sie zu gestalten: „Wer den Kindern gar kein Fernsehen oder gar keine Computer-Spiele erlaubt, tut ihnen nichts Gutes – das ist eben die Sprache der jungen Generation.“

Alles rund ums Internet  für Kinder:
www.saferinternet.at
Die Plattform der Elternberatungsstelle bietet zahlreiche Tipps.
www.eltern-bildung.at
Leitfaden und Online-„Vertrags“-Bausteine für Vereinbarungen.
www.mediennutzungsvertrag.de
Das Familienministerium testet und enpfiehlt Computerspiele.
www.bupp.at
Sammlung interessanter Apps für kleine bis große Kinder.
http://www.ene-mene-mobile.de
Gute Hinweise für Eltern rund um das Thema Sicherheit.
www.klicksafe.de
Hier kann man testen, ob man zuviel Zeit beim Handy verbringt.
www.smartphone-addiction.de
Auf dieser Webseite finden Kinder einen spielerischen Einstieg ins  Coding.
https://scratch.mit.edu
Eine von vielen Internetseiten mit  Wissensinhalten für Kinder.
www.wissenmachtah.de
Youtube-Channel und kostenpflichtige App zum Lernen.
www.thesimpleclub.com

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